Ulrich Dietz, GFT Technologies AG, Stuttgart (Baden-Württemberg)
Entrepreneur des Jahres 2011 in der Kategorie Informations- und Kommunikationstechnologie/Medien Ulrich Dietz – Global Player aus dem Schwarzwald
Schnell, aber beharrlich – in 25 Jahren führt Ulrich Dietz die GFT Technologie AG an die Spitze der IT-Dienstleister im Finanzmarkt
Der Unternehmer
„Mein Sohn, sey mit Lust bey den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, dass wir bey Nacht ruhig schlafen können“ – diesen Wahlspruch der Kaufleute aus den „Buddenbrooks“ nimmt sich Ulrich Dietz als Unternehmer zu Herzen. Das passt: Beharrlichkeit und Zurückhaltung, aber auch eine Portion regional verankerter Bedächtigkeit, prägen seine Laufbahn. Das alleine erklärt den Aufstieg des Schwarzwälders im kurzlebigen IT-Geschäft jedoch nicht. Nein – es ist nur die halbe Wahrheit: Denn Ulrich Dietz ist nicht weniger ein unruhiger Geist mit einem ausgeprägten Drang zu Neuem. Er ist so etwas wie die Symbiose aus Wagemut und Kontinuität, aus Innovationskraft und Geduld – eben eine Mischung aus regionaler Bodenständigkeit und schöpferischem Esprit. Krisen, wie den Zusammenbruch des Neuen Marktes zu Beginn des Jahrtausends, sitzt der Maschinenbauer aus, aber Chancen wie den CAD-Boom in den achtziger Jahren lässt er sich nicht entgehen. Dietz ist Unternehmer mit Leib und Seele, frei und unabhängig. Hier herrscht die Gelassenheit, dort der Wille zum Neuen – das „inspiringIT.“
Das Schöpferische ist dem Sohn von Fabrikanten aus Pforzheim von Anfang an gegeben: Er will Freiheit im Gestalten und in der Entwicklung von Geschäftsideen – und an diesen soll es in seiner Laufbahn nicht mangeln.
Im Vertrauen auf seinen Instinkt für den Markt führt er sein Unternehmen seit nunmehr fast 25 Jahren mit sicherer Hand von Innovation zu Innovation. Das Fundament legt er 1987 in St. Georgen im Schwarzwald, dem ehemaligen Mekka der deutschen Uhrmacher- und Phonoindustrie. Hier gründet der damals 29-Jährige, nachdem er zunächst ein Büro für technisches Zeichnen betrieben hat, die Gesellschaft für Technologietransfer – GFT. In den ersten Jahren nach der Gründung stehen Softwarelösungen wie das weltweit erste CAD-System mit grafischer Benutzerführung im Portfolio der Firma, 1990 verlegt sich Dietz auf die Entwicklung von grafischen Bediener-oberflächen und mit dem Aufkommen des Internet werden in St. Georgen innovative e-Commerce-Anwendungen entwickelt. Mit Erfolg: Dietz erarbeitet sich einen Ruf als Internet-Spezialist und taucht Ende der Neunziger Jahre tief in die New Economy ein.
Entwicklung
1999 geht Ulrich Dietz mit der GFT Technologie AG an die Börse – es ist das Jahr der Entscheidung. Deutschland steht im Zeichen des Börsenboom. Die Medien beschwören den „Urknall in der Börsenlandschaft“, der Markt drängt zu Zukäufen und Kapitalerhöhungen, zum Umsatzwachstum um jeden Preis. Aber Dietz bewahrt mitten im Wirbel die Ruhe und baut auf Solidität. „Letztlich habe ich immer gewusst, dass der Aktienkurs eine virtuelle Angelegenheit ist“, erinnert er sich. Und behält recht: Während damalige Überflieger beim Crash im März 2000 am Boden der Realität zerschellen, schafft Dietz die Basis für eine gute Liquidität und erwirbt 2001 emagine – eine Tochter der Deutschen Bank. Der Einkauf ebnet den Weg ins internationale Geschäft, und das Unternehmen findet zum heutigen Geschäftsmodell: IT-Lösungen und Dienstleistungen für Finanzinstitute sowie die Vermittlung von freiberuflichen IT-Experten.
„Die Übernahme war ein großes Risiko für uns, aber sie hat am Ende funktioniert und wir haben viel daraus gelernt“, bilanziert Dietz bescheiden.
Die Zahlen des Unternehmens sprechen eine klare Sprache: Rund 1.300 feste sowie 1.300 freie Mitarbeiter an 19 Standorten in sieben Ländern beschäftigt die Firma, der Umsatz im Jahr 2010 betrug rund 250 Millionen Euro. Damit zählt die Gesellschaft zu den Top-3 der mittelständischen IT-Beratungs- und Systemintegrations-unternehmen. Die Deutsche Bank und die Allianz zählen ebenso zu den Kunden von GFT wie Merrill Lynch und die Deutsche Post. In Zukunft soll es noch höher hinaus. Dietz´ Ziel ist es, einer der drei weltbesten IT-Dienstleister der Finanzbranche zu werden. Die Zeichen hierfür stehen gut. Der Mangel an Fachkräften erhöht die Nachfrage an freiberuflichen IT-Experten und besonders die Entwicklung innovativer sowie sicherer IT-Lösungen für das Mobile Banking stellt derzeit einen wichtigen Markt dar – dank des 2009 gegründeten Kompetenzzentrums für mobile Finanzdienstleistungen ist GFT hier technologischer Vorreiter.
Innovation
Bei einem Unternehmen, das mit einem Slogan wie „inspiringIT“ das eigene Selbstverständnis zum Ausdruck bringt, gehört die Entwicklung innovativer Produkte schon beinahe zur Pflicht. Aber nicht nur das: Die Innovation, wie Dietz erklärt, ist die Garantie zum Überleben im schnelllebigen IT-Markt. „Permanent reagieren wir auf die Wünsche unserer Kunden und versuchen, neue technologische Entwicklungen so schnell wie möglich in globale Geschäftsmodelle umzusetzen“, so Dietz. Ein Bekenntnis, das sich unübersehbar an den von GFT hervorgebrachten Innovationen ablesen lässt. Eine Auswahl:
2001 entwickelt das Unternehmen für die Deutsche Post die elektronische Briefmarke STAMPIT, mit der Kunden Briefe, Päckchen und Pakete bequem mit ihrem PC frankieren können.
2010 führt GFT die Touch-Banking-Lösung a-touch ein. Die Anwendung ermöglicht Bankmitarbeitern beispielsweise Anlageberatung im interaktiven Dialog via iPad. Und mit dem für die CeBIT 2012 geplanten „CodeN“ – einem auf Nachhaltigkeit angelegten Format zur Innovationsförderung – will GFT jungen Unternehmen die Möglichkeit geben, sich in einer eigens dafür errichteten Halle auf der CeBIT zu präsentieren.
Auch außerhalb der Unternehmenswelt propagiert Ulrich Dietz eine Innovationskultur. In seinem 2010 erschienenen Buch „The new New“ geht er in Gesprächen mit Wegbereitern und Querdenkern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst und Kultur dem Pioniergeist unserer Zeit auf den Grund. Zu den Persönlichkeiten zählen beispielsweise Murat Günak, der mit kleinem Budget aber international vernetzt die Entwicklung eines Hybridautos umgesetzt hat, die Raumfahrerin und Unternehmerin Anousheh Ansari, der britische Choreograph Wayne McGregor oder Lisa Randall, Professorin für theoretische Physik der Harvard University.
Verantwortung
Als Präsidiums-Mitglied des BITKOM (Bundesverband für Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien e.V) setzt sich Dietz für die Förderung von Nachwuchskräften ein. Ein Bekenntnis, das man aus Verbandskreisen oft hört. Aber Dietz setzt es auch um: In Kooperation mit drei Bildungsinstitutionen, der Steinbeis Business Academy, der spanischen IESE Business School sowie der brasilianischen Universidade des Sorocaba, ermöglicht GFT Master-Studenten im Rahmen eines vernetzten Studiums zwischen Theorie und Praxis einen internationalen Abschluss.
Zudem begleitet Dietz junge Nachwuchsentrepreneure aus Stuttgart als Mentor – so zum Beispiel einen ehemaligen GFT-Praktikanten, der mit seiner Unterstützung das erste soziale Netzwerk rund um das Thema Mode konzipieren und liveschalten konnte.
Auch im eigenen Unternehmen begegnet Dietz dem Fachkräftemangel. „Als internationales IT-Unternehmen liegt uns viel daran, weltweit die besten Mitarbeiter zu gewinnen, sie zu fördern und bei ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen“, gibt er an. Hierzu hat das Unternehmen zahlreiche Programme ins Leben gerufen: Im Rahmen eines Austauschprogramms mit der Steinbeis-Hochschule können Mitarbeiter neben ihrem Job ein MBA- oder Masterstudium absolvieren. Bei einem High-Potential Programm werden ambitionierte Nachwuchskräfte unterstützt. Und nicht zuletzt die Förderung von Frauen steht bei der Personalentwicklung im Focus – beispielsweise durch E-Learning-Programme, die den Mitarbeiterinnen den Wiedereinstieg nach der Elternzeit in die rasante ITK-Branche erleichtern sollen. „Effektives Arbeiten heißt für uns nicht Präsenzpflicht. Stattdessen stellen wir die nötige Infrastruktur, die Arbeiten von unterwegs und von zu Hause ermöglicht“, erklärt Dietz das Förderprogramm.
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