Markus Röhner und Lothar Mihm, R+S solutions Holding AG, Fulda (Hessen)
Entrepreneur des Jahres 2011 in der Kategorie Dienstleistung Markus Röhner und Lothar Mihm – Alles aus einer Hand
Als führende Anbieter von Elektro- und Gebäudetechnik haben die beiden Unternehmer einen langen Weg hinter sich: von der Garagenfirma für Sat-TV zur R+S Solutions Holding AG
Die Unternehmer
Als Ende der Achtziger Jahre das Satellitenfernsehen aufkommt, halten sich die meisten Elektriker zurück – die Skepsis gegenüber der neuen TV-Empfangstechnik ist groß. Markus Röhner und der damalige Mitbegründer Dieter Seban, beide angestellt im Elektrogroßhandel Schmitt & Co in Fulda, erkennen darin die Chance ihres Lebens: Sie kündigen, gründen 1988 die Röhner und Seban GmbH – Firmensitz ist die Garage Röhners im Stadtteil Eichenau – und spezialisieren sich auf den Verkauf und die Installation von Satelliten- und Alarmanlagen. Das Risiko zahlt sich aus, nach kurzer Zeit sind die Auftragsbücher voll. Schnell wird die Garage zu klein, und der Zwei-Mann-Betrieb, zu dem 1990 Lothar Mihm als dritter Mann stößt, bezieht erste „richtige“ Räumlichkeiten in der Fuldaer Lechstraße. „Während die anderen Elektriker mit der neuen Technik noch abwarteten, boomte bei uns das Geschäft“, erklärt Röhner, heutiger Vorstandsvorsitzender der R+S AG, im Rückblick auf die rasanten Gründerjahre.
Das Rezept zum Erfolg ist den Gründern dabei von Anfang an klar: Neben hohen Qualitätsstandards bieten sie ihren Kunden alles aus einer Hand. „Wir haben schnell erkannt, dass es ein Wettbewerbsvorteil ist, wenn wir alles selbst machen und nichts hinzukaufen müssen“, erklärt Röhner die Strategie. Und die gilt bis heute:
unter der Führung des Vorstandsvorsitzenden, der als die große Innovationskraft des Unternehmens gilt, hat sich das Portfolio der R+S Gruppe von Jahr zu Jahr ausgeweitet. Es reicht von der klassischen Heizungs-, Sanitär- und Elektrotechnik über Solarenergie bis hin zu Facility- sowie Gebäudemanagement bei Großprojekten wie dem Skylight Bürocenter in Frankfurt. Und das ermöglicht Komplettlösungen zum Vorteil aller: Der Kunde habe einen Ansprechpartner für alle Belange und im Hause könne durch kurze Wege eine höhere Wirtschaftlichkeit erreicht werden.
Entwicklung
„Die Expansion war ursprünglich so nicht geplant“, erklärt Mihm – heutiger CTO – im Rückblick auf die Gründungsphase. Das Wachstum sei Folge der Fülle an Aufträgen gewesen – praktisch unausweichlich. Die Chance ließen sich die Firmengründer dann allerdings nicht entgehen: 1991 eröffnen sie einen zweiten Hauptsitz in Erfurt, 1997 eine Niederlassung in Neuhof und ein Jahr später eine weitere in Fulda. Mit der Umwandlung in die R+S Solutions AG 2002 ändern die drei Macher dann endgültig ihre Strategie: Sie setzen auf Wachstum durch die Übernahme solider Unternehmen und etablieren die Gruppe an verschiedenen Standorten, um Synergien zu schaffen und das eigene Produktportfolio zu erweitern. Mit Erfolg: heute firmieren unter dem Dach der AG zwölf Niederlassungen und Tochterfirmen in Deutschland sowie jeweils eine in Tschechien und den USA. Der Umsatz der Gruppe lag 2010 bei rund 125 Millionen Euro, die Zahl der Mitarbeiter stieg auf über 1300.
Auch weiterhin stehen die Zeichen in Fulda auf Wachstum. „Weitere Zukäufe sind in Planung“, erklärt Röhner. Der Zukauf von Unternehmen und deren Eingliederung habe sich bewährt und solle in bislang unbesetzten Regionen fortgesetzt werden.
Ziel sei es, die Gruppe in den kommenden zehn Jahren zur Nummer 1 in der Gebäudetechnik zu machen. Schwerpunktmäßig wolle das Unternehmen in Deutschland aktiv bleiben, eine verstärkte Tätigkeit in den USA, China und Osteuropa sei jedoch möglich. „Ich denke es wird sich über nationale Grenzen hinweg in den nächsten zehn Jahren viel tun,“ so Röhner. Allerdings mit Vorbehalt, denn – so lautet ein Grundsatz der Firmenphilosophie – die Gruppe möchte sich vornehmlich nicht zum größten Gebäudetechnik-Unternehmen entwickeln, sondern zum besten.
Innovation
Alles aus einer Hand – dieser von Röhner, Mihm und Seban schon zu Zeiten der Gründung formulierte Kern der Unternehmung ist bis heute der wichtigste Wettbewerbsvorteil der R+S AG. Seit der Übernahme der Stolze AG 2008 zählt selbst Elektrotechnik für den Schiffbau – sprich Antriebstechnik sowie Steuerungsbau – zum Portfolio der Gruppe. Um das breite Leistungsspektrum weiter auszubauen, drängt das Unternehmen seit 2010 auf den boomenden Markt der erneuerbaren Energien. Bereits jetzt gehören Solarsysteme für die Warmwassererzeugung, Photovoltaik zur Stromerzeugung und Wärmepumpen sowie Blockheizkraftwerke zum Angebot des Unternehmens. Und in Kürze soll es noch mehr werden: „Vielleicht entwickeln wir Tankstellen für Elektrofahrzeuge“, gibt Roland Fischer, der nach dem Rückzug Dieter Sebans aus der Geschäftsleitung 2008 in den Vorstand aufrückte, als Beispiel für die Ausrichtung auf den vielversprechenden Markt der erneuerbaren Energien an.
Dass es die Unternehmer damit ernst meinen, zeigt sich nicht nur am Portfolio der Gruppe. Als erstes Unternehmen im Landkreis Fulda gewinnt es Wärme auf Basis regenerativer Energien – und zwar mit einer Hackschnitzelanlage, die mit Abfällen aus Forstwirtschaft und Holzindustrie befeuert wird.
Dies spart nicht nur Ressourcen, sondern heizt auch noch das Verwaltungsgebäude der R+S Solutions Holding AG, das Lager- und Logistikzentrum sowie rund 3.500 Quadratmeter Bürofläche.
Verantwortung
Das Thema Fachkräftemangel gehört in den deutschen Medien längst zur Tagesordnung – kaum ein Unternehmer, der sich nicht darüber beklagt. Markus Röhner und Lothar Mihm kennen das Problem. Doch sie reden nicht darüber, sondern tun etwas dagegen: Seit gut einem Jahr betreiben sie eine eigene Ausbildungswerkstatt in Fulda, die R+S Bildungsakademie, in der 20 Auszubildende Platz finden, aber auch Lehr-, Informations- und Schulungsveranstaltungen für Mitarbeiter abgehalten werden. Das verbreitete Vorurteil, die Elektrotechnik sei eine Männerdomäne, kann das Engagement des Führungsduos ebenso wenig bremsen: Auf ihr Betreiben hin entstand in Kooperation mit dem Bildungs- und Technologiezentrum in Lauterbach bei Fulda ein neuer Ausbildungsweg: „Elektronikerinnen – Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik“ – nur für Mädchen. Und Benachteiligte finden dank der Kooperation mit den gemeinnützigen Einrichtungen Grümel gGmbH sowie der Perspektiva gGmbH unter dem Dach der R+S Gruppe ebenso einen Platz wie lernschwache Jugendliche – mit Perspektive auf einen langfristigen Arbeitsplatz.
Das Engagement von Markus Röhner und Lothar Mihm fand in zahlreichen Auszeichnungen eine entsprechende Würdigung – unter anderem bei dem Preis „Hessen Champion 2008“. In der Kategorie Jobmotor ehrte sie der damalige Ministerpräsident Roland Koch für ihren Verdienst um den Wirtschaftsstandort Hessen, insbesondere für die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Für Markus Röhner ist die Auszeichnung eine logische Konsequenz der Personalphilosophie. „Auf die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter legen wir besonderen Wert“, erklärte er. „Sie sind unsere Zukunft.“
Und den Mitarbeitern scheint es bei R+S zu gefallen – 2010 beliefen sich die Neueinstellungen der Gruppe auf rund 300 Mitarbeiter, für 2011 ist die Einstellung von 140 Auszubildenden geplant.
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