EY’s Attractiveness Survey

Standort Deutschland 2014: vorne bleiben

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Hat Europa die Schuldenkrise überwunden? Fast scheint es so: Portugal und Griechenland kehren an den Kapitalmarkt zurück und müssen für Staatsanleihen relativ niedrige Zinsen bezahlen. Erstmals seit 2011 soll die Eurozonenwirtschaft in diesem Jahr wieder wachsen.

Unsere Studie zeigt, dass internationale Investoren mit einem Wiedererstarken der europäischen Wirtschaft rechnen.

Trotz Schuldenkrise und schwacher Konjunkturlage war die Zahl der Direktinvestitionen in Europa im vergangenen Jahr so hoch wie nie zuvor: 2013 wurden in Europa insgesamt 3.955 FDI-Projekte gezählt - vier Prozent mehr als im Vorjahr (3.797).

Im Krisenjahr 2009, als der Fokus der Unternehmen vor allem auf der Sicherung des Bestands bzw. sogar des eigenen Überlebens lag, war die Zahl der Investitionsprojekte noch deutlicher zurückgegangen – um elf Prozent.

Seit 2010 hat sich die Zahl der Projekte wieder auf einem hohen Niveau eingependelt.


Als Investitionsstandort ein Global Player

Hat Westeuropa die Schuldenkrise hinter sich gelassen? Kann es heute wieder verstärkt als attraktiver Standort für Investitionen punkten?

Die Befragungsergebnisse scheinen zumindest auf den ersten Blick eine deutliche Sprache zu sprechen.

Nachdem Westeuropa in den vergangenen Jahren stets deutlich hinter China Rang zwei im weltweiten Ranking der attraktivsten Regionen belegte, sichert es sich in diesem Jahr den Spitzenplatz.

45 Prozent der Investoren bewerten Westeuropa derzeit als einen der drei attraktivsten Investitionsstandorte weltweit – das sind deutlich mehr als noch vor einem Jahr, als dies nur 37 Prozent der Befragten so sahen. Besonders erfreulich: Keine andere Region kann einen auch nur annähernd so großen Zuwachs an Attraktivität für sich verbuchen.

Dicht hinter Westeuropa platziert sich China auf Rang zwei (44 Prozent). Auf den Rängen drei und vier folgen - bereits mit großem Abstand - Nordamerika (31 Prozent) und Mittel- und Osteuropa (29 Prozent). Beide haben ihrerseits einen deutlichen Vorsprung vor Russland (19 Prozent) und Indien (17 Prozent).


Schärfung des Profils als Innovationsführer

Wie wird sich Deutschlands Attraktivität in den Augen internationaler Investoren in den kommenden Jahren entwickeln?

Hier sprechen die Befragungsergebnisse für Deutschland – und das europäische Ausland: Fast jeder zweite Manager (49 Prozent) erwartet für die kommenden drei Jahre eine Verbesserung der Standortattraktivität hierzulande. Nur 13 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.

In Bezug auf Europa zeigen sich die Investoren sogar noch etwas zuversichtlicher: Hier erwarten sogar 54 Prozent eine Verbesserung, während nur zwölf Prozent von einer Verschlechterung ausgehen.


Autoindustrie mit großem Abstand Deutschlands Vorzeigebranche

Welche Branchen werden die Entwicklung des Standorts Deutschland in den kommenden Jahren besonders prägen?

Die Befragungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich aus Sicht ausländischer Investoren hier die Kräfteverhältnisse wieder verschieben – zugunsten der deutschen Automobilindustrie und zuungunsten vor allem der jungen Umwelttechnologie.

Die Automobilbranche (40 Prozent) bleibt Deutschlands Vorzeigebranche Nummer eins und gewinnt gegenüber dem Vorjahr stark an Bedeutung hinzu. Rang zwei belegt der Bereich Energie/Utilities (22 Prozent). Dieser hat sich trotz eines etwas geringeren Stimmenanteils als vor einem Jahr um einen Rang verbessert. Rang drei die Informations- und Kommunikationstechnik (20 Prozent), die geringfügig an Bedeutung verliert.
 

Investorensicht: Transport- und Automobilindustrie mit größtem Wachstumspotenzial in Deutschland

„Welche drei der nachfolgenden Branchen halten Sie in den nächsten zwei Jahren für die wesentlichen Treiber für ein Wachstum in Deutschland?“

EY- Investorensicht: Transport- und Automobilindustrie mit größtem Wachstumspotenzial in Deutschland

Angaben in Prozent; bis zu zwei Nennungen möglich; 􀀀Grundgesamtheit: n = 201; Vorjahreswerte in Klammern


Den größten Sprung nach vorne macht der Bereich Banken/Versicherungen. Dieser hat seinen Stimmenanteil von sieben auf 18 Prozent mehr als verdoppelt und sich damit von Rang neun auf Rang vier verbessert - dicht gefolgt von der Pharmaindustrie.


Herausforderungen für den Standort Deutschland

Angesichts der hohen Bedeutung, die ausländische Investoren im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland, der (Förderung der) Innovationskraft und der (Verbesserung der) Aus- und Weiterbildung beimessen, stellt sich die Frage nach den tatsächlichen Weichenstellungen in Politik und Wirtschaft.

Hier scheint es durchaus größere Spielräume für Verbesserungen zu geben – insbesondere bei den Themen „Innovationsstandort Deutschland stärken“, „Bürokratieabbau“ und „Allgemeine Reformbereitschaft“.