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Entrepreneur des Jahres - Sieger und Finalisten - Die Sieger 2011 - WITTENSTEIN AG - Ernst & Young - Deutschland

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Dr. Manfred Wittenstein, Wittenstein AG, Igersheim-Harthausen (Baden-Württemberg)

Entrepreneur des Jahres 2011 in der Kategorie Industrie

Dr. Manfred Wittenstein –
Der Visionär unter den Maschinenbauern
Zukunft ist Wandel – aus einem Nähmaschinenbetrieb macht der Schwabe den Weltmarktführer in Antriebstechnologie: die Wittenstein AG

Der Unternehmer
Ob Lewis Hamilton seinen Rennwagen anwirft, Halle Berry in einem James-Bond-Film auf einen Roboter trifft oder ein Raumgleiter namens Phönix ins Weltall aufbricht – die mechatronischen Antriebssysteme der Wittenstein AG sind dort zu finden, wo äußerst präzise angetrieben, gesteuert und geregelt werden muss: in Robotern, Prothesen, Weltraumteleskopen oder Ölbohrern – auch im Airbus A380. Das Portfolio der Firma, vom kleinsten Hochleistungs-Servoantrieb der Welt bis hin zu Hochtechnologie im Medizinwesen, liest sich wie ein Exempel deutscher Erfindungsgabe, die 361 aktiven Patente und Gebrauchsmuster wie eine Fibel schwäbischer Ingenieurskunst. Keine Frage: Die Wittenstein AG ist ein Vorzeigeunternehmen – mittelständisch, traditionsreich, hochinnovativ. Und der Mann an der Spitze, Wirtschaftsingenieur Manfred Wittenstein, war von 2007 bis 2010 Präsident des Verbands deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Sein Unternehmen liegt im baden-württembergischen Igersheim bei Bad Mergentheim, wo der heute 69 Jährige schon zur Schule ging und Pfadfinder war.

Aber ihn für einen jener technophilen Tüftler aus dem Südwesten Deutschlands zu halten, wird diesem Menschen nicht gerecht. Ein Blick auf das Firmengelände zeigt sie – jene nicht immer sichtbare Seite Wittensteins, diesen zukunftsorientierten Sinn für das Ganze:
Zwischen den Gebäuden der Logistik und Verwaltung findet der Besucher Skulpturen wie die von Ernst Fuchs – der „Moses“ markiert für den Firmenlenker den Aufbruch in eine neue Zeit. In der firmeneigenen Galerie finden regelmäßig Vernissagen statt, und in dem deutschlandweit einzigartigen „Weltgarten“ wachsen Pflanzen sowie Bäume aus allen Regionen, mit denen die Firma Geschäfte macht – ein passendes Symbol für die Globalisierung. Und außerhalb des Unternehmens? Da spielt der Privatmann Wittenstein gerne Querflöte, geht in die Oper oder kümmert sich um den von ihm ins Leben gerufenen Wettbewerb für Opernsänger – namentlich „Debut“. Als Schöngeist sieht sich der Stifter aber nicht – das technische Studium an der TU in Berlin gab den Ausschlag: Visionen in Produkte umzusetzen, sei da sein Ziel geworden. „Ich freue mich, wenn ich Menschen begeistern kann, mit anzupacken, um Visionen zu entwickeln.“ 

Entwicklung
Am Anfang seiner Karriere brauchte Wittenstein selbst eine Vision – und zwar dringend: Als ihn 1979 der Ruf des Vaters ins eigene Unternehmen – Dewitta – holt, ist die Firma pleite: Die Nähmaschinen für Damenhandschuhe der 1949 gegründeten Firma gehörten sprichwörtlich zum alten Eisen, die Konjunktur lahmte, die verbliebenen 50 Mitarbeiter der Firma konnten kaum bezahlt werden. Und der damals 37-Jährige hatte sie, die dringend nötige Vision: Er warf die Nähmaschinen aus dem Programm und setzte auf eine neue Technologie – hochpräzise Antriebstechnik für den Maschinenbau. Mit der Präsentation des weltweit ersten spielarmen Planetengetriebes 1983 auf der Hannover-Messe gelang der Durchbruch: Auf Anhieb stieg der Umsatz im zweistelligen Bereich und bereits 1984 wurde im Zuge des Erfolgs die alpha getriebebau GmbH – heute Wittenstein alpha AG – gegründet.
Von da an ging es steil bergan: Weitere Tochterunternehmen und Vertretungen folgten, mittlerweile 60 in 40 Ländern. Heute entwickeln, produzieren und vertreiben weltweit gut 1.400 Mitarbeiter Getriebe im Stile von alpha. Der Umsatz im Jahr 2010 lag bei 137 Millionen Euro.

Die Wittenstein-Gruppe will eins sein mit der Zukunft, das besagt der Slogan des Unternehmens. Und das Portfolio unterstreicht den Anspruch: Denn in Zukunft steht bei Wittenstein der Milliardenmarkt der Elektromobilität im Fokus. Ziel ist es, sich als Technologieführer im Bereich mechatronischer High-End-Antriebslösungen für die emissionsfreie und hochdynamische Fortbewegung in Fahrzeugen zu positionieren. Der Grundstein dafür ist gelegt: Auf der Leitmesse Mobiltec (Hannover-Messe 2010) präsentierte Wittenstein erstmals ein kompaktes elektrisches Antriebssystem, das Motor, Elektronik und Getriebe integriert – bei einer Leistung, die es laut Hersteller mit der eines Formel-1-Motors aufnehmen kann. Zudem will das Unternehmen die Miniaturisierung in der Branche mit High-Tech-Antriebssystemen gestalten und gemäß der Wachstumsstrategie „move it“ die Internationalisierung vorantreiben – und bloß nicht kleinkariert: „Unser zukünftiger Markt ist die ganze Welt", so der Firmenchef.

Innovation
Innovationen sind die Antriebsfeder der Gruppe: 85 Prozent des Umsatzes werden mit Produkten erzielt, die jünger als fünf Jahre sind, 10 Prozent des Umsatzes – das ist beinahe doppelt so viel wie beim Durchschnitt der Aufwendungen im Maschinen- und Anlagenbau – werden in die Forschung und Entwicklung gesteckt. Darüber hinaus soll der 2009 ins Leben gerufene Beirat der Wittenstein AG eine ganzheitliche Sichtweise auf die Zukunft ermöglichen – technologisch, soziokulturell und ökonomisch. Dieser vorwärtsdrängende Geist des Unternehmens nimmt in einer Reihe innovativer Produkte Gestalt an.
Zum Beispiel im so genannten Marknagel: Der wird per Operation bei Kleinwüchsigen, Patienten mit einem verkürzten Bein oder bei Tumorpatienten angewendet, um verlorene Knochen zu ersetzen. Ein kleines Getriebe sowie ein Motor schieben hierzu den Nagel viermal am Tag um jeweils einen viertel Millimeter auseinander. Der Knochen verlängert sich so um bis zu acht Zentimeter – und kann Patienten, beispielsweise bei einer Beinverkürzung, innerhalb von nur zwei Jahren von ihrer Beeinträchtigung befreien.

Die Innovationskultur der Wittenstein AG beschränkt sich nicht  alleine auf Produkte, sie ist, wie der Gründer erklärt, durch einen ganzheitlichen Ansatz geprägt. So sollen die technischen Weiterentwicklungen des Unternehmens nicht nur dem Menschen, sondern auch der Umwelt dienen. Dieser in der Philosophie des Unternehmens verankerte ökologische Gedanke findet beispielsweise bei einem in diesem Jahr entstehenden Produktions- und Verwaltungsgebäude in Fellbach eine bislang einzigartige Umsetzung. Ein ganzheitliches Energiekonzept, es sieht beispielsweise die Nutzung der Wärme der Fertigungsmaschinen zum Heizen vor, soll einen CO2-neutralen Produktionsbetrieb ermöglichen. Ein Projekt mit Pilotcharakter: Das Bauvorhaben der Wittenstein Bastian AG, einem Tochterunternehmen der Gruppe, soll nach Fertigstellung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen zertifiziert werden. Damit wird das Produktions- und Verwaltungsgebäude das erste seiner Art – und die Wittenstein AG der weltweit erste Hersteller von „grünen Verzahnungslösungen“.

Verantwortung
„Dr. Manfred Wittenstein ist ein Glücksfall für die Region und für Deutschland“, fasste Dr. Wolfgang Reinhart, damaliger baden-württembergischer Staatsminister für Bundes-, Europa- und internationale Angelegenheiten, in seiner Laudatio die Wertschätzung für den Unternehmer zusammen – und zwar auf der Verleihung des Bundesverdienstkreuz am Bande 2010. Wittenstein, so Reinhart weiter, verbinde unternehmerischen Erfolg mit Verantwortung für das Gemeinwesen. Dies zeigt sich an den vielfältigen Engagements von Wittenstein. So ist er unter anderem Begründer der Wittenstein-Stiftung zur Förderung des wissenschaftlich-technischen Nachwuchses am Deutschorden-Gymnasium in Bad Mergentheim, Vizepräsident der IHK Heilbronn-Franken, Gründungsmitglied und Fachbeirat der Hochschule Heilbronn am Standort Künzelsau und Vorsitzender des Beirates der Berufsakademie Bad Mergentheim. Und Projekte wie das "Wittensteiner Sommerkolleg" oder die "Kindersommerakademie Gestalten und Lernen" kommen noch hinzu – quasi nebenbei.

Innerhalb des eigenen Unternehmens legt Wittenstein neben Solidarität und Gemeinschaftssinn – hierfür gibt es neben den kulturellen auch sportliche sowie gesellschaftliche Angebote auf dem Firmengelände – besonderen Wert auf die Weiterentwicklung seiner Mitarbeiter. „Sie sind der Garant für eine nachhaltige Entwicklung unseres Unternehmens“, so die Devise Wittensteins. „Wir investieren daher permanent in ihre Aus- und Weiterbildung.“ Zum Beispiel in der hauseigenen Wittenstein-Akademie. Hier hat jeder Mitarbeiter die Möglichkeit kostenlose Seminare zur Aus- und Weiterbildung zu besuchen. Und wer die Karriereleiter emporklettern möchte, kann am „Führungskräftenachwuchs-Programm“ teilnehmen oder eine „Fachexperten-Laufbahn“ einschlagen. Ganz im Sinne Wittensteins: „Zukunft ist Wandel.“

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