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Entrepreneur des Jahres - Sieger und Finalisten - Die Sieger 2008 - dm-drogerie markt - Ernst & Young - Deutschland

Professor Götz W. Werner, dm-drogerie markt GmbH + Co. KG, Karlsruhe

„Entrepreneur des Jahres 2008“ in der Kategorie Handel


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Professor Götz W. Werner

Zuerst verwandelte Götz Werner die Drogerie in einen schicken, günstigen Supermarkt. Danach brach er mit Denkmustern in der Personalführung. Mit einem betont anti-autoritären Führungsstil machte er aus seiner Filialkette dm-drogerie markt einen Marktführer in Europa. Für dieses Engagement zeichnet die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young Götz Werner als „Entrepreneur des Jahres 2008“ aus.

Der Entrepreneur

„Je mehr Menschen im Unternehmen die Bedürfnisse ihrer Kunden selbstständig wahrnehmen können, desto unternehmerischer ist das Unternehmen“, meint Götz Werner. Deshalb hat der Gründer von dm-drogerie markt einen großen Teil der Verantwortung an seine Mitarbeiter in den knapp 2.000 Filialen weitergegeben. Vor Ort wird darüber bestimmt, was verkauft wird, aber auch, wer dort arbeitet und wieviel verdient. Werner setzt jedoch nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen auf ein Menschenbild, das geprägt ist von Vertrauen und Respekt. Als Familienvater entdeckte der Unternehmer, der 1944 als jüngstes von fünf Kindern in Heidelberg geboren wurde, in den Waldorfschulen seiner Kinder die Lehren von Rudolf Steiner. „Mit Hilfe der Anthroposophie verstehe ich den Menschen und die Entwicklung der Welt besser“, sagt Werner heute. Und so ist es kein Wunder, wenn sich Teile dieser Philosophie im Management der dm-Kette wiederfinden: Die Läden offerieren eine breite Auswahl von Bioprodukten. Auszubildende heißen hier „Lernlinge“ und erfahren in Theaterworkshops den Wert von Teamfähigkeit und zielgerichtetem Handeln. Und Werner weist in der Bilanz Mitarbeitereinkommen aus, weil er Angestellte als Quelle von Ideen und nicht als Kostenfaktor sieht. Der Erfolg gibt dem passionierten Ruderer Recht: dm gewinnt nicht nur in der Bewertung als Arbeitgeber ständig Bestnoten, auch Kunden kaufen hier gerne ein. Neuerdings widmet sich Werner verstärkt gesellschaftlichen Zielen: Der Unternehmer fördert seit Jahren die Musikausbildung und Literatur und leitet das Institut für interfakultatives Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe. Im Mai 2008 hat er sich aus der operativen Führung von dm zurückgezogen und diese einer neunköpfigen Geschäftsleitung übergeben. Es gäbe „kein dynastisches Prinzip“, erklärte Werner, warum keines seiner Kinder die Leitung übernahm. Und: „Ein Lebenswerk wird erst dann zu einem Lebenswerk, wenn es von anderen weitergeführt wird.“

Die Innovation

Traditionelle Denkmuster bricht Werner nicht nur bei der Personalführung. Zum Start des ersten dm, kurz für Drogeriemarkt, in Karlsruhe 1973 bricht der Drogist mit Regeln und überträgt das Discounterprinzip aus dem Lebensmittelhandel auf seine Branche. In seinem Laden bietet er Zahnpasta, Seife und Waschpulver nicht mehr hinter der Theke stehend an, sondern zur Selbstbedienung. Die gerade kassierte Preisbindung für Drogeriewaren kommt dem damals 29-Jährigen recht, um Kunden mit günstigen Preisen zu locken. Bereits fünf Jahre nach Gründung hat Werner sein Konzept nach Österreich exportiert und mehr als 100 Filialen in Deutschland aufgebaut – bevorzugt in frequentierten Zentrumslagen. Doch damit gibt sich der Gründer, der nach seiner Lehre erst die Drogerie seiner Eltern geführt und nach deren Insolvenz den Vertrieb der Großdrogerie Idro in Karlsruhe umorganisiert hatte, nicht zufrieden. Vorausschauend startet Werner 1980 mit einem Sortiment von Eigenmarken und sechs Jahre später in Kooperation mit Alnatura mit einer breiten Auswahl von Bioprodukten. Die umweltschonend produzierten Nahrungsmittel oder Kinderkleider erweisen sich heute als der am stärksten wachsende Sortimentsbereich. „Erfolge“, sagt Werner, „kommen immer dann, wenn man wahrnimmt, was der Markt wirklich will.“ Weil Kunden nicht getäuscht werden wollen, verzichtet der Unternehmer, der sich gerne in den Warenkörben anderer informiert, seit den neunziger Jahren auf die in Supermärkten üblichen Lockangebote. Stattdessen bietet er Dauerniedrigpreise, die, wie mit Verbraucherinitiativen ausgehandelt, mindestens vier Monate lang nicht steigen. Heute nutzt Werner für Innovationen Technik: Inspiriert von Onlineapotheken und im Hinblick des zunehmend liberaleren Pharmamarktes bietet dm in einigen Filialen den Versand von Medikamenten an. Drogerieartikel können bei dm im Internet nicht bestellt werden, doch finden Kunden einen Shop für digitale Fotos und für den Download von Musik.

Das Wachstum

Günstige Preise, zentrale Lage und ein an Kundenwünschen ausgerichtetes Sortiment: dm wuchs schnell aus Karlsruhe heraus. Nach fünf Jahren bestand die Kette bereits aus 100 Filialen in Deutschland und Österreich. Noch 2008 wird der 2.000. Drogeriemarkt eröffnet, mittlerweile existiert dm in zehn europäischen Ländern. „Es ist ein fataler unternehmerischer Fehler, wenn man immer nur auf Wachstum fixiert ist“, warnt Werner. Die Vorsicht ist einer der Gründe, warum dm – im Kunden- und Mitarbeiterurteil stets vor seiner Konkurrenz – in Europa die viertgrößte Drogeriekette ist. Die Beständigkeit zahlt sich aus: Rund 27.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2006/2007 mehr als vier Milliarden Euro Umsatz – im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 13 Prozent. Und während Wettbewerber Filialen schließen und langsamer wachsen, erwartet dm, auch in den kommenden Jahren ein zweistelliges Umsatzwachstum zu realisieren.

Die Vision

Zwar stammen etwa drei Viertel des Umsatzes aus dem Heimatmarkt, doch dm sieht Potenzial für die Zukunft auch im Ausland. Gerade wächst die Drogeriemarkt-Kette in Süd- und Osteuropa. Nach Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Kroatien, Serbien und Rumänien macht sich dm 2009 daran, auch Bulgarien zu erobern. Das Unternehmen mit Stammsitz in Karlsruhe will in den nächsten Jahren die Zahl seiner Filialen in Europa auf rund 4.000 verdoppeln und auch in Deutschland für Kunden gut erreichbar sein. So wird das Filialnetz nun verstärkt im Norden Deutschlands ausgebaut, ein neues Verteilzentrum bei Köln soll zudem den Warenfluss in die Filialen beschleunigen. Und nicht zuletzt bietet die Liberalisierung auf dem Pharmamarkt Aussichten auf Auskommen und Gewinn.

dm-drogerie markt GmbH & Co. KG, Karlsruhe

Die dm Drogeriemärkte bilden mit knapp 2000 Filialen in zehn Ländern die viertgrößte Drogeriefilialkette in Europa. Mit dem Verkauf von Drogerieartikeln und Bioprodukten setzten rund 27.000 Mitarbeiter im Geschäftsjahr 2006/2007 mehr als vier Milliarden Euro um.

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