Ernst & Young European Fraud Survey 2011: Bestechung und Korruption sind in vielen Märkten nach wie vor Routine Wien, 28. Mai 2011 - Europaweit sind 62 Prozent der Befragten der Meinung, dass Bestechung und Korruptionspraktiken weit verbreitet sind. In Österreich teilen hingegen nur 34 Prozent diese Meinung.
- Österreicher sind in Hinsicht auf unethisches Verhalten weniger tolerant als der europäische Durchschnitt.
- Lediglich 12 Prozent der befragten österreichischen Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Anti-Betrugstraining.
- 58 Prozent der Österreicher sehen eine höhere Notwendigkeit einer behördlichen Aufsicht, um das Risiko von Betrug, Bestechung und Korruption zu reduzieren. (Vgl.: 77 Prozent in Europa).
„Nach wie vor scheint es in Europas Unternehmen Usus zu sein, Geldgeschenke oder Entertainment als Mittel zu benutzen, um mehr Business zu machen“, interpretiert Martin Schwarzbartl, Geschäftsführer und Leiter der Ernst & Young Fraud Investigation & Dispute Services in Österreich, die Ergebnisse des aktuellen European Fraud Survey 2011 des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young. Mehr als ein Drittel der befragten Mitarbeiter quer durch Europa gab an, darauf vorbereitet zu sein, Geldgeschenke oder Unterhaltung anzubieten, um mehr Geschäft zu gewinnen. Rund der Hälfte der Befragten sind laut der Studie nicht einmal die Anti-Bestechungsregeln ihres eigenen Unternehmens bewusst. Während etwa Mitarbeiter in Griechenland (44 Prozent) und Russland (39 Prozent) am ehesten bereit sind, mit Geldbeträgen zu bestechen, sind die Norweger kaum dazu bereit (6 Prozent). Generell sehen zwei Drittel der europäischen Befragten Bestechung und Korruption als weit verbreitet im eigenen Land an. 40 Prozent geben an, dass sich das Problem in den letzten zwei Jahren des Konjunkturabschwungs noch verschlechtert hat. Im Rahmen des European Fraud Survey 2011 wurden europaweit mehr als 2.300 Mitarbeiter und Führungskräfte aller Ebenen in 25 Ländern – darunter auch 103 Personen in Österreich – befragt. Österreich: Weniger anfällig für Korruption und Bestechung? Verglichen mit dem europäischen Durchschnitt glaubt jedoch ein signifikant geringerer Anteil der Befragten in Österreich, dass Bestechungs- und Korruptionspraktiken im eigenen Land weiterverbreitet sind (34 vs. 62 Prozent), dass Korruption aufgrund des Konjunkturabschwungs zugenommen hat (26 vs. 40 Prozent) und dass Unternehmen routinemäßig Bestechung nutzen, um Verträge zu gewinnen (11 vs. 28 Prozent). „Dieses Ergebnis spiegelt einmal mehr die österreichische Mentalität wider. Tagtäglich wird zwar in den Medien berichtet, dass unethisches Verhalten praktisch an der Tagesordnung ist, dennoch glauben wir nicht wirklich daran“, betont Schwarzbartl. Und dazu kommt, dass die Österreicher weniger tolerant gegenüber unethischen Verhaltens sind. Nur 12 Prozent der Studienteilnehmer hält es für akzeptabel, persönliche Geschenke, Dienstleistungen oder Geldbeträge als Gegenleistung für die Zusage eines Geschäfts anzubieten. Europaweit sind es 19 Prozent. Immerhin 15 Prozent der österreichischen Befragten würden Entertainment anbieten, um einen Vertrag zu gewinnen (Europa: 17 Prozent). Kaum Mitarbeiterschulungen zu Anti-Bestechungs-Policies Doch trotz der geringen Toleranz gegenüber unethischen Verhaltens liegen die österreichischen Unternehmen weit unter europäischem Durchschnitt, wenn es darum geht, ihre Mitarbeiter hinsichtlich der Vermeidung von Betrug oder Bestechung zu schulen. Nur 17 Prozent der Befragten bestätigten Trainings innerhalb des Unternehmens zu dieser Thematik. (Europa: 38 Prozent). Immerhin 57 Prozent gaben an, dass es eine Anti-Bestechungs-Policy und einen Verhaltenskodex gebe. Rund zwei Drittel der Europäer sehen eine höhere Notwendigkeit einer behördlichen Aufsicht, um das Risiko von Betrug, Bestechung und Korruption zu reduzieren. Die österreichischen Unternehmen teilen diese Meinung nicht (58 vs. 77 Prozent). Nur 26 Prozent der Befragten gaben an, sich in Unternehmen wohler zu fühlen, von denen bekannt sei, dass sie von Behörden unter die Lupe genommen würden. (Europa: 55 Prozent). Fazit Schwarzbartl: „Die Umfrage zeigt einmal mehr, dass Österreich, was den Umgang mit Betrug und Korruption betrifft, noch weit vom europäischen Niveau entfernt ist. Offensichtlich herrscht bei uns immer noch die Meinung vor: Betrug und Korruption sind ein Problem, ja, aber das der Anderen. Bleibt abzuwarten, ob der österreichische Gesetzgeber die Voraussetzungen für eine effektive und schlagkräftige Bekämpfung dieser unangenehmen Dinge des Wirtschaftslebens schafft. Ansonsten laufen wir Gefahr, international den Ruf einer „Bananenrepublik“ zurückzuerlangen.“ Ernst & Young European Fraud Survey 2011 Für die Ernst & Young European Fraud Survey 2011 wurden im Zeitraum vom Jänner bis Februar 2011 insgesamt 2.365 Interviews in 25 Ländern Europas durchgeführt. Befragt wurden Mitarbeiter und Führungskräfte aller Ebenen in Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten. 58 Prozent davon fanden mit Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten statt. Österreichweit wurden 103 Interviews durchgeführt. |
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