Sven Bauer, BMZ Batterien-Montage-Zentrum GmbH, Karlstein am Main

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Sven Bauer – Energie aus der Konserve

In 18 Jahren macht Sven Bauer das Batterien-Montage-Zentrum in Karlstein am Main zum führenden Spezialisten für Akkulösungen in Europa

Der Unternehmer

Die Erinnerung ist noch da – an Rasenmäher, die das eigene Stromkabel durchtrennen, an Home-PCs, die einen an Sommertagen an den Schreibtisch verbannen, an Rasierer, die kurz vor der Trauung den Geist aufgeben oder an Bergstraßen, die einen zum Schieben des Fahrrads zwingen. Aber das ist vorbei: Rasenmäher machen ihre Arbeit leise und verlässlich, ein Memo wird am Laptop im Biergarten verfasst und jede Großmutter kann mit ihrem Fahrrad Gipfel erklimmen. Die Kraft, die diesem Wandel zugrunde liegt, steckt in Lithium-Ionen-Akkus. Und ein Unternehmen, das in Europa maßgeblich an der Entwicklung und der Verbreitung dieser kabellosen Technologie beteiligt ist, heißt BMZ – das Batterien-Montage-Zentrum. Die 1994 von Sven Bauer gegründete Firma mit Sitz im unterfränkischen Karlstein gehört zu Europas führenden Systemlieferanten für Akkupacks und rüstet fast alles aus, was mit Strom läuft und tragbar ist: vom eBike über Spielzeuge und Werkzeuge bis hin zum Laptop oder elektrischen Rollstuhl. „80 Prozent der in Deutschland verkauften Akkus sind von uns", so Bauer – selbstbewusst, aber nicht ohne Verwunderung. Denn dass innerhalb von 18 Jahren aus einem Ärger über Akkus, die immer leer waren, wenn er sie brauchte, ein Unternehmen entsteht, das Namen wie Siemens, Bosch oder AEG in der Kundenliste führt, darüber ist er doch erstaunt.

Dabei scheint der Weg des leidenschaftlichen Batterieexperten, wie er sich selbst nennt, diesem Ziel von Anfang an intuitiv zu folgen: Bauer ist gelernter Werkzeugmacher, machte seinen Meister, studierte später Ingenieurwissenschaften an der Technischen Universität in Darmstadt und wechselte schließlich zu einem Spezialisten für Batterien, der Saft GmbH, wo er als Fertigungsleiter beschäftigt war. Hier kommt es für den heutigen Geschäftsführer zum entscheidenden Schritt: 1994 trennte sich die Saft GmbH vom Akku-Bereich und Sven Bauer ergriff gemeinsam mit Claudia Reimer und Thorsten Gotthardt die Chance und übernahm den Bereich in einem Management-Buyout. „Unser Ziel war es, einen Akku zu entwickeln, dem man gar nicht anmerkt, dass es einer ist", sagt Bauer über den damaligen Anspruch. Wer heute mit einer akkubetriebenen Schlagbohrmaschine ein Loch in die Wand drillt, weiß, dass das gelungen ist: BMZ ist nach eigenen Angaben in Europa die Nummer 1 auf dem Markt für Lithium-Ionen-Akkus.

Entwicklung

Der Weg zum Marktführer beginnt im Kleinen. In den Anfangsjahren des Batteriespezialisten mit seinen 12 Mitarbeitern stand die reine Auftragskonfektionierung im Vordergrund: Auf Anfrage wurden Produkte mit Batterien bestückt. Mit Bauers Credo – der Schaffung von Systemlösungen und Konzentration auf modernste Technologie wie Li-Ionen – entwickelte sich BMZ aber schnell zu einem Anbieter, der seinen Kunden alles aus einer Hand bietet. „Unsere Stärke liegt darin, dem Kunden einen Komplettservice von der Zeile über das Gehäuse und die Ladetechnik bis zur passenden Versandlogistik anbieten zu können", so Bauer – und das sei weltweit fast konkurrenzlos und mache die Produkte auf dem globalen Markt wettbewerbsfähig. Wie richtig dieser Kurs ist, zeigt das Wachstum – weder ein Großbrand in Karlstein noch die Jahre der Wirtschaftskrise konnten es bremsen. Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit über 1000 Mitarbeiter, betreibt Fertigungsstätten in Deutschland, Polen, China und den USA und erwirtschaftete in 2011 rund 150 Millionen Euro.

Dass dieses Wachstum weiter anhält, dafür dürfte allein schon der Boom mit Pedelecs und E-Bikes sorgen: Während BMZ 2011 rund 400.000 Akkupacks für Fahrräder auslieferte, erwartet das Unternehmen im laufenden Jahr einen Anstieg der Nachfrage auf über 1 Million. Im Zentrum der Wachstumsstrategie stehen zudem der Ausbau der eigenen Forschungs- und Entwicklungspotenziale, die Ausweitung des High-Tech-Produktspektrums und – und ganz besonders – die Expansion auf dem amerikanischen Markt, wo BMZ im vergangenen Jahr in Virginia Beach einen ersten Stützpunkt errichtet hat. „Mit der Entwicklung von weit über 4.200 kundenspezifischen Akku-Packs für den europäischen Markt hat das BMZ in den vergangenen Jahren eine einzigartige fachliche Expertise aufgebaut, die wir durch unsere Spezialisten vor Ort jetzt auch dem nordamerikanischen Markt zur Verfügung stellen wollen", so Bauer. Seine Prognose für die nächsten Jahre: „30 bis 50 Prozent mehr Umsatz."

Innovation

9,5 Millionen US-Dollar investierte BMZ in 2011 allein in Forschung und Entwicklung. Das zahlt sich aus: Die Firma sei der Konkurrenz in der Li-Ionen-Technologie um drei bis fünf Jahre voraus und könne mit High-Tech-Produkten den Markt bestimmen, so Bauer. Als ein Beispiel sei hier der hochsichere Lithium-Powerbloc für Motorräder erwähnt, den BMZ in voller Version seit 2012 anbietet: die Batterie ist ideal für starke 2- oder 4-Zylinder-Motoren und lässt sich trotz hoher Leistungsfähigkeit in 45 Minuten komplett und in 15 Minuten auf 90 Prozent aufladen – herkömmliche Bleibatterien brauchen zwischen 7 und 14 Stunden. Das ist Fortschritt, der das Wachstum sichert.

Li-Ionen-Akkus sind Kraftpakete, bergen jedoch auch Gefahren in sich: Das hochreaktive Metall Lithium ist leicht brennbar und schwer zu löschen, mechanische Beschädigungen können zu Kurzschlüssen führen, und bei Überhitzung kann es zu schlagartiger Energiefreisetzung kommen. Mit der 2008 von Sven Bauer gegründeten „Batteryuniversity" setzt BMZ ein Zeichen der Sicherheit – und zwar für alle: das hochmoderne Labor, in dem Zellen und Akkus unter Extrembedingungen untersucht werden können, ist offen für andere Unternehmen. „Es soll kein Herrschaftswissen sein, sondern alle Gerätehersteller sollen wissen, was der neueste Stand im Akku-Bereich ist. Nur so können wir Innovationen voranbringen", so Bauer. Wie geschätzt die Einrichtung ist, zeigt ein Blick auf die Kundenliste: Große Autobauer lassen hier ebenso ihre Akkus testen wie die Bundesanstalt für Materialprüfung.

Verantwortung

Nicht nur beruflich dreht sich bei Sven Bauer alles um Elektromobilität. Der 46-Jährige hat sie sich zur Lebensaufgabe gemacht: Jeden Morgen fährt er mit seinem dreirädrigen Elektroauto zur Arbeit, macht sich dafür stark, dass Unterfranken nicht nur auf dem Papier eine Modellregion der Elektromobilität wird und veranstaltet als Initiator auf der Batteryuniversity.eu zahlreiche Entwicklerforen. Zudem unterstützt er zukunftsweisende Unternehmen und Initiativen. So hat Bauer die Reichweiten-rekordfahrt des auf die Elektrifizierung des Smart spezialisierten Unternehmens BEA-Tricks mit Akkutechnik von BMZ ermöglicht oder dem heutigen „Hidden Champion" der E-Bike Szene „Benchmark Drives" bei der Gründung unter die Arme gegriffen – BMZ gewährte dem jungen Unternehmen Unterschlupf im Standort Karlstein.

Bei BMZ wird niemandem gekündigt – so lautet Bauers Devise. „Jeder Mitarbeiter, vom angelernten Monteur bis zum hoch qualifizierten Entwickler, hat bei BMZ einen Job mit langfristiger Perspektive". Aber wer sollte auch gehen wollen, bei so zukunftsweisenden und zugleich integrativen Ideen des Gründers: 2011 investierte Bauer rund eine halbe Million in zehn Elektroautos, eine Solaranlage und eine E-Tankstelle – und zwar für verdiente Mitarbeiter. „Statt einer Lohnerhöhung gibt’s bei uns ein Elektroauto", sagt der Geschäftsführer über das Pilotprojekt, von dem er sich zudem Aufschluss über die Nützlichkeit der Fahrzeuge im täglichen Gebrauch erhofft. Bei den Mitarbeitern kommt die Initiative gut an, so Bauer: „Sie fahren Fahrzeuge, die sie selbst mitentwickelt haben, und während sie bei der Arbeit sind, hängen die Elektroautos an den Zapfsäulen – kostenlos und umweltfreundlich."

 

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