Weiterhin eher positive Zukunftsaussichten der Schweizer Banken

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Trotz der weltweiten Finanz- und Schuldenkrise und anderer Herausforderungen blicken die Schweizer Finanzinstitute weiterhin zuversichtlich in die Zukunft. Wie das EY Bankenbarometer 2013 zeigt, vertrauen die Finanzinstitute letztlich auf ihre Stärken. Das Private Banking ist dem grössten Wettbewerbsdruck ausgesetzt; die regulatorischen Anforderungen steigen, eine Konsolidierung wird wahrscheinlicher. Das Scheitern des Steuerabkommens mit Deutschland nehmen die befragten Banken relativ gelassen hin. Der Bundesgerichtsentscheid in Sachen Retrozessionen in der Schweiz wie auch die geplanten verschärften europäischen Regeln in diesem Bereich machen ein grundlegendes Überdenken der Gebührenmodelle notwendig. Dabei ist das Vermögensverwaltungsgeschäft am stärksten betroffen.

Zürich, 10. Januar 2013 – Die aktuelle Geschäftsentwicklung wird von 20 (im Vorjahr 15) Prozent der 120 Banken in der Schweiz, die im Dezember 2012 für das EY Bankenbarometer 2013 befragt worden sind (ohne die beiden Grossbanken), als positiv beurteilt. 58 (62) Prozent bewerten den Geschäftsgang als eher positiv, nur 22 (23) Prozent machen einen bedeutenden Rückgang des operativen Ergebnisses aus. Auch die Zukunftsaussichten erachten die befragten Banken weiterhin als gut: Wie im Vorjahr gehen hohe 70 Prozent von einer positiven oder eher positiven Geschäftsentwicklung für 2013 aus. Zwar rechnet die Mehrheit mit rückläufigen Vergütungen für Mitarbeitende und Aktionäre, umfangreiche Stellenabbaumassnahmen werden in den nächsten Monaten aber nicht erwartet. Auf den ersten Blick überrascht die unveränderte positive Einschätzung. Das Resultat der Befragung zeigt die nach wie vor hohe Bedeutung und relative Stärke des Schweizer Finanzplatzes. Die Schweizer Banken haben bisher die Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Schuldenkrise relativ gut überstanden, drei Viertel der Institute sind sogar der Ansicht, dass sie durch die Finanzkrise gestärkt wurden. «Tatsächlich werden gerade in unsicheren Zeiten die sicherheitsrelevanten Merkmale der Schweiz und des Schweizerischen Finanzsystems stark nachgefragt», fasst Patrick Schwaller, Partner und Leiter Bankenbarometer Schweiz bei EY, die Umfrageergebnisse zusammen.

Unterstützung für die Politik der Schweizerischen Nationalbank
Die grundsätzlich positive Beurteilung der Zukunftsaussichten hängt auch mit der im Vergleich zum Vorjahr etwas optimistischeren Einschätzung der Entwicklung an den Finanzmärkten zusammen. Die Mehrheit der befragten Banken geht von unveränderten oder eher positiven Entwicklungen an den weltweiten Finanzmärkten aus; nur 25 (58) Prozent der befragten Banken rechnen damit, dass sich die Lage an den Finanzmärkten verschlechtern wird. Die Politik der Schweizerischen Nationalbank geniesst innerhalb der Bankbranche weiterhin eine sehr hohe Akzeptanz: 87 (89) Prozent der befragten Institute beurteilen die Einführung und Verteidigung der Euromindestgrenze als positiv beziehungsweise eher positiv. «Die verschiedenen beschlossenen, initiierten und teilweise bereits umgesetzten Stabilitätsmechanismen der Notenbanken und der Staaten zeigen ihre Wirkung und sorgen für etwas Entspannung an den Finanzmärkten», sagt Patrick Schwaller.

Private Banking unter Druck
Das Private Banking weist derzeit den stärksten Wettbewerbsdruck auf. 60 (35) Prozent der befragten Banken identifizieren das Private Banking als das Geschäftssegment mit den grössten Herausforderungen und der grössten Wettbewerbsintensität. Nur noch 10 (40) Prozent sehen im Retail Banking einen besonders starken Wettbewerbsdruck. Nochmals gestiegen sind die Erwartungen, dass es im Bankensektor zu einer Konsolidierung kommen wird: 92 (88) Prozent rechnen bis in spätestens vier Jahren mit Zusammenschlüssen oder Übernahmen. Im Private Banking wird bereits früher eine Konsolidierung erwartet. «Das Private Banking befindet sich in einer Phase der fundamentalen Neupositionierung und kämpft gleichzeitig mit sinkenden Erträgen und steigenden Kosten. Aus diesem Grund hat der Wettbewerbsdruck nochmals an Intensität gewonnen», sagt Iqbal Khan, Partner und Leiter Banking & Capital Markets von EY Schweiz.

Gelassenheit beim Steuerabkommen
Die Entwicklung rund um das Bankkundengeheimnis und die Abgeltungssteuer werden von den Banken unterschiedlich beurteilt: Die eine Hälfte der befragten Banken geht von positiven beziehungsweise eher positiven Auswirkungen für den Schweizer Finanzplatz aus, die andere Hälfte rechnet mit negativen Folgen. Klarer ist die Einschätzung, was die Ablehnung des Steuerabkommens mit Deutschland betrifft: 72 Prozent der befragten Banken beurteilen das Scheitern als positiv oder eher positiv. «Dieses erstaunliche Ergebnis ist auch darauf zurückzuführen, dass Umsetzungskosten wegfallen und der sofortige Abfluss von Kundengeldern ausbleibt. Dies gilt vor allem für kleine und mittelgrosse Privatbanken sowie für schwergewichtig national tätige Banken», so Patrick Schwaller.

Weissgeldstrategie und erhöhte Sorgfaltspflichten
Vor dem Hintergrund der Ablehnung des Abgeltungssteuerabkommens mit Deutschland haben einige Banken mit der Umsetzung von flankierenden Massnahmen begonnen. 21 Prozent der befragten Banken haben gemäss ihrer Aussage bereits eine „Weissgeldstrategie“ umgesetzt, 12 Prozent haben die bestehenden Sorgfaltspflichten auf potenzielle Steuerdelikte ausgedehnt und 6 Prozent haben die Investitionen für Datensicherheit erhöht. Eine Mehrheit von 61 Prozent der befragten Banken sieht allerdings direkt nach Ablehnung des Abgeltungssteuerabkommens mit Deutschland keinen akuten Handlungsbedarf für Sofortmassnahmen. «Mit der Übernahme des OECD-Standards bei der Amtshilfe in Steuersachen gemäss Art. 26 des OECD-Musterabkommens durch die Schweiz und einer zunehmenden Ausweitung der Sorgfaltspflichten für steuerlich risikobehaftete Geschäftsbeziehungen verfügen die Banken offenbar bereits über strategische Konzepte für die Zukunft», sagt Iqbal Khan.

Überhitzungen im Immobilienmarkt – restriktivere Kreditvergabe erwartet
Eine wachsende Mehrheit von 77 (65) Prozent der befragten Institute ist der Ansicht, dass der Immobilienmarkt derzeit zur Blasenbildung neigt und dass sich diese Entwicklung in den letzten Monaten sogar noch weiter verschärft hat. Eine stabile Mehrheit von 53 (59) Prozent der Banken geht daher auch von einer künftig eher restriktiveren Kreditvergabepolitik aus. Für die kommenden sechs bis zwölf Monate rechnet die Mehrheit der Banken mit einem relativ stabilen Bedarf an Wertberichtigungen und Rückstellungen für Ausfallrisiken aus dem Kreditgeschäft; 42 (60) erwarten einen steigenden Wertberichtigungsbedarf.

Zunehmende Transparenz in den Vergütungsmechanismen
Das wegweisende Bundesgerichtsurteil in Sachen Retrozessionen und Bestandespflegekommissionen wird erhebliche Konsequenzen haben: Eine Mehrheit von 77 Prozent der befragten Institute geht davon aus, dass sich die Banken teilweise mit bedeutenden Rückgabeforderungen konfrontiert sehen werden. Dies gilt jedoch in erster Linie für das Vermögensverwaltungs- und weniger für das Anlageberatungsgeschäft. 70 Prozent gehen davon aus, dass die bisherigen Vertriebsentschädigungen langfristig wegfallen werden, 74 Prozent erwarten eine fundamentale Erhöhung der Transparenz der Vergütungsmechanismen. Die Mehrheit der Banken geht aber nicht davon aus, dass die Dienstleistungen letztlich nachhaltig günstiger werden; nur ein Drittel erwartet, dass die erhöhte Transparenz auch zu tieferen Preisen führt. «Die Finanzindustrie steht – nebst vielen anderen Problemstellungen – vor der grossen Herausforderung, einen neuen Umgang mit inhärenten Interessenkonflikten sowie neue Formen von Entschädigungsmodellen zu finden, die auch nachhaltig akzeptiert werden», sagt Iqbal Khan.

Informationen zur Studie
Das zum dritten Mal erhobene EY Bankenbarometer basiert auf der Befragung von 120 Führungskräften (Mitglieder der Geschäftsleitung) von verschiedenen Banken in der ganzen Schweiz, ohne Grossbanken. Bei 36 Prozent der befragten Institute handelt es sich um Privatbanken, bei 28 Prozent um Auslandbanken, bei 26 Prozent um Regionalbanken und bei 10 Prozent um Kantonalbanken. 73 Prozent der Institute stammen aus der Deutschschweiz, 22 Prozent aus der Westschweiz und 5 Prozent aus dem Tessin. Die telefonische Befragung wurde im Dezember 2012 im Auftrag von EY durch ein unabhängiges Marktforschungsinstitut (Valid Research Bielefeld) durchgeführt.

Kurzporträt von EY
EY ist ein weltweit führendes Unternehmen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuern, Transaktionen und Beratung. Unsere 167’000 Mitarbeitenden auf der ganzen Welt verbinden unsere gemeinsamen Werte sowie ein konsequentes Bekenntnis zur Qualität. Wir differenzieren uns, indem wir unseren Mitarbeitenden, unseren Kunden und unseren Anspruchsgruppen dabei helfen, ihr Potenzial auszuschöpfen. In der Schweiz ist die EY AG ein führendes Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen mit rund 2’000 Mitarbeitenden an 10 Standorten und bietet auch Dienstleistungen in den Bereichen Steuern und Recht sowie Transaktionen und Rechnungslegung an. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website www.ey.com/ch

EY bezieht sich auf die globale Organisation der Mitgliedsfirmen von Ernst & Young Global Limited (EYG), von denen jede eine eigene  Rechtseinheit bildet. EYG, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach britischem Recht, erbringt keine Dienstleistungen für Kunden.