David Zimmer, inexio Informationstechnologie, Saarlouis

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David Zimmer – Breitband für alle

Da wo finanzstarke Konzerne passen müssen, sieht der Saarländer seine Chance: mit Inexio versorgt er entlegene Dörfer mit schnellem Internet.

Der Unternehmer

Digital Divide – das ist die Kluft, die in Deutschland bei der Internetversorgung zwischen Stadt und Land besteht: während Nutzer in Ballungszentren via Glasfaser surfen, müssen sich Haushalte auf dem Land oftmals mit veralteten Analog- und ISDN-Verbindungen zufrieden geben. Der Grund für die Nichterschließung ist der Kostenaufwand und das Risiko solcher Infrastrukturprojekte – selbst Konzerne wie die Deutsche Telekom scheuen sie. Und so blieben in Deutschland rund 600.000 Haushalte weiterhin auf ihren Kupferleitungen sitzen – wenn es im Saarland nicht einen Jungunternehmer namens David Zimmer gäbe, der in dieser Versorgungslücke seine Chance erkannte und im November 2007 gemeinsam mit seinem Bruder Tobias die Inexio Informationstechnologie KGaA gründete. „Wir wollten in die Gebiete gehen, in denen die Telekom nicht aktiv ist, weil sie glaubt, dass man dort kein Geld verdienen kann. Wir waren anderer Meinung", sagt der heute 39 Jährige und bringt die Grundidee der Firma auf eine einfache Formel: „Breitband für unterversorgte Regionen".

Das klingt nach Abenteuer – der Wagemut eines dreisten Jungunternehmers steckt aber nicht dahinter: David Zimmer, geboren 1973, ist trotz seiner jungen Jahre ein erfahrener Geschäftsmann. Mit 17 gründete er seine erste Firma, baute gemeinsam mit seinem Bruder das Medienhaus Zimmer AG auf, erlitt 1993 Schiffbruch und sammelte als 20 Jähriger unfreiwillig wertvolle Erfahrungen in der Sanierung. Im Jahr 2001 – wieder auf den Beinen – fädelte er mit der größten Gesellschaft seiner Gruppe, der teresto media AG, ein Joint Venture mit der RWE ein und leitete die Tochtergesellschaft als Alleinvorstand. Unter dem Eindruck der langsam mahlenden Konzernmühlen, wie er sagt, packte ihn 2006 jedoch erneut der Reiz des freien Unternehmertums und er schied aus. „Ich wollte immer Unternehmer sein, mit all der Verantwortung die dazu gehört, nicht nur Manager", so Zimmer.

Entwicklung

Glasfasern sind leichter, schneller und unempfindlicher als Kupferleitungen. Sie zu verlegen, kostet allerdings viel Geld. Das notwendige Startkapital für das Unternehmen hatten die beiden Gründer nicht auf der hohen Kante – und die Banken teilten ihren Enthusiasmus keineswegs. „Wenn man mit so einem Plan zu einer Bank geht, wird man angeschaut, als sei man verrückt", so Zimmer. Kooperation war die Antwort: Der passionierte Triathlet suchte Kontakt zu Kommunen, um Kosten besonders beim Tiefbau einzusparen, verbündete sich mit anderen Netzbetreibern, zum Beispiel mit Wingas, und besetzte den Aufsichtsrat von Inexio mit Vertrauenspersonen der Kapitalgeber. Mit Erfolg: Inexio konnte die Investitionskosten senken, fand eine Bank, die den Brüdern ohne große Sicherheiten ein Darlehen gewährte, und konnte in 2008 in Merzig und Saarlouis die ersten Netze in Betrieb nehmen. Von da an ging es steil bergan: das Unternehmen verfügt mittlerweile über Netze von knapp 3000 Kilometern, betreibt drei Rechenzentren und beschäftigt über 80 Mitarbeiter, die in 2011 einen Umsatz von rund 15 Millionen Euro erwirtschafteten.

So soll es weitergehen: „Wir wollen der zweitgrößte Infrastruktur-Anbieter neben der Telekom in Süddeutschland werden", sagt Zimmer mit Blick in die Zukunft. Dass dieses ambitionierte Ziel den Saarländern zuzutrauen ist, zeigen die Zahlen: rund 1000 Geschäftskunden und über 12.000 Privatkunden vertrauen inzwischen den Produkten und Leistungen von Inexio, der gesamte Datenverkehr von KabelDeutschland läuft im Saarland sowie in Rheinland-Pfalz über die Netze des Unternehmens und im laufenden Geschäftsjahr konnten bereits über 300 Kommunen als Konzessionsgeber gewonnen werden. Bekräftigt wird dieser Aufwärtstrend durch die im Februar 2009 verabschiedete Breitbandstrategie der Bundesregierung, die ein Ziel vorgibt, das den Kurs von Inexio nicht nur bestätigt, sondern ihn mit Förderprogrammen auch beflügelt: Bis 2014 sollen 75 Prozent der deutschen Haushalte über Internetanschlüsse von mindestens 50 Mbit/Sekunde verfügen – also Glasfaser.

Innovation

In geradezu prophetischer Sicherheit haben die persönlich haftenden Gesellschafter um David Zimmer – Thorsten Klein, Jens Schemel und Tobias Zimmer – die Faktoren erkannt, die die zukünftige Telekommunikation ausmachen: Verfügbarkeit, Leistungsfähigkeit, Sicherheit und Service aus einer Hand. Inexio bietet all das: Die Kunden des Unternehmens haben durch die Kooperation mit internationalen Carriern einen sicheren Zugriff aufs Internet, sie profitieren vom modernsten Glasfasernetz in der Region Saarland, Lothringen, Luxemburg und Belgien – es ermöglicht durch Ethernet-Technologie Geschwindigkeiten von bis zu 10.000 Mbit/Sekunde – und sie genießen durch die unternehmenseigenen Rechenzentren Sicherheit auf neuestem Stand: angefangen bei der Gebäudesicherheit, über Notstromversorgung bis hin zu redundanten Netzwerkstrukturen, die den Datenfluss sichern.

Und zudem: durch die Fusion mit der Schemel IT-Systeme GmbH 2008 bietet Inexio neben Hosting, Content und IT-Carrier auch alle anderen IT-Dienstleistungen aus einer Hand. Das heißt: wer Kunde von Inexio ist, etwa bei der seit Oktober 2011 eigens für das Privatkundengeschäft gegründeten GmbH „Quix", kann mit Inexio nicht nur telefonieren und schnell im Internet surfen, sondern sich ebenso bei der Einrichtung von Software, Hardware und Netzwerken unterstützen lassen – eben alles aus einer Hand. Kein Wunder also, dass sich David Zimmer sicher ist, dass „wir als junger, schlanker Newcomer die etablierten Konkurrenten an vielen Stellen herausfordern werden."

Verantwortung

Die Geschäftsidee „Breitband für unterversorgte Regionen" steht per se für unternehmerische Verantwortung: sie eröffnet Gegenden, denen die Vielfalt der Telekommunikations- und IT-Angebote bislang vorenthalten war, eine Perspektive – und zwar im Hinblick auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Impulse. Wie etwa im Fall der Stadt Heringen – einem Projekt, das laut Branchenverband VATM als Modell Schule machen wird: Die im hessischen Werratal gelegene Kommune gründete mit Inexio eine Infrastrukturgesellschaft, um die Investitionen für den Netzausbau stemmen zu können. „Die gemeinsame Gesellschaft sichert Heringen den Besitz an der Infrastruktur und schont zugleich die Eigenkapitaldecke unseres Unternehmens", so Zimmer. Zum Vorteil aller: Die Bürger des Städtchens können in Hochgeschwindigkeit im Internet surfen, an Trends wie eHealth-Anwendungen, eMobility oder Cloud Computing teilhaben, und Inexio, das die fertiggestellte Infrastruktur anmietete, kann die Haushalte mit eigenen Produkten versorgen.

Inexio ist nicht nur wirtschaftlich für die Region da: das Unternehmen unterstützt unter anderem die Saarlouiser Tafel, einige Kinder- und Jugendprojekte sowie die Elterninitiative krebskranker Kinder in Homburg. Und David Zimmer macht sich zudem für die Branche stark: er ist engagiert in zahlreichen Gremien und macht sich insbesondere für eine klare Werteorientierung von Unternehmen stark, wie er angibt. So etwa als Vizepräsident der IHK-Saarland, als Vorstand des saarländischen Regionalkreises ‘Die jungen Unternehmer – BJU‘ und als Mitglied im Ausschuss für Telekommunikation und Neue Medien des DIHK e.V. in Berlin.

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