Stimmung der Unternehmer deutlich verbessert / Optimistischere Geschäftserwartungen / Euro und Industrie genießen größtes Vertrauen / Vertrauen in Banken leicht gestiegen / Sorge vor hoher Inflation und steigenden Staatsschulden
Stuttgart, 30. Oktober 2009. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verbessert: Aktuell bewerten 42 Prozent der Unternehmen ihre Lage positiv – vor drei Monaten lag der Anteil nur bei 30 Prozent. Eine Verbesserung im Verlauf der kommenden sechs Monate erwarten aktuell 52 Prozent – vor drei Monaten waren 47 Prozent optimistisch. Gleichzeitig kehrt auch das Vertrauen in wichtige Institutionen und Branchen zurück: Einen besonderen Vertrauenszuwachs können Ratingagenturen, das britische Pfund und die Marktwirtschaft in Deutschland verzeichnen. Auch Versicherungen und Banken werden positiver bewertet als vor drei Monaten.
Das sind Ergebnisse der zweiten Ausgabe des „Ernst & Young Vertrauensindex“, einer Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young unter 700 Unternehmen in Deutschland. Der Vertrauensindex wird dreimonatlich durchgeführt, um die Entwicklung des Vertrauens in der deutschen Wirtschaft zu untersuchen.
Über eine schlechte Situation klagen aktuell nur noch 23 Prozent der Betriebe – im Juli lag der Anteil bei 33 Prozent. Über alle Branchen hinweg hat sich die Lage verbessert, am stärksten bei Dienstleistungs- und Industrieunternehmen, wo der Anteil der Positivbewertungen von 31 auf 43 Prozent bzw. von 26 auf 38 Prozent stieg. Auch mittel- und langfristig sehen die Manager sogar einen klaren Aufwärtstrend: Der Anteil der Optimisten steigt auf 12-Monats-Sicht auf 70 Prozent. Für die kommenden 2 Jahre sind sogar 80 Prozent der Manager optimistisch.
„Nach einem sehr schwierigen ersten Halbjahr hat sich die Lage auf niedrigen Niveau stabilisiert“, stellt Georg Graf Waldersee, Managing Partner Deutschland, Schweiz, Österreich bei Ernst & Young fest. Zum Aufatmen sei es aber noch zu früh: „Der sich abzeichnende Aufschwung steht immer noch auf schwachen Füßen, die Wirtschaft ist nach wie vor sehr anfällig“. In den kommenden Monaten würden sich die steigende Arbeitslosigkeit und das Auslaufen staatlicher Konjunkturprogramme belastend bemerkbar machen, hinzu kämen die zurückhaltende Kreditvergabe der Banken und die nach wie vor bestehenden Unsicherheiten in der Finanzbranche. Dennoch ist Graf Waldersee zuversichtlich: „Die aktuelle Erholung ist mehr als ein Strohfeuer. Der Absturz ist gestoppt, die Erholung gewinnt mit jedem Tag an Kraft“. Und er betont: „Die Weltwirtschaft hat ihre größte Bewährungsprobe seit Jahrzehnten bestanden: Die befürchtete Kernschmelze – der Zusammenbruch des Finanzsystems – konnte verhindert werden, die Konjunkturprogramme wirken. Nun stehen die Aufräumarbeiten an, die sich allerdings lang hinziehen werden.“
Euro und Industrie besonders hoch geschätztAngesichts der etwas verbesserten Wirtschaftslage kehrt auch das Vertrauen der Manager in die Konjunktur und in wichtige Institutionen und Branchen zurück. Am meisten Vertrauen haben die Manager derzeit in die Stabilität des Euro: 89 Prozent stellen der europäischen Währung ein gutes Zeugnis aus. Damit genießt der Euro auch eine deutlich höhere Wertschätzung als andere Währungen: US-Dollar und britisches Pfund werden nur von 62 bzw. 60 Prozent als vertrauenswürdig angesehen.
Sehr hoch ist das Vertrauen in die Industrie, obwohl dieser Wirtschaftszweig nach wie vor besonders stark unter der Krise leidet: Die Industrie genießt bei 88 Prozent der Befragten Vertrauen.
Insgesamt ist bei den meisten der abgefragten Institutionen ein Vertrauenszuwachs festzustellen: Am stärksten ist das Vertrauen in die Ratingagenturen (+17 Prozentpunkte), Regierungen und das britische Pfund (jeweils +8) sowie die Marktwirtschaft in Deutschland (+6) gestiegen. Aber auch Banken, der US-Dollar (jeweils +5), die Versicherungen und Regulatoren/Aufsichtsbehörden (jeweils +4) genießen ein deutlich höheres Vertrauen als im Vorquartal. Relativ stark gesunken ist nur das Vertrauen, das Zentralbanken/Notenbanken entgegengebracht wird: um sechs Prozentpunkte von 62 auf 56 Prozent.
„Die Befragungsergebnisse zeigen, dass die Unternehmen langsam wieder Vertrauen fassen. Das ist ein sehr ermutigendes Signal“, so Waldersee: „Denn nur wenn Optimismus und Zuversicht zurückkehren, wird wieder investiert.“
Die Befragungsergebnisse zeigen allerdings auch, dass das Vertrauen der Unternehmen in die Finanzwirtschaft nach wie vor relativ schwach ausgeprägt ist: Der Banken- und Versicherungssektor genießt das Vertrauen von nur 43 bzw. 60 Prozent der Befragten. „„Die Finanzbranche steht weiterhin vor der Aufgabe, verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen: Der Beinahe-Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems im Herbst 2008 hatte das Vertrauen in den Finanzsektor erheblich erschüttert. Davon hat sich die Branche noch immer nicht ganz erholt“. Allerdings mehrten sich auch hier die Zeichen, dass sich die Situation nachhaltig stabilisiere, so Graf Waldersee.
Regierungen können dank erfolgreichen Krisenmanagements weiter punktenSeit Ausbruch der Krise mussten weltweit Staaten und Regierungen immer wieder massiv eingreifen – zunächst, um den Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern, dann immer stärker um wichtige Wirtschaftsbereiche zu stützen und einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern. Dieses Engagement wird von der Mehrheit der Befragten honoriert: 68 Prozent der befragten Manager stellen dem Staat derzeit ein befriedigendes oder gutes Zeugnis aus – im Juli lag der Anteil nur bei 60 Prozent. Noch besser schneidet die deutsche Bundesregierung ab, in deren Arbeit 75 Prozent Vertrauen haben.
Graf Waldersee kommentiert: „Seit Ausbruch der Krise mussten die Staaten in einem beispiellosen Ausmaß in die Wirtschaft eingreifen. Sie haben bei der Eindämmung der Krise eine Schlüsselrolle gespielt“. Allerdings dürfe die derzeitige Rolle des Staates nur vorübergehender Natur sein: „Mittelfristig muss sich der Staat wieder soweit möglich aus dem Wirtschaftsleben zurückziehen“, stellt Graf Waldersee klar.
Den Unternehmen ist durchaus bewusst, dass die Gesellschaft einen hohen Preis für die staatlichen Unterstützungen wird zahlen müssen: 78 Prozent der Manager machen sich Sorgen über die steigende Staatsverschuldung, sogar 81 Prozent befürchten, dass es aufgrund leerer öffentlicher Kassen zu Steuererhöhungen kommen wird. „Eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre wird der Abbau der Staatsschulden sein“, erwartet Graf Waldersee. „Um die notwendigen Einschnitte wird es sehr wahrscheinlich heftige Auseinandersetzungen geben – dennoch wird kein Weg daran vorbei führen, die Schuldenlast schnellstmöglich wieder zu reduzieren, um Handlungsfähigkeit zu bewahren und Generationengerechtigkeit zu erreichen.“
Download der PräsentationLesen Sie die Ergebnisse unserer Umfrage Ernst & Young Vertrauensindex Deutschland (PDF - 309 KB, 22 Seiten) als Download.
KontaktFür weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:Ernst & Young GmbHWirtschaftsprüfungsgesellschaftDag-Stefan RittmeisterMittlerer Pfad 1570499 StuttgartTelefon +49 (711) 988 11 59 80E-Mail Dag-Stefan Rittmeister zurück zu den Pressemitteilungen 2009
Benutzernamen oder Passwort vergessen
Return to Login