Master CFO Series

Anlagenotstand

Neue Herausforderungen für CFOs

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Hohe Liquiditätsreserven in den Bilanzen stellen CFOs in der heutigen volatilen Wirtschaftssituation vor neue Herausforderungen.

Freie Mittel, die früher für Akquisitionen und andere strategische Vorhaben vorgesehen waren, sind nun ungenutzt und bringen lediglich geringe Erträge aus niedrigverzinslichen Anlagemöglichkeiten. Denn Unternehmen vermeiden langfristige Investitionen, um im Falle eines Abschwungs über genügend Liquiditätsreserven zu verfügen.

Vor dem Hintergrund der Herabstufung vieler prominenter Banken in den letzten Jahren sind aber auch die traditionell sicheren kurzfristigen Anlagen riskant geworden. In dieser Situation ergeben sich für CFOs nicht nur Risiken, sondern auch Chancen.

Der folgende Abschnitt erörtert grundsätzliche Optionen für die CFOs finanzstarker Unternehmen:

Investieren, ausschütten oder zurückkaufen?

Finanzstarke Unternehmen stehen vor einer wichtigen Entscheidung.

Sie können ihre überschüssigen freien Mittel investieren und so für sich arbeiten lassen – oder sie in Form von Dividenden an die Anteilseigner ausschütten bzw. durch Aktienrückkäufe den Börsenkurs pflegen.Derzeit scheint der Großteil zu Letzterem zu tendieren.

Aktienrückkäufe können dabei helfen, den Börsenwert eines Unternehmens kurzfristig zu stützen. Für Unternehmen, die sich während des Konjunkturabschwungs gut gehalten haben und kein Vertrauen in die anderen Anlageinstrumente haben, kann es eine gute Entscheidung sein, ihre Gewinne abzusichern, indem sie eigene Aktien zurückkaufen. Allerdings stellt dies kaum eine nachhaltige Wachstumsstrategie dar.

Begründen Sie Ihre hohen Liquiditätsreserven gegenüber den Investoren

"Unternehmen müssen ihren Anteilseignern genau erläutern, weshalb sie trotz übervoller Kassen mit Investitionen gerade so zurückhaltend sind", erklärt Gerd Stürz, Leiter des GSA-CFO-Programms von EY. "Sehr oft machen Unternehmen nicht deutlich genug, warum sie an ihrer starken Liquiditätsposition festhalten. Das sorgt dann für Unsicherheit bei den Investoren."

Um langfristige, vertrauensvolle Beziehungen zu Investoren aufzubauen und Überraschungen zu vermeiden, sollten CFOs kontinuierlich ihre Marktsicht offenlegen und zeigen, wie sich ihre Marktauffassung in ihren Finanzentscheidungen widerspiegelt.

Beschaffen Sie sich jetzt zusätzliche Finanzmittel – durch Anleiheemissionen mit historisch niedrigen Zinsen

Für CFOs von Unternehmen mit hoher Anlagebonität und Standorten in wirtschaftlich relativ gesunden Ländern war es nie so einfach wie heute, Anleihen zu platzieren.

Investoren suchen nach einem sicheren Hafen für ihr Geld, was die Fremdkapitalkosten auf einen historischen Tiefstand gebracht hat. Der positive Effekt für CFOs: Sie können Anleihen zu historisch günstigen Konditionen auflegen.

Auf den ersten Blick mag es widersinnig erscheinen, dass ohnehin finanzstarke Unternehmen Anleihen emittieren und ihre Barreserven so noch weiter erhöhen. Einige CFOs machen im aktuellen Umfeld aber genau das: Sie nutzen das historisch niedrige Zinsniveau, um ihre Kassen weiter aufzufüllen.

Entwickeln Sie eine klare Strategie für Ihr Treasury Risk Management

Früher sollten Finanzexperten vor allem Gewinne mehren und Vermögen schaffen. Heute liegt der Fokus ganz klar auf der Identifizierung und Verringerung von Risiken.

Im Blickpunkt steht die Steuerung des Treasury Management: Viele Unternehmen setzen auf klare Richtlinien und Strategien, um sicherzustellen, dass der Vorstand und die Kontrollorgane die eingegangen Risiken auch verantworten können.

"Aufgabe des Treasury-Bereichs ist es u. a., diese Risiken durch Nutzung verschiedener Märkte, Währungen und Finanzinstitute zu minimieren", sagt Britta Becker, Leiterin Capital & Debt Advisory bei EY in der Region GSA.

Unterstützen Sie Ihre Lieferanten

Ein finanzstarkes Unternehmen hat nicht unbedingt auch finanzstarke Lieferanten. Viele große Unternehmen stützen sich auf eine kleine Zahl von Schlüssellieferanten in ihrer Lieferkette.

Die Insolvenz auch nur eines Zulieferers kann dazu führen, dass ein Unternehmen seine Produkte nicht mehr auf den Markt bringen kann oder sogar vollständig handlungsunfähig wird.

Halten Sie sich bereit für neue M&A-Chancen

Zurzeit gibt es kaum Anzeichen für einen größeren Anstieg der Fusionen und Übernahmen. Vielmehr scheint die Bereitschaft zu anorganischem Wachstum eher abzunehmen.Angesichts der unsicheren Weltwirtschaftslage haben Fusionen und Übernahmen für viele Unternehmen nicht mehr eine so hohe Priorität, da sie meist erhebliche Investitionen und langfristige Entscheidungen darstellen. Aber auch dieser Zyklus wird irgendwann zu Ende gehen: Finanzstarke Unternehmen sind dann gut aufgestellt.