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Entrepreneur des Jahres - Sieger und Finalisten - Die Sieger 2011 - Wagner Solartechnik - Ernst & Young - Deutschland

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Andreas Wagner, Sabine Altmann und Udo Geisel, Wagner & Co. Solartechnik GmbH, Cölbe (Hessen)

Entrepreneure des Jahres 2011 in der Kategorie Handel

Andreas Wagner, Sabine Altmann und Udo Geisel – Nachhaltigkeit als Ziel
Aus einer Ökologiebewegung machte das Trio um Andreas Wagner ein Vorzeigeunternehmen der Regenerativbranche: die Wagner & Co. Solartechnik GmbH

Die Unternehmer
Die Siebziger Jahre – die Zeit des ökologischen Umdenkens: auf deutschen Autobahnen heißt es nach der Ölkrise von 1973 „Rad-frei“, Fotografien aus dem All zeigen die Erde als blauen Planeten, der Club of Rome beschwört die Grenzen des Wachstums und deutschlandweit machen sich Aktivisten auf die Beine, um gegen den Raubbau an der Natur zu demonstrieren – die Ökologiebewegung war geboren. Mit dabei sind neun Marburger Studenten – ihnen allerdings genügt es nicht, eine grüne Zukunft jenseits fossiler und atomarer Energie zu erträumen, sie wollen sie gestalten: mit Solarenergie. Workshops, Publikationen und Vorträge machen den Anfang. Bald folgt der Einstieg in die Entwicklung einfacher solartechnischer Anlagen – den Ausschlag hierfür gab der Auftrag einer Bäuerin, die es leid war, vor dem Baden immer das Feuer unter dem Boiler anwerfen zu müssen. 1979 wird Wagner & Co. in Cölbe bei Marburg gegründet. Mit dem Ziel, die Energiewende voranzutreiben. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Von Anfang an mit dabei, ist Andreas Wagner – der Impulsgeber des Unternehmens und einer der Wegbereiter der Solartechnik in Deutschland. In Frankfurt am Main geboren, verantwortet er seit der Gründung die Technik sowie die Entwicklung von Wagner & Co. und steht dem Unternehmen als einer der drei – gewählten – Geschäftsführer vor.
Die Umweltinitiative der Anfangstage entwickelte sich unter seiner Regie zu einem High-Tech-Unternehmen, das dem heutigen Paradigmenwechsel der Energiewirtschaft in Deutschland in gewisser Weise den Boden bereitete – zum Beispiel mit Innovationen wie der ersten seriellen Fertigung von Kollektoren. Das Gründungsideal ist dem Ingenieur, der zudem Vorstand im Bundesverband der Solarwirtschaft ist, aber auch nach 30 Jahren keineswegs abhanden gekommen: Ideelle und ökologische Ziele, „der Erfolg des weichen Wegs“, wie er sagt, seien ihm wichtiger als der bloße Gewinn. „Wir wollen mit technisch ausgereiften und preiswerten Solaranlagen dazu beitragen.“

Entwicklung
Die Geschichte von Wagner & Co. ist auch die Geschichte der Solartechnik in Deutschland: In einer Garage entwerfen die Studenten um Andreas Wagner ihren ersten Solarkollektor, mit dem Import hochwertiger Komponenten wie Solarabsorbern aus Schweden gehen sie im Jahr 1983 den Weg in die Professionalisierung – weg von thermischen Solaranlagen zum Selbstbau, hin zu eigenen Produkten wie 1990 dem „Euro-Kollektor“. Mit zunehmender Nachfrage nach regenerativen Energiekonzepten verkauft das Unternehmen nicht mehr direkt an Kunden, sondern tritt als Ausrüster von Handwerk und Industrie auf, übernimmt den Bau solarer Großanlagen, ergänzt die Produktpalette um Photovoltaik sowie Holzpelletkessel und findet schließlich mit der Distribution zum heutigen Geschäftsmodell – neben der Produktion vertreibt Wagner & Co. Solarmodule und Nezteinspeisegeräte von namhaften Herstellern wie Bosch, LG und Danfoss. Heute beschäftigt die Firma rund 400 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von 260 Millionen Euro und ist mit Tochterfirmen sowohl in Europa als auch in den USA vertreten. 

Die Branche der Solarenergie steht nach dem Atomausstieg der Bundesregierung vor großen Aufgaben: Der Ausbau der Stromnetze und der Wandel von einer zentralisierten zu einer dezentralen Energieversorgung gehören dazu. Als Handelspartner und Hersteller von Produkten wie dem auf der Intersolar 2011 vorgestellten „Variosun-port“, das aus einem einfachen Carport einen hocheffizienten Stromproduzenten macht, möchte der hessische Solarspezialist diesen Wandel auch in Zukunft mitgestalten. Mit guten Aussichten: „Im Variosun-port steckt die Erfahrung von dreißig Jahren erfolgreicher Entwicklungsarbeit im Bereich Montagesysteme“, erklärt Udo Geisel, der seit 2006 bei Wagner & Co. für die Entwicklung von Montagesystemen verantwortlich ist. Potenzial sieht das Unternehmen zudem auf dem afrikanischen Markt und in der Erschließung des noch unterentwickelten Solarmarktes der USA. Das technologische Know-how hierfür ist vorhanden: Wagner & Co. betreibt ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum – neue Generationen von Kollektoren, Materialien und Montagesystemen werden darin entwickelt – und verfügt seit 2008 über eine Fertigungsanlage, in der dank Roboter- und Lasertechnologie 200.000 Kollektoren pro Jahr hergestellt werden können.

Innovation
Das Prädikat „innovativ“ dürfen die einstigen Studenten um Andreas Wagner – viele von ihnen bekleiden bis heute leitende Positionen im Unternehmen – mit Recht tragen. Sie hatten eine Vision und gestalteten die Zukunft der Solartechnik in Deutschland. Mit Entwicklungen wie der ersten industriellen Fertigung von Solarkollektoren setzt Wagner & Co. seit über 30 Jahren Maßstäbe – technologisch wie ökologisch. Beispielsweise im Jahr 1988: Wagner & Co. installierte die erste kommerzielle Netzeinspeisungsanlage Deutschlands. Damit war die Option der wirtschaftlichen Nutzung der Solarenergie geboren.
Der hohe Standard der Produkte aus dem Hause entging auch der Stiftung Warentest nicht: Seit der ersten Erhebung zum Thema Solarenergie 1986  bescheinigt das Institut dem Unternehmen aus Cölbe beste Qualität bei sehr günstigem Preis und macht es mehrmals zum Testsieger – im Jahr 2009 zum dritten Mal in Folge für das Solarpaket Combi Line SH 1440 AR. Nicht nur technologisch, sondern auch strukturell lebt Wagner & Co. eine visionäre Idee vor. Seit der Gründung steht das Unternehmen auf einer demokratischen Basis und ist damit das größte dieser Art in Deutschland. Das heißt einerseits: Die Firma ist zu 100 Prozent im Besitz der Mitarbeiter, und jeder Angestellte kann einen Gesellschafterantrag stellen. Andererseits: Bei Wagner & Co. werden die Führungskräfte gewählt – die Geschäftsleitung von den Gesellschaftern und die Abteilungsleiter von den Mitarbeitern der jeweiligen Abteilung. Allerdings nicht aus idealistischem Selbstzweck: „Mit flachen Hierarchien möchten wir allen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, am gemeinsamen Projekt Wagner & Co. mit Kreativität und eigener Stärke mitzuwirken“, erklärt Wagner die Philosophie. „Nur so gelingt es, die Potenziale der Mitarbeiter voll zu nutzen. Bei uns trägt jeder Verantwortung für den Erfolg. Und das ist ein Wettbewerbsvorteil.“  

Verantwortung
Ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit bestimmt bis heute die Unternehmenskultur – und zwar durchgängig: So ist der Hauptsitz von Wagner & Co. in Cölbe als Passivhaus konzipiert. Das erste Gebäude seiner Art in Europa spart gegenüber einem vergleichbaren älteren Gebäude 95 Prozent an Energie. Die 2008 in Betrieb genommene energieautarke Kollektorfabrik produziert mehr Energie als sie verbraucht. Und den Alltag in der Firma bestimmt modernes Energiemanagement:
von der externen Stromversorgung aus regenerativer Energie über die Bio-Kantine, die nur frische Produkte aus der Region anbietet, bis hin zum Recycling-Papier in der Büroorganisation.  

Zur Nachhaltigkeit gehört soziale Verantwortung – natürlich auch bei Wagner & Co.: Denn, so heißt es aus dem Unternehmen, die Sonne ist nicht nur ein Symbol der Hoffnung, sondern kann konkret dabei helfen, die Lebensumstände von Menschen zu verbessern. Gesagt, getan: Wagner & Co. fördert weltweit solare Hilfsprojekte verschiedenster Art. Die Solartechnik des Unternehmens sorgt im Rahmen der Tschernobyl-Hilfe für warmes Wasser in einer Schule Weißrusslands, für Licht in einem tansanischen Mädcheninternat, für die Kühlung in einem Krankenhaus in Ruanda und in Nigeria für die Wasserversorgung eines ganzen Dorfes. Dieser ganzheitliche Ansatz des Unternehmens fand in zahlreichen Auszeichnungen entsprechende Würdigung, zuletzt als eine der drei nachhaltigsten Marken Deutschlands beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2010. Für Sabine Altmann, Mitglied der Geschäftsleitung von Wagner & Co., ist das nichts Neues, sondern längst Standard. „Jetzt, wo Nachhaltigkeit in aller Munde ist, werden wir einfach mit dem weitermachen, was wir immer schon getan haben“, so Altmann.

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