Dr. Heiner Flocke und Manfred Herz, iC-Haus GmbH, Bodenheim, Rheinland-Pfalz

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Dr. Heiner Flocke und Manfred Herz – Innovation auf winzigen Plättchen

Die beiden Unternehmer wollten Mikrochips entwickeln – und machten aus ihrem Wunsch einen führenden Spezialanbieter für Halbleiterlösungen: die iC-Haus GmbH

Die Unternehmer

Integrierte Schaltkreise (kurz: iCs) sind die Grundlage der Elektronik – auf Halbleitern angebracht kommen sie in fast allen Produkten vor und sorgen für die Steuerung von Toastern, Computern oder Automobilen. Sie herzustellen, ist Sache von kapitalstarken Konzernen, denn die Produktion ist mit hohen Risiken wie etwa der Haftung verbunden. Heiner Flocke und Manfred Herz konnte das jedoch nicht abschrecken: Sie hatten die Idee, aus herstellerneutralen Rohlingen hochwertige iCs zu entwickeln und zu produzieren – und zwar selbstständig, im eigenen Unternehmen. „Bedenkenträger und Erbsenzähler hätten diesen Schritt sicher nicht gewagt", erinnert sich Flocke an die Anfangszeit. „Aber uns war das damals egal, wir wollten Chips bauen." Gesagt, getan: 1984 nahmen die beiden Gründer teils von der Familie verbürgtes Geld in die Hand, bezogen mit ihren ersten Mitarbeitern, einer Handvoll Studenten, das Gebäude einer ehemaligen Schnapsbrennerei in Bodenheim/Rheinland-Pfalz und gaben ihrer Vision einen Namen: iC-Haus GmbH.

Mit Heiner Flocke und Manfred Herz hatten sich die beiden richtigen Partner gefunden: Manfred Herz, Jahrgang 1956 ist Ingenieur der Elektrotechnik, im iC-Haus technischer Geschäftsführer sowie Entwicklungsleiter, und hält als Erfinder zahlreiche Patente. Zu erkennen sind die von ihm entwickelten iCs an seinem Markenzeichen, einem „Herz", das er als Symbol für integrierte Innovation neben der Signatur des Unternehmens auf den Produkten hinterlässt. Heiner Flocke, Jahrgang 1949, ist die Gallionsfigur des Unternehmens. Der promovierte Elektrotechniker ist Mehrheitseigner bei iC und verantwortet als Geschäftsführer die kaufmännische und strategische Ausrichtung. Zudem ist Flocke Vorstand und Gründungsmitglied im Patentverein e.V. Hier setzt er sich für einen hohen Qualitätsanspruch des Patentwesens ein und unterstützt vor allem mittelständische Unternehmen in Patentfragen.

Entwicklung

Das, was Großkonzerne oftmals nicht tun, ist eine Stärke im iC-Haus: Die Bodenheimer konzentrieren sich auf Nischenmärkte und halten Wettbewerber nicht nur durch besondere Kreativität und Engagement, sondern durch ausgeprägte Service- und Kundenorientierung auf Distanz. Die persönliche Note kam von Anfang an gut an: „Entscheider in großen Konzernen gaben uns Aufträge per Handschlag", erinnert sich Flocke – zum Beispiel für eine Applikation zum Auslösen von Airbags, die dem jungen Unternehmen gewaltigen Aufschub gab. So konnte die Firma wachsen: 1993 bezog iC-Haus mit 20 Mitarbeitern und 24 Studenten ein eigenes Firmengebäude, brachte ein Jahr später die ersten Standard-iCs auf den Markt – sie können im Gegensatz zu iCs nicht nur in einem, sondern in vielen Produkten eingesetzt werden – und gründete 1997 die iC-Haus Corporation in den USA. Heute beschäftigt iC-Haus 240 Mitarbeiter und die wenige Quadratmillimeter großen Silizium-Chips der Bodenheimer finden sich in Implantaten ebenso wie in Elektromotoren oder Laserpointern.

Eine Besonderheit des Unternehmens – und ein weiterer Schlüssel des Erfolgs – ist die hohe Fertigungstiefe: iC-Haus besitzt einen eigenen Reinraum zur Chip-Verarbeitung sowie eine eigene Packaging-Line für Mikrosysteme, was insbesondere für die Fertigung von optischen und magnetischen Sensormodulen Voraussetzung ist. Und die haben Zukunft: optische und magnetische Sensoren werden dank ihrer Robustheit immer häufiger in automatisierten Abläufen im Haushalt, in der Verkehrstechnik oder der Medizin eingesetzt. Das bedeutet einen großen Markt – aber iC ist bestens gerüstet: Anfang des Jahres erfolgte der erste Spatenstich für das „iC-Haus Next Generation", das mit 4.600 m2 die Fertigungskapazität in Bodenheim für iCs und Mikrosysteme noch einmal deutlich erweitern soll.

Innovation

Das Fertigungs-Know-how macht iC-Haus zu einem der weltweit wenigen Hersteller, die die Verarbeitung der Chips zu Modulen und Mikrosystemen im eigenen Haus leisten können. Den technischen Vorsprung setzen die Bodenheimer in High-Tech-Produkte um, wie etwa das 2012 mit dem AMA Innovationspreis ausgezeichnete Hall-Sensor ASIC: Die Anwendung ermöglicht weltweit erstmalig einen energieautarken „Absolutgeber" – ein in winzigen Getrieben eingesetztes Messsystem, das die notwendige Energie für das Zählen und Speichern der Messsignale aus der kinetischen Energie des Antriebs gewinnt. Bisher sind diese Systeme abhängig von der Stromversorgung oder einer wartungsintensiven Batterie. Das Hall-Sensor ASIC von iC macht das überflüssig – und setzt technologisch nicht nur einen absolut neuen Maßstab, sondern ebnet der Firma den Weg zu riesigen Märkten wie etwa der Automobilbranche.

Innovativ sind nicht nur die Produkte der Bodenheimer, sondern das Geschäftsmodell als solches: iC-Haus ist „fabless", konzentriert sich auf Entwicklung und Endmontage der Chips, und agiert nicht mit eigenen Niederlassungen im Ausland, sondern schafft sich durch Kooperationen internationale Stützpunkte – durch die so genannten „iC-Häuser". Die treten als selbstständige Einheiten auf, zum Beispiel in Spanien, in Brasilien oder den USA, betreuen die internationalen Kunden vor Ort und können auf kundenspezifische Anforderungen sofort reagieren. Verbunden mit dem Stammhaus in Bodenheim sind sie durch Lizenzierung, durch Schulungen und einen ausgeprägten Wissens- und Datentransfer: so können die „iC-Häuser" innerhalb dieser mittelständischen Netzwerkstruktur auf die zentral gesteuerten und standardisierten Herstellungsprozesse im Stammhaus zugreifen. Diese Zusammenarbeit basiere auf der Erkenntnis, so Flocke, dass es für Wissen und Waren zwar keine Grenzen mehr gebe, ein guter Kundenservice aber vor Ort und in der Sprache des Kunden erbracht werden müsse.

Verantwortung

Als Heiner Flocke und Manfred Herz vor 28 Jahren ihr Unternehmen gründeten, nahmen sie sich vor, ihren Mitarbeitern und sich selbst Kreativität und den nötigen „Spaß" zu belassen – diese Freiheit sei heute noch im kollegialen Miteinander verankert, so Flocke über die flache Struktur in der Firma. So können festangestellte Entwickler bei iC bis heute eigene Entwicklungsprojekte durchführen. Dieses Miteinander im Unternehmen ist in den klaren ethischen Grundsätzen des iC-Haus-Verhaltenscodex verankert: Der steht, so Flocke, für Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Umfeld sowie Umwelt und wird ebenso von Kunden, Partnern und Lieferanten erwartet.

Wie sehr die Bodenheimer auf Gemeinschaftssinn setzen, gibt das „iC-Haus Next Generation" wider: das Wafer-Probing und der iC-Test – kurz: die Teststation für die Chips – sind als gläserne Produktion geplant, um Besuchern einen Einblick in die komplexe Produktion der Mikroelektronik zu ermöglichen. Der Neubau entsteht als autarke Immobilie, die durch ein Energie-Effizienz-Konzept mehr Energie produziert als verbraucht, und beim ersten Spatenstich im August vergangenen Jahres waren nicht nur die Geschäftsführer, sondern alle Mitarbeiter und Kinder mit von der Partie. Ganz im Sinne des Gründers: „Wir sind ein inhabergeführtes Familienunternehmen und gehen auch als solches in die Zukunft", so Flocke.

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