Gemischte Zwischenbilanz für Energiewende

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Berlin, 4. Juni 2012. Die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) und die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young GmbH haben heute den Deutschen Energiewende-Index (DEX) in Berlin vorgestellt. Der DEX basiert auf einer Befragung von Vorständen und Geschäftsführern aus verschiedenen Branchen und wird in Zukunft quartalsweise erhoben.* Er liefert ein regelmäßiges Stimmungsbild zur Lage der Energiewende aus Sicht der deutschen Wirtschaft.

Die erste Befragung macht deutlich, dass die Stimmung bei den von der Energiewende betroffenen Branchen sehr unterschiedlich ist. Die deutsche Wirtschaft äußert deutliche Bedenken hinsichtlich der rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen, der Wirtschaftlichkeit der Energieversorgung und der Versorgungssicherheit. Eine große Diskrepanz existiert zwischen der Stimmungslage in der Wirtschaft und in der Politik, die die Energiewende wesentlich positiver beurteilt. Insgesamt erreicht der DEX im zweiten Quartal 2012 einen neutralen Wert von 100,8 auf einer Skala von 0 (negativ) bis 200 (positiv). „Der DEX gibt Auskunft darüber, wie Entscheidungsträger die Auswirkungen der Energiewende auf ihre Branchen beurteilen“, sagte Thomas Kästner, Executive Director EY, bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin. „Jeder, der die Folgen der Energiewende und den Handlungsbedarf abschätzen möchte, wird sich an diesem Gradmesser orientieren können.“

„Die aktuellen DEX-Werte machen deutlich, dass vor allem bei den Rahmenbedingungen etwas getan werden muss“, betonte Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung. „Hier sind wir in der Tat an mehreren Stellen in Verzug. Wir müssen den Ausbau der erneuerbaren Energien besser mit dem Ausbau der Stromnetze koordinieren und letzteren beschleunigen. Zudem müssen Marktbedingungen geschaffen werden, die den Bau neuer Gaskraftwerke und Speicher wirtschaftlich rentabel machen. Dann können wir alle mit Zuversicht auf die Energiewende blicken.“

Sorge um Rahmenbedingungen, Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit
Sehr negativ wurde aus Sicht der befragten Unternehmen bewertet, dass die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen für die Energiewende fehlen oder unzureichend sind (DEX:38,5). Auch die Wettbewerbsfähigkeit sehen die deutschen Unternehmen auf dem Prüfstand. Als Konsequenz aus der Energiewende wird die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland insgesamt als gefährdet angesehen (DEX: 73,2). Große Sorge bereitet den Unternehmen das Thema Versorgungssicherheit. Diese wird aktuell noch positiv bewertet (DEX: 112,6), allerdings fürchten viele Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten eine Verschlechterung (DEX: 75,7).

Positive Erwartungen vor allem in der Politik und den Interessensverbänden
Je nach Branche fallen die Einschätzungen zur Energiewende unterschiedlich aus. Die Energieverbraucher (DEX: 95,9), Netzbetreiber (DEX: 97,4) und Energieversorgungsunternehmen (DEX:100,6) sind eher negativ bis neutral gestimmt.

Deutlich positiv beurteilen Politik und Interessensverbände – insbesondere aus der Erneuerbaren-Energien- und der Energieeffizienz-Branche – die Energiewende (DEX: 121,3). Sie erwarten eine günstige Entwicklung auf die zukünftige Beschäftigtenzahl in Deutschland (DEX: 122,7). Auch Firmen, die Produkte und Dienstleistungen für die Energiewende herstellen (DEX: 105,7) sowie insbesondere Investoren (DEX:108,3) haben eine positive Gesamteinschätzung zur Energiewende.

Positive Erwartungen haben die befragten Entscheidungsträger hinsichtlich der Entwicklung neuer Technologien, des Beitrags von Energieeffizienzmaßnahmen zur Erreichung der Energieeinsparziele sowie zum Umfang der zu tätigenden Investitionen in den kommenden zwölf Monaten. Deutlich positiv werden auch die Auswirkungen der Energiewende auf die Umweltziele bewertet (DEX: 125,6).

Mehr zum DEX und den Ergebnissen im zweiten Quartal 2012 unter: www.dena.de/dex und www.de.ey.com/presse

*Die Befragung für die erste Ausgabe des DEX fand von Ende April bis Anfang Mai 2012 statt. An der ersten Befragungswelle nahmen 235 der angeschriebenen Unternehmen, Städte und Verbände teil.