Ernst & Young Vertrauensindex im Frühling 2011
Wien, 11. April 2011
Ernst & Young Vertrauensindex im Frühling 2011
Vertrauen in die Stabilität und Funktionsfähigkeit der wichtigsten Player und Institutionen wieder gewachsen
Euro Vertrauensgewinner nach Tief im Dezember 2010 – Skepsis gegenüber angeschlagenen Euro-Staaten aber weiterhin groß
Schuldenkrise und hohe Energiepreise bereiten weiterhin Sorgen
Österreichische Unternehmen bewerten eigene Lage zu 64 Prozent positiv
„Im vergangenen Quartal hat sich das Vertrauen in die Stabilität sowie in die zentralen Player und Institutionen in Österreich wieder deutlich verbessert, liegt aber noch immer unter dem Wert von September 2010. Gleichzeitig gibt es Verunsicherungen durch die Schuldenkrise in Europa, die Katastrophe in Japan und die steigenden Energiepreise“, so Helmut Maukner, Country Managing Partner des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young in Österreich.
Besonders stark an Vertrauen konnte der Euro mit einem Plus von 10 Prozentpunkten gewinnen, der im Dezember 2010 noch zu den großen Verlierern zählte. Trotz der positiven Bewertung der europäischen Währung bleibt aber die Skepsis gegenüber den angeschlagenen Euro-Staaten hoch. Einen beträchtlichen Vertrauenszuwachs konnten auch der Bankensektor und die Notenbanken verbuchen. Der Energiesektor büßte hingegen mit einem Verlust von 10 Prozentpunkten stark an Vertrauen ein. Das ergab der aktuelle Vertrauensindex des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young, der unter 202 österreichischen Unternehmen erhoben wurde und seit Juni 2009 vierteljährlich durchgeführt wird.
Steigende Energie- und Rohstoffpreise werden problematisch
Die stark gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise, resultierend aus der unsicheren Lage im Nahen und Mittleren Osten, werden zu einem erheblichen Problem – vor allem für die Industrieunternehmen. 90 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen die hohen Energiepreise Sorgen bereiten (plus 16 Prozentpunkte). Kein anderes Thema – weder die hohe Staatsverschuldung (65 Prozent) noch die demografische Alterung (63 Prozent) – bereitet der österreichischen Wirtschaft derzeit so große Sorgen.
„Viele Unternehmen leiden momentan sehr stark unter den Preissteigerungen für Energie, Rohmaterialien und Vorprodukte“, beobachtet Maukner. „Die Unternehmen können auf diese Preissteigerungen kaum aus eigener Kraft reagieren, und sie können sie nur in sehr begrenztem Umfang an ihre Kunden weitergeben. Das Ergebnis sind sinkende Margen oder gar rote Zahlen – trotz guter Auslastung und voller Auftragsbücher.“
Sorgen um Schuldenkrise wächst weiter
Als erheblicher Unsicherheitsfaktor wird von den Befragten auch vermehrt die Schuldenkrise in der Eurozone wahrgenommen. Sieben von zehn befragten Unternehmen (71 Prozent) zweifeln daran, dass die angeschlagenen Euro-Staaten ihre Verschuldung noch in den Griff bekommen werden – in der Dezember-Befragung zeigten sich noch deutlich weniger Befragte (59 Prozent) skeptisch. Und zwei von drei Befragten befürchten, dass die aktuelle Euro-Krise den Aufschwung in Österreich gefährdet – auch dieser Wert hat sich gegenüber Dezember etwas erhöht. „Die Schuldenkrise wurde in den vergangenen Wochen in der Wahrnehmung der Manager von anderen Entwicklungen wie der Katastrophe in Japan und der schwierigen Lage in Libyen – weitgehend überlagert“, stellt Maukner fest. „Aber nach wie vor ist völlig unklar, ob es den Ländern der Eurozone tatsächlich gelingt, überzeugende Antworten auf die Krise zu finden.“
Deutlich gestiegen ist auch die Bedeutung der demografischen Alterung, die zunehmend als großes Problem bewertet wird: 63 Prozent der Manager geben an, dass dieses Thema ihnen Sorgen macht, im Dezember lag der Anteil nur bei 51 Prozent.
Zuversichtliche Bewertung der eigenen Lage
Nachdem der Aufschwung in Österreich zum Jahresende 2010 etwas an Fahrt verloren hatte, konnte sich die Geschäftslage der österreichischen Unternehmen im ersten Quartal 2011 wieder verbessern. Derzeit bewerten 64 Prozent der Unternehmen die aktuelle Geschäftslage positiv – im Dezember lag der Anteil noch bei 61 Prozent. Damit setzt sich der Aufwärtstrend fort. Die Mehrzahl der Unternehmen zeigt sich auch bezüglich der eigenen Geschäftsentwicklung zuversichtlich. Die Erwartungen zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung in Österreich und weltweit sind ebenfalls positiv, fallen aber deutlich verhaltener aus. Besonders zufrieden zeigen sich Unternehmen aus der Bau- und Energiebranche.