Bert Bleicher, Hoffmann Group, München

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Bert Bleicher – Werkzeuge schaffen Werte

Schnell, aber umsichtig – aus einem Münchner Werkzeugbauer macht der gebürtige Wolfsburger die Nummer 1 unter Europas Systemanbietern: die Hoffmann Group

Der Unternehmer

1996 trat Bert Bleicher bei der Hoffmann GmbH an, um als geschäftsführender Gesellschafter den bayrischen Werkzeughandel „in die Welt zu führen" – inzwischen heißt die Firma Hoffmann Group, beliefert als Systempartner für Werkzeuge mehr als125.000 Kunden in 47 Ländern, setzt auf eBusiness und hat den Umsatz vervierfacht. Das klingt nach einem harten Kurs, nach Wachstum um jeden Preis – trifft aber nicht zu. Im Gegenteil: Die Expansion der 1919 von Josef Hoffmann gegründeten Firma finanzierte Bleicher ausschließlich über den Cash-Flow. „Umsatzwachstum ist nicht alles", sagt Bleicher über sein unternehmerisches Denken. „Wir wollen profitabel wachsen und dabei auch unseren sozialen Grundgedanken nicht vernachlässigen."

Eine soziale Ader hat der gebürtige Wolfsburger von Kindheit an: schon als 16 Jähriger engagiert er sich für benachteiligte Kinder und Jugendliche – so gab er zum Beispiel gehörlosen Jugendlichen Sportunterricht. Zu seinem sozialen Engagement kommt ein ausgeprägtes Gespür für Marketing: Der Vater von drei Kindern studierte Ökonomie und Psychologie, lernte sein Handwerk als Produktmanager bei Reemtsma sowie in der von ihm gegründeten Werbe- und Marketingagentur JBBX. 1996 dann traf er mit Franz Hoffmann, dem Sohn des Gründers, einen gleichgesinnten Unternehmer und konnte in ein von Grund auf gesundes Unternehmen einsteigen. „Ich habe sofort gemerkt", erinnert sich Bleicher, „dass Hoffmann ein ungeschliffener Rohdiamant ist".

Entwicklung

1996 ist Hoffmann ein mittelständisches Unternehmen par excellence: technisches Know-how, finanziell autark und regional verwachsen, inklusive der Mitarbeiter auf Lebenszeit. Eine gute Basis also. Und Bleicher nutzte sie, ohne die Grundwerte des Gründers aufs Spiel zu setzen: Schritt für Schritt baute er einen internationalen Vertrieb auf, zuerst in Westeuropa dann im Osten, setzte auf eBusiness, schärfte das Profil der eigenen Premiummarke Garant und wagte 2009, mittlerweile als Nummer 1 in Europa, den Sprung nach China. „Das war nicht immer leicht", sagt er im Rückblick auf die Anfangsjahre der Internationalisierung. „Wir waren ein hochgradig bayrisch ausgerichtetes Unternehmen." Aber es lohnte sich, und die Zahlen des Unternehmens stimmen: die Hoffmann Group machte 2011 einen Rekordumsatz von 912 Millionen Euro und die Zahl der Mitarbeiter stieg auf 2300.

Für 2012 hat Bleicher ein klares Ziel: Er will „an der Milliardenmarke kratzen". Und dazu setzt er auf weitere Internationalisierung (vornehmlich in Asien), den Ausbau der technischen Expertise in der Zerspanung – der Weltmarkt für Zerspanungswerkzeuge wird auf 14 Milliarden Euro geschätzt – die Entwicklung der B2C-Services (sie vernetzen das Unternehmen direkt mit dem Privatkunden), und – last but not least – auf gesundes Wachstum, Unabhängigkeit und die Mitarbeiter der Hoffmann Group. Letzteren auch in Zukunft ein „Wohlfühlklima" zu schaffen, liegt Bleicher besonders am Herzen. Denn: „Unser Wachstum und die positive Entwicklung sind der Verdienst eines starken Teams", so Bleicher.

Innovation

Allein die Logistik der Hoffmann Group ist einzigartig: Tagtäglich liefert sie 8.000 Pakete mit einem durchschnittlichen Bestellwert von 380 Euro aus. Um das möglich zu machen, errichtete das Unternehmen 2009 die größte und leistungsstärkste Werkzeug-Logistik Europas in Nürnberg: Auf einer Fläche von 30.000 qm können hier täglich bis zu 15.000 Pakete auf den Weg gebracht werden – bei einer Fehlerquote von weniger als einem Promille. Das ist auch notwendig: das Unternehmen gibt Qualitätsversprechen ab, vor allem die Lieferfähigkeit von 99,9 Prozent, die nach Bleichers Worten das „Heiligtum der Positionierung" darstellt. Die Zuverlässigkeit zeigt Wirkung: Branchenriesen wie die Robert Bosch GmbH oder die Schneider Electric SA zertifizierten Hoffmann unlängst als Vorzugslieferant, was nichts anderes bedeutet, als dass die Hoffmann Group sowohl von Bosch, als auch von Schneider Electric automatisch und systematisch bei neuen Anfragen und Projekten berücksichtigt wird. Und das sind einige.

Die Hoffmann Group liefert nicht nur aus, sondern stellt auch selbst her: alleine mit der eigenen Premiummarke Garant bietet das Unternehmen seinen Kunden 20.000 Produkte aus dem Bereich Trennen, Schleifen, Bohren, Messen – mit besonderem Augenmerk auf den großen Markt der Zerspanung. Hier gehört das Unternehmen zu den renommiertesten Herstellern weltweit. Allein in Europa beschäftigt Hoffmann hierfür über 100 fest angestellte Anwendungstechniker und Produktmanager, dazu Spezialisten und Forscher sowie einen Stab freier Berater, die nur einen Job haben: Zerspanung! Der Erfolg zeigt sich an den Zahlen: allein mit Garant macht Hoffmann in der Zerspanung einen jährlichen Umsatz von rund 200 Millionen Euro – Tendenz steigend.

Verantwortung

Einfach-konzentriert-nützlich – das sind die Tugenden, die auf dem Wertedreieck der Hoffmann Group zu lesen sind und die das Handeln des Unternehmens wie ein Leitfaden bestimmen. „Durch diesen Filter läuft alles, was wir in Angriff nehmen", so Bleicher über die „Verfassung" des Unternehmens. Wie sehr die Mitarbeiter diese Werte verinnerlicht haben, zeigt sich besonders an der Nachhaltigkeit, die das Wort „Nützlich" einfordert: das Unternehmen hat ein vom TÜV zertifiziertes Umweltmanagement, das weltweit unter umwelt- und sozialverträglichen Bedingungen produziert, fordert von Lieferanten nach internationalen Standards „Ethik im Handel" und verschreibt sich intern einem Verhaltenscodex, der ethische Maßstäbe vorgibt. Für Bleicher bedeutet dieser „Code of Conduct" zum Beispiel keine Geschenke und Reisen anzunehmen, „um weder beeinflussbar noch erpressbar zu sein".

Das, was Bleicher schon als 16 Jähriger für benachteiligte Kinder machte, führt er heute im größeren Maßstab fort: 2004 gründete er unter dem Motto „Werkzeuge schaffen Werte" die Hoffmann Group Foundation, mit der verschiedene Projekte in Deutschland unterstützt werden. Das größte eigene Projekt der Stiftung ist das Orange House – ein Therapie- und Kreativzentrum im bayrischen Peißenberg. Es wendet sich mit einem kreativen und handwerklichen Angebot an Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen. Mit dem Ziel, dass sie Vertrauen in die eigenen Kräfte zurückgewinnen und das Rüstzeug für ein glückliches und eigenverantwortliches Leben bekommen. „Als Unternehmer hat man eine gesellschaftliche Verantwortung", so Bleicher. „Mit unserem sozialen Engagement unterstreichen wir, an welchen Werten sich unser Unternehmen orientiert: heute, gestern und auch in Zukunft."

 

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