Detlev Daues, V-LINE Europe GmbH, Sehnde, Niedersachsen

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Detlev Daues – Ersatzteile „all inclusive"

Vor über 30 Jahren zog er mit einer Idee in den Orient – heute gehört seine Firma, die V-Line GmbH, zu den bedeutendsten Lieferanten für Original-Ersatzteile weltweit

Der Unternehmer

Europäische Firmen prägen in den Siebziger Jahren den Aufbau der Infrastruktur in arabischen Ländern. Petrochemie ist ebenso hoch im Kurs wie Meerwasser-Entsalzung – besonders im zahlungskräftigen Saudi-Arabien: die Anlagen werden schlüsselfertig angeliefert, aufgebaut und nach Abreise der europäischen Delegation feierlich in Betrieb genommen. An alles wird gedacht, nur an eines nicht: an die Ersatzteile. Was, wenn eine Anlage ausfällt? Wie sollen die Ersatzteile nach Saudi-Arabien gelangen? Die Hersteller haben an dem Geschäft kein Interesse, es springt zu wenig dabei heraus. Dem damals 24 Jährigen Daues entgeht das nicht: Als Sachbearbeiter der Firma Wiedemann in Sarstedt beliefert er sowohl heimische Zuckerfabriken als auch Meerwasser-Entsalzungsanlagen in arabischen Ländern – und zwar mit denselben Ersatzteilen. Die Marktchance ist ihm sofort klar: Originalersatzteile mit schnellen Lieferzeiten müssen es sein.

1979 kommt es zum entscheidenden Schritt: Daues bittet seine Eltern um ein Darlehen, macht sich selbstständig und zieht als Lieferant für Ersatzteile von Industrieanlagen los. „Ich habe für mehrere Jahre praktisch in Saudi-Arabien gelebt und nahezu jede Klinke geputzt, die es in der Region zu putzen gab", so Daues. Seine Beharrlichkeit und das Vertrauen in seine Idee werden belohnt: Heute gehört sein Geschäftsmodell als Beschaffungsdienstleister zum Lehrstoff an Hochschulen in China und sein Unternehmen, die V-Line GmbH mit Sitz in Sehnde bei Hannover, beliefert Kunden auf vier Kontinenten mit Originalersatzteilen direkt vom Hersteller – garantiert pünktlich, zum Festpreis und einschließlich Abwicklung sämtlicher Zollformalitäten. Das Servicepaket kommt gut an: VW Mexiko vertraut ebenso darauf wie General Motors in Thailand oder der saudische Petrochemiekonzern SABIC.

Entwicklung

Bei V-Line bekommt ein Kunde nicht nur Originalteile, sondern spart dank eines virtuellen Lagersystems auch Geld. V-Ware – ein virtuelles Warenhaus – macht’s möglich: Der Kunde sucht darin nach einem passenden Ersatzteil, etwa nach einer Kompressor-station für eine Entsalzungsanlage, und V-Line garantiert im Gegenzug einen Festpreis und die exakte Lieferzeit. Und das ist kein leeres Versprechen: Von unabhängigen Ratingagenturen nachgewiesen erhält der Kunde von V-Line zu 99 Prozent das passende Ersatzteil und zu 85 Prozent innerhalb des vereinbarten Zeitraums – und das bei Entfernungen über mehrere tausend Kilometer, oftmals per Containerschiff. Dass diese Zuverlässigkeit steil nach oben führt, konnten nicht einmal drei Golfkriege verhindern: In den Neunzigern baut Daues die ersten Auslandsgesellschaften in Mexiko und in Brasilien auf, es folgen weitere im pazifischen sowie arabischen Raum, und gründet 2008 die Tochtergesellschaft V-Line Saudi Arabia. Was hierbei bemerkenswert ist: Daues ist in Saudi-Arabien inzwischen ein so geschätzter Mann, dass die Gründung ohne lokalen Partner genehmigt wird – als hundertprozentige Tochter.

Heute steht das Unternehmen gut da: V-Line beschäftigt weltweit 180 Mitarbeiter, hat 2011 einen Umsatz von rund 90 Millionen Euro erwirtschaftet und ist an Standorten in Mexiko, Brasilien und Saudi-Arabien sowie in China, Japan und den USA präsent. Auch in Zukunft soll es mit der Expansion weitergehen: Bestehende Geschäftsfelder sollen ausgebaut und das Portfolio der Dienstleistungen erweitert werden, so Daues. Die Basis hierfür ist geschaffen: 2010 stellte das Unternehmen auf SAP-Software um, stieg 2011 als Gesellschafter bei der Deutschen-Management-Akademie in Celle ein – als Partner für interne sowie externe Aus- und Weiterbildung – und erweitert seit April diesen Jahres das bestehende Logistiklager in Sehnde mit einem Neubau um 3000 m2.

Innovation

Daues´ Geschäftsmodell ist weltweit einmalig – kein zweites Unternehmen hat sich international so erfolgreich im Ersatzteilgeschäft positioniert. „Wir managen grenzübergreifend die gesamte Lieferkette, von der Original-Ersatzteilfertigung beim Hersteller bis zur Auslieferung beim Kunden", so Daues. Das heißt, dass V-Line mit dem Eingang eines Auftrags den kompletten Service übernimmt: Die Niedersachsen ermitteln für ihre Kunden den besten Händler und Preis, prüfen die Ersatzteile beim Eingang in Sehnde auf Fehler, bereiten sie für den Export vor – inklusive aller Formalitäten –, kümmern sich über Partner vor Ort um die Auslieferung, also vom Hafen oder Flughafen zum Kunden und sind derweil über modernste IT- und Kommunikationssysteme mit den Servern der Händler, Spediteure und Kunden verbunden. Dieser spezifische Service, der alle Bedürfnisse berücksichtigt, ist der Schlüssel zur Reduzierung der Kosten für den Kunden – und für den Erfolg der niedersächsischen Firma.

Verbreitung findet Daues´ „Art" der Beschaffung – das eProcurement – nicht nur über die Lehre: Im Februar diesen Jahres nahm Daues gemeinsam mit dem saudischen Minister für Wasser und Elektrizität, Seine Exzellenz Abdullah Al-Hussayen, das so genannte i-Supplier Portal in Betrieb – die erste Online-Plattform für Ersatzteile von Meerwasser-Entsalzungsanlagen. Mit dabei war CNBC: Per Liveschaltung übertrug der Nachrichtensender Daues´ Demonstration der Vorteile des eProcurement in alle arabischen Länder! Diese Aufmerksamkeit zeigt nicht nur das Vertrauen, das Daues in den arabischen Ländern genießt, sondern auch das Gespür des Niedersachsen für Märkte – Wasser ist der Megatrend des 21. Jahrhunderts. Besonders in dem Wüstenland Saudi-Arabien: Wasser ist hier teurer als Erdöl.

Verantwortung

„Vertrauen, Respekt, Akzeptanz – das sind Werte, die in der arabischen Welt nach wie vor eine außerordentlich hohe Gültigkeit haben, und die man sich – gerade als Geschäftspartner aus dem Westen – erst einmal verdienen muss", so Daues über seine Erfahrungen. Die nutzt der Niedersachse nicht nur für sich: So lud Daues als Vorsitzender des Außenwirtschaftsausschusses der IHK Hannover zu Beginn des Jahres beispielsweise zum Gesprächskreis „Naher und Mittlerer Osten/Nordafrika". Mit dem Ziel andere Unternehmen mit dem attraktiven Zukunftsmarkt – besonders aber mit der speziellen Geschäftskultur – der arabischen Welt vertraut zu machen. Denn Fettnäpfchen, so Daues, gäbe es dort so viele wie Sand in der Sahara. „Am Anfang ist es nicht leicht", so Daues weiter. Inzwischen aber hänge sein Herz an Arabien.

Seine Kenntnisse sind nicht nur in Wirtschaftskreisen bekannt: Regelmäßig begleitet Daues Vertreter aus der Politik auf Reisen in die arabische Welt, um mit seinen Beziehungen das wirtschaftliche aber auch gesellschaftliche Zusammenwachsen von Deutschland und insbesondere Saudi-Arabien zu unterstützen – zuletzt im Juni diesen Jahres Wirtschaftsminister Philip Rösler. Kein Wunder also, dass beim 30-jährigen Jubiläum des Unternehmens im Juni 2009 neben 480 Gästen aus 17 Nationen und zwei ehemaligen niedersächsischen Wirtschaftsministern – Walter Hirche und Philip Rösler – auch Christian Wulff, Bundespräsident a. D., und der saudische Minister Seine Exzellenz Al-Hussayen mit Beiträgen in einer Festschrift vertreten waren.

 

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