EY Immobilienstandort Österreich: Neue Player und steigende Preise

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Österreichischer Immobilienmarkt im europäischen Vergleich deutlich attraktiver als im Vorjahr / Versicherer immer wichtiger als Finanzierer / Wien ist und bleibt Favorit für Büro- und Wohninvestments / Europäischer Markt: Kerneuropa und Nicht-Euro-Länder besonders attraktiv für Investoren
 

Der österreichische Immobilienmarkt wird im europäischen Vergleich voraussichtlich an Attraktivität gewinnen. In der Folge könnte Österreich heuer wieder mehr größere Deals und auch insgesamt mehr Transaktionen sehen. Auch die Preise in guten Lagen dürften steigen, und zwar sowohl für Büro-, Wohn- und Einzelhandelsimmobilien. Dies sind Ergebnisse des zweiten österreichischen Trendbarometers Immobilien-Investmentmarkt 2013 von EY. Befragt wurden unter anderem Banken, geschlossene Fonds sowie börsennotierte und auch staatliche Gesellschaften, die am österreichischen Immobilienmarkt aktiv sind. Insgesamt haben sich 21 Marktteilnehmer an der Umfrage beteiligt.

Klare Botschaft
Sie senden eine klare Botschaft: Mehr als sieben von zehn Befragten erwarten ein insgesamt steigendes Transaktionsvolumen, und knapp neun von zehn Befragten sehen den heimischen Markt im internationalen Vergleich als attraktiv. Im vergangenen Jahr hatten die Studienteilnehmer Österreich ebenfalls bereits mehrheitlich Attraktivität bescheinigt. Der Anteil hatte aber niedriger gelegen – bei 65 Prozent. „Der Zuwachs an Vertrauen in unseren Markt heißt nicht, dass die Zeiten weniger stürmisch geworden sind“, sagt Alexander Wlasto, Partner bei EY in Wien. „Wir haben kein einfaches Jahr vor uns. Aber es scheint, dass dem österreichischen Immobilienmarkt im internationalen Vergleich die nötige Robustheit zugetraut wird.“

Neue Player bei der Finanzierung
Wie auch schon 2012 werden Wlasto zufolge die Verfügbarkeit und Konditionen von Immobilienfinanzierungen zu den wichtigsten Themen zählen. Die Banken werden sich aufgrund der zunehmenden Regulierung (unter anderem Basel III) weiterhin zurückhalten – das erwarten 85 Prozent der Studienteilnehmer. Dafür gibt es neue Player bei der Finanzierung: Denn laut Studie wird sich die Immobilienfinanzierung von den Banken mehr und mehr auf Versicherungsgesellschaften verschieben. Während im Vorjahr nur 36 Prozent der Befragten Versicherungen als neue Fremdkapitalgeber gesehen haben, sind es heuer fast neun von zehn.

In- und Ausländer auf Green-Building-Suche
Die wichtigsten Käufer- und Verkäufer dürften Wohnungs- und Immobilienaktiengesellschaften auf der Anbieterseite sowie Opportunity/Private-Equity-Fonds und vermögende Private auf der Nachfrageseite sein. Mit zunehmender Tendenz stammen Käufer oder Verkäufer aus dem Ausland: Rund zwei Drittel der Befragten erwarten mehr Cross-Border-Transaktionen – internationale Investoren werden ihren Anteil am Transaktionsvolumen also voraussichtlich weiter vergrößern und Veranlagungschancen am österreichischen Markt wahrnehmen. Immer wichtiger auf der Liste der Investitionskriterien sind dabei Green-Building-Standards. Der Studie zufolge spielen sie in kaum einem anderen Land Europas eine ähnlich große Rolle: 90 Prozent der Befragten konstatieren, dass Green-Building-Standards künftig bei Immobilieninvestments in Österreich wichtiger werden. „Mit dem im vergangenen Jahr verschärften Energieausweisvorlagegesetz war zu erwarten, dass Themen wie Nachhaltigkeit und Lebenszykluskosten noch mehr ins Bewusstsein rücken“, meint Wlasto. Dennoch sei der Sprung erstaunlich groß ausgefallen.

Steigende Preise
Die voraussichtlich hohe Nachfrage aus dem In- und Ausland hat entsprechende Auswirkungen: Die deutliche Mehrheit der Befragten – jeweils rund zwei Drittel – erwartet steigende Preise für Büro- und Einzelhandelsimmobilien in 1A-Lagen. Besonders im Fokus stehen dabei Investitionen in Wien und Salzburg. „Neben Einzelhandelsimmobilien bleiben auch Wohnimmobilien des Investors Liebling“, sagt Erich Sorli, Geschäftsführer bei EY in Wien. Für Wohnimmobilien an Top-Standorten sehen sogar mehr als sieben von zehn Befragten steigende Preise, wobei Linz bei Investoren genauso gefragt ist wie die Hauptstadt. Je rund die Hälfte der Befragten gibt diese beiden Städte als Favoriten an. Die an sich positive Entwicklung in allen Nutzungsarten könnte Sorli zufolge allerdings dazu führen, dass die Preisvorstellungen von Verkäufern und Käufern mitunter auseinandergehen. „Dies kann ein Hemmnis darstellen, das den Anstieg des Transaktionsvolumens bremst.“

Europäischer Ausblick
Zum zweiten Mal wurden analog zum hiesigen Trendbarometer auch Befragungen in weiteren europäischen Märkten durchgeführt. Am aktuellen Trendbarometer haben sich insgesamt 500 Unternehmen aus 15 Ländern (inklusive Österreich) beteiligt. Die Europäischen Ergebnisse: Der Großteil der jeweils in ihren Ländern aktiven Investoren sieht ihren Markt als attraktiv. Allerdings sind die Länder mit Fremdwährungen gegenüber den Euro-Ländern tendenziell attraktiver für Immobilieninvestments – es ist offensichtlich, dass dies eine Folge der anhaltenden Euro- beziehungsweise Staatsschuldenkrise ist. Aus dem gleichen Grund herrscht in den südlichen und peripheren europäischen Märkten mehr Zurückhaltung bei Immobilieninvestoren als im Zentrum oder Norden Europas.

Wohnimmobilien europaweit im Fokus
Das voraussichtliche Transaktionsgeschehen ist ein Spiegel dieser Situation: In fast allen Ländern sehen die Marktteilnehmer die Eurokrise – und als Folge eine Furcht vor Inflation – als die Haupttreiber für Immobilientransaktionen, erneut mit Ausnahme der Länder mit Fremdwährungen und des europäischen Südens, wo sich die gegenwärtige „Flucht in Immobilien“ etwas weniger deutlich auswirkt. Obgleich die einzelnen Einschätzungen je nach Land variieren, wird insgesamt eine spürbare Nachfrage nach allen Immobilienarten erwartet: Für Einzelhandelsimmobilien wird in den meisten Ländern mindestens eine moderate, teilweise auch eine starke Nachfrage gesehen. Wohnimmobilien werden in den meisten Ländern 2013 sogar sehr stark nachgefragt sein. Büroimmobilien werden ebenfalls auf großes Interesse stoßen, allerdings hier nur punktuell und – anders als bei den vorgenannten Nutzungsarten – nicht in der Mehrzahl der untersuchten Länder. Insgesamt dürften sich die Immobilienpreise in den Segmenten, auf denen die Investorennachfrage liegt, positiv entwickeln oder zumindest stabil bleiben.

Das Trendbarometer Immobilien-Investmentmarkt
Das Trendbarometer Immobilien-Investmentmarkt erscheint in Deutschland bereits seit 2006, in der Schweiz seit 2010 und in Österreich seit 2011. Erstmals wurden mit der aktuellen Untersuchung insgesamt zwölf europäische Immobilienmärkte untersucht. Befragt wurden insgesamt ca. 550 Unternehmen und Investoren, die in den vergangenen Jahren auf ihrem jeweiligen Immobilienmarkt aktiv waren.