Dr. Andreas Kaufmann und Alfred Schopf – die Leica-Retter

Entrepreneur des Jahres in der Kategorie Konsumgüterindustrie

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Andreas Kaufmann war Waldorflehrer – heute gehört ihm der legendäre Kamerahersteller Leica. Mit Alfred Schopf  führte er das Unternehmen zurück in die Gewinnzone

Frankfurt, 19. September 2013

Die Unternehmer

Als Kaufmann 2005 bei Leica die Mehrheit und den Aufsichtsratvorsitz übernimmt, hätte er arm werden können. Das Traditionshaus ist so gut wie bankrott. Während Canon, Nikon und Sony in immer kürzeren Abständen immer höher entwickelte Geräte auf den Markt werfen, werden bei Leica Kameras für die Ewigkeit gebaut. Der Zug der Digitalisierung scheint abgefahren, Leica gilt als Dinosaurier. Aber der Spross einer der reichsten Familien Österreichs, einer Papierdynastie, lässt sich von seinem Wagnis nicht abbringen: er steckt Millionen seines Privatvermögens in den heruntergewirtschafteten Betrieb. „Das war Kamikaze“, sagt er heute über seinen damaligen Schritt. Das ist gut nachzuvollziehen: der gebürtige Schwabe hatte keine Management-Erfahrung, unterrichtete bis 2000 an der Waldorf-Schule in Göppingen Geschichte, Gemeinschaftskunde und Deutsch. Mit Enthusiasmus gelingt es dem „leidenschaftlichen Knipser“ aber dennoch das in Gang zu setzen, womit niemand gerechnet hat: den Aufholprozess bei Leica. „Es war wie ein Ritt über den Bodensee“, sagt Kaufmann heute über die Sanierung. „Man wusste nicht, ob das gut gehen würde.“

Nach sprunghafter Anfangszeit – beinahe jährlich wechselt Kaufmann das Topmanagement und führt Leica selbst für ein Jahr – gelingt der Turnaround: mit der digitalen Leica M8 beginnt die Erholung, mit dem Nachfolgemodell M9 landet man einen Hit. „Die Kamera war auf Monate hinaus ausverkauft. Wir kamen mit dem Produzieren nicht nach“, erinnert sich Kaufmann und weiß, dass er diesen Erfolg mitunter einem echten Spezialisten zu verdanken hat, nämlich Alfred Schopf. Als erfahrene Führungskraft in der optischen und optoelektronischen Industrie, unter anderem als Vorstandsvorsitzender beim Marktführer für Filmkameras und Beleuchtungssysteme „ARRI“, prägt der gebürtige Schwabe ab 2009 im Aufsichtsrat und ab 2010 als Vorstandsvorsitzender die Geschäftsführung bei Leica. Er ist der erfahrene Gegenpol zu Kaufmann und beiden gelingt ein unvergleichlicher Umbruch. 2009 schafft das Unternehmen den Sprung aus den roten Zahlen, legt von da an ein Rekordjahr nach dem anderen aufs Parkett und findet in 2012 zurück zu altem Glanz.

Entwicklung

Das 1849 in Wetzlar gegründete Traditionsunternehmen wurde vor allem von einem geprägt, von Oskar Barnack. Er ist ab 1900 Leiter der Entwicklungsabteilung und als solcher wollte er weg von den schwerfälligen Plattenkameras und suchte nach einer völlig neuen Technik des Fotografierens. Also schraubte, testete und belichtete er, bis er die Sensation, die weltweit erste Kleinbildkamera, in Händen hielt: die Ur-Leica. Sie prägte die strategische Ausrichtung des Unternehmens wie keine andere. Aber nicht nur das – die Leica, die 1924 als „Leitz Camera“ in Serie ging, legte das Fundament für die Entstehung des Fotojournalismus. Mit der Leica in der Hand konnten sich Fotografen und Fotokünstler von da an frei bewegen und sich auf die Suche nach Impressionen begeben. So entstanden Bilder, die fest im kollektiven Gedächtnis der Menschen verankert sind, etwa das von Alberto Korda mit einer M2 geschossene Portrait von Che Guevara oder das durch einen Napalmangriff verwundete Mädchen Kim Phuc, das Nick Ut 1972 mit seiner M5 ablichtete.

Das Erbe Barnacks wird von Andreas Kaufmann und Alfred Schopf hochgehalten: Sie gehen in ihrer Ausrichtung auf die Menschen zu, mit Innovationen „Made in Germany“ und bestem Service. So stehen in den kommenden Jahren in dem Traditionshaus drei wesentliche Projekte auf der Tagesordnung: der Bezug des neuen Unternehmenssitzes in Wetzlar, der mit der Erlebniswelt „World of Leica“ viel mehr ist, als nur Produktionsstätte und dem Kunden die Produkte, Geschichte und Visionen des Kameraherstellers näherbringen soll. Desweiteren der Ausbau der eigenen Stores und Boutiquen, die ausschließlich Produkte der Marke Leica vertreiben und weltweit für den Kunden persönliche Beratung und Customer Care bereithalten. Und last but not least Investitionen in neue Produkte. „Mittelfristig erhoffen wir uns durch die Investitionen einen Umsatz von 1 Mrd. Euro “, so Kaufmann über die zukünftigen Erwartungen.  

Innovation

Gleich in welchem Geschäftsbereich – Kameras, Objektive, Ferngläser, Spektive, Entfernungsmessgeräte oder Zielfernrohre – die Produkte aus dem Hause Leica erfüllen seit über 100 Jahren höchste Ansprüche. In regelmäßigem Turnus stellen die Erfindungen des Unternehmens, besonders die innovative Fototechnik, den Markt buchstäblich auf den Kopf. So etwa im vergangenen Jahr bei der Präsentation der Leica M Monochrom, die als weltweit erste Kamera für reine Schwarzweiß-Aufnahmen Laien und Profis begeisterte. Allerdings nicht aus Nostalgie-Gründen – jedenfalls nicht nur. Die aufs Wesentliche reduzierte M Monochrom ermöglicht durch ein minimalistisches Konzept – keine Farbe, kein Autofokus, keine Automatik – Bilder mit einmaliger Schärfe. „Das ermöglicht ein ganz neues Arbeiten“, sagt etwa die Fotografenlegende Thomas Höpker über die M Monochrom. „Das ist eine Kamera, die sich künstlerische Fotografen lange gewünscht haben.“

Damit Kunden die Vorzüge von Kameras wie der M Monochrom schätzen, erkennen und anwenden können, setzt Leica neben ausgeprägtem Kundenservice durch die erwähnten Stores traditionell auf Schulungen – und zwar in der ältesten und renommiertesten Fotoschule weltweit: der Leica Akademie. Seit acht Jahrzehnten werden hier ambitionierte Fotografen in Workshops und Reisen von Spezialisten aus der Foto-Branche auf ihrem Weg zum idealen Bild begleitet. Natürlich mit kostenlos zur Verfügung gestellter Ausrüstung. „Leica steht für deutsche Ingenieurskunst, kompakt und konzentriert, ohne Schnick-Schnack,“ erklärt Andreas Kaufmann. „Mit unserem Leica Service möchten wir Kunden von unseren fein gearbeiteten Meisterstücken überzeugen und eine dauerhafte Bindung aufbauen.“  

Verantwortung

Beim Engagement des Unternehmens darf das „Bild“ nicht fehlen. So vergibt Leica jährlich den Oskar-Barnack-Preis, eine international begehrte Auszeichnung für qualitativ hochwertige Reportagefotografie – einen für Berufsfotografen, einen für Nachwuchskünstler – und fördert zudem, in Kooperation mit der legendären Agentur Magnum, die unabhängige Dokumentarfotografie durch finanzielle und politische Unterstützung einzelner Projekte. Aber auch für die Musik gibt es im Traditionshaus ein Ohr – auf jeden Fall bei Andreas Kaufmann. Der in einem antroposophisch und kulturinteressierten Elternhaus aufgewachsene Mehrheitseigner von Leica unterstützt die Festspiele in Baden-Baden sowie in Salzburg und ist zudem Sponsor des Salzburger Mozarteumorchesters.   

Dem Menschen die Natur ein Stück näherbringen – so lautet der Anspruch Leicas. Er bezieht sich mit Sicherheit auf Optiken, die es dem Menschen erlauben Tiere, Pflanzen oder Naturereignisse gestochen scharf zu beobachten oder abzulichten. Aber nicht nur. Leica engagiert sich weltweit für zahlreiche Naturschutzprojekte, besonders durch das Sponsoring von Ferngläsern und Entfernungsmessern. Zum Beispiel die Heinz-Sielmann-Stiftung im Brandenburgischen oder das Naturzentrum Katinger Watt, wo Vogelfreunde in Versteckhütten oder einem Beobachtungsturm des Naturschutzbund e.V (NABU) die Gelegenheit haben sich mit Leica-Ferngläsern oder -Spektiven ausrüsten zu lassen, um seltene Zugvögel während der Rast zu beobachten. 

Der Wettbewerb

Die Auszeichnung „Entrepreneur des Jahres“ honoriert unternehmerische Spitzenleistungen durch eine unabhängige Jury in verschiedenen Kategorien – weltweit in 60 Ländern, in Deutschland 2013 zum 17. Mal. Der von EY organisierte Wettbewerb wird von namhaften Unternehmen und Medien unterstützt: Dazu gehören DZ BANK, Jaguar, Frankfurter Allgemeine Zeitung und Manager Magazin. Neben der Auszeichnung erfolgreicher Unternehmerpersönlichkeiten fördert EY mit dem Programm „Entrepreneur of the Year Junior Academy“ unternehmerischen Nachwuchs.

EY im Überblick

EY* ist eine der drei großen deutschen Prüfungs- und Beratungsorganisationen. In der Steuerberatung ist EY deutscher Marktführer. EY beschäftigt rund 7.700 Mitarbeiter an 22 Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2011/2012 einen Umsatz von 1,22 Milliarden Euro. Gemeinsam mit den 167.000 Mitarbeitern der internationalen EY-Organisation betreut EY Mandanten überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung, Transaktionsberatung, Advisory Services und Immobilienberatung.

Zusätzliche Informationen entnehmen Sie bitte folgender Internetseite: http://www.de.ey.com

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