Günther Müller, ASC telecom AG, Hösbach
„Entrepreneur des Jahres 2009“ in der Kategorie Informations- und Kommunikationstechnologie/Medien Wie Unternehmer mit Krisen umgehen sollten, hat Günther Müller eindrücklich bewiesen: Dreimal in 30 Jahren reagierte der Unternehmer auf technische Umbrüche und richtete die Geschäfte der ASC telecom neu aus. Für diese Innovationskraft und unternehmerische Leistung wird Günther Müller deshalb als „Entrepreneur des Jahres 2009“ in der Kategorie Informations- und Kommunikationstechnologie/Medien ausgezeichnet.
Der Entrepreneur
Wie technischer Fortschritt Unternehmer zum Wandel zwingt, davon könnte Günther Müller spannende Geschichten erzählen. Für ihn, der sich als „Paradebeispiel“ eines Mittelständlers bezeichnet, sind Produkte ideal, um Wandlungsfähigkeit und Innovationskraft zu demonstrieren. Anhand der stark veränderten Produktpalette lässt sich beschreiben, wie der Entrepreneur sein Unternehmen, die ASC telecom, mehrfach neu erfunden hat. „Jede Neuausrichtung bedeutete das Eindringen in einen unbekannten Markt sowie den aufwändigen Neuaufbau von Vertriebskanälen, Produktmanagement und Marketing“, erinnert sich Müller. Seine Geschichte als Entrepreneur beginnt 1979. In diesem Jahr bekommt der Industriekaufmann und Betriebswirt das Angebot, im fränkischen Hösbach bei Aschaffenburg den ins Schlingern geratenen Hersteller von Hifi-Geräten ASC neu aufzustellen. Müller greift zu, wird mit zehn Prozent am Unternehmen beteiligt und stärkt eine Nebensparte, die Produktion von Sprachlehrgeräten. Doch die Digitalisierung revolutioniert in den 80er Jahren die Technik – und damit die Geschäfte: Die Bayern verabschieden sich von Tunern, Verstärkern, Tonbändern, Rekordern und von Sprachlernsystemen und wenden sich Aufzeichnungsgeräten zu, die Organisationen zur Dokumentation von Telefonaten benötigen. 1992 präsentiert ASC den ersten Rekorder für Digitale Audio Tapes (DAT). Zwölf Jahre später folgt erneut eine Wende: Die Verbreitung des Internets ersetzt zunehmend die Aufzeichnungsgeräte in Telefonanlagen. Der Gerätehersteller wandelt sich 2004 zur Softwareschmiede. Das Unternehmen befindet sich allerdings schon deutlich länger in der Hand von Müller.
Die Innovation
In Nischen entdeckt Müller Chancen: Gegen die wachsende Übermacht japanischer Hersteller auf dem Hifi-Markt wendet sich der Unternehmer in den 80er Jahren den Sprachlehrgeräten zu. Nach dem Aus für analoge Aufnahmegeräte entdeckt er Anfang der 90er Jahre das Communications Recording. Ein neues wie auch lukratives Feld, das die Franken heute weltweit beackern: „Die Interaktionen in Callcentern sind ja die Momente der Wahrheit zwischen Unternehmen und Kunden, deren Zufriedenheit und Bindung werden nicht mehr dem Zufall überlassen“, sagt Müller und nennt damit den wichtigsten Grund, warum vor allem die Betreiber von Callcentern die Telefonate ihrer Mitarbeiter aufzeichnen und auswerten. Anhand der so gesammelten Erfahrungen schulen sie Mitarbeiter oder optimieren Kommunikationsprozesse. Finanzdienstleister, Rettungsorganisationen oder Unternehmen der Flugsicherung müssen überdies aus rechtlichen Gründen ihren gesamten Telefon- und Funkverkehr dokumentieren und werden deshalb ebenfalls zu ASC-Kunden. Dass die Akustik-Experten in diesen spezialisierten Märkten schnell Fuß fassen, ist auch Folge ihrer Innovationskraft. Dafür investiert das Unternehmen jährlich bis zu einem Fünftel des Umsatzes in den Bereich Forschung und Entwicklung.
Das Wachstum
Innovationen sowie Übernahmen sind der Motor für Wachstum: Nachdem ASC Anfang der 80er Jahre die Sparte seines Münchner Konkurrenten UHER gekauft hatte, wuchs das Unternehmen im Bereich Sprachlehrsysteme zum europäischen Marktführer. Dieselbe Strategie führt nach der Hinwendung zur Aufzeichnungstechnik an die Spitze auf internationalen Märkten. Mit dem Kauf der Kreutler Telecom aus Karlsruhe verlängert ASC nicht nur den Namen, sondern erwirbt Wissen und Kompetenzen. Inzwischen sorgen Partnerschaften mit Herstellern von Telefonanlagen oder Netzwerktechnik wie Alcatel-Lucent, Cisco, oder T-Systems für Wachstum. Sie ermöglichen eine gezielte Weiterentwicklung der eigenen Lösungen und deren unkomplizierte Integration in Anlagen. Vertriebspartner verbreiten ASC-Produkte weltweit, außerdem hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren Standorte in Europa, Asien und in den USA eröffnet. Der Umsatz stieg auf rund 22 Millionen Euro, die Zahl der Mitarbeiter wuchs auf 170.
Die Vision
„Kommunikationsinhalte werden transparent, wichtige Informationen generiert und Markttrends aufgezeigt“, erläutert Günther Müller die Vorteile des Communication Recordings. Unternehmen können mit Hilfe der Aufzeichnungen Mitarbeiter schulen oder Abläufe planen. Das Internet schafft heute nicht nur die Voraussetzung für neue Lösungen zur Aufzeichnung multimedialer Kommunikation, sondern es wird auch der ASC telecom neue Kunden bringen. Neben den Betreibern von Call Centern, Finanzdienstleistern, Rettungsdiensten und Polizeiwachen, die bereits auf ASC-Technik schwören, sollen Firmen mit Servicehotline oder Webforen die Vorteile der Aufzeichnungstechnik entdecken. Webbasiert sollen sie die ASC-Software nur für die Funktionen abrufen können, die sie in ihrem Betrieb einsetzen wollen. Zurzeit verfeinern die Spezialisten in Hösbach zudem die Spracherkennung. Sie arbeiten an Lösungen, die neben den Inhalten auch die Gefühle der Anrufer aufnehmen – das soll die nächste Stufe im Aufzeichnen werden und Firmen noch mehr Informationen über Kunden und deren Bedürfnisse bringen. Große Hoffnungen setzt Müller auch auf weitere Funktionen wie E-Learning und Qualitätskontrolle, die die webbasierten Systeme ermöglichen. Es scheint, als habe ASC Telecom mit seinen Softwarelösungen nun die Nische gefunden, in der sie den Fortschritt treibt und ihm nicht mehr in die Quere kommt.
ASC telecom AG, Hösbach
Nach einigen Wandlungen bietet das Unternehmen aus Hösbach technische Lösungen zur Aufzeichnung von Telefonaten, Funksprüchen und multimedialer Kommunikation. 2008 erwirtschafteten 170 Mitarbeiter rund 22 Millionen Euro Umsatz.
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