Versicherungen und Immobilien: hohe Nachfrage, niedriges Angebot

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Assekuranz will Immobilienquote von 6,3 auf 6,7 Prozent erhöhen / Objektangebot im Core-Segment nicht ausreichend / Trend zu alternativen Immobilieninvestments / Diversifizierung zwecks Risikostreuung

Frankfurt, 5. Juni 2012 – Deutsche Versicherungen möchten ihre Immobilieninvestments behutsam weiter ausbauen, beklagen aber ein mangelndes Angebot geeigneter Objekte. Dies ist ein Ergebnis des Trendbarometers Immobilienanlagen der Assekuranz 2012 von EY Real Estate.

Realisiert die Assekuranz ihre Pläne, steigt die Immobilienquote am Gesamtvermögen von gegenwärtig 6,3 Prozent auf 6,7 Prozent. Rund 284 Millionen Euro will jedes der befragten Unternehmen in diesem Jahr durchschnittlich in Immobilien investieren. „Im vergangenen Jahr sollten noch jeweils 100 Millionen Euro mehr investiert werden“, so Dietmar Fischer, Partner bei der EY Real Estate GmbH. Allerdings sagen 45 Prozent der Unternehmen rückblickend, dass sie die hohen Investitionsziele aufgrund eines mangelnden Objektangebots nicht immer erreichen konnten. „Vor diesem Eindruck haben viele Unternehmen bei der Voraussage für 2012 die Handbremse etwas angezogen“, meint Fischer. Denn auch aktuell sei es schwierig, geeignete Objekte zu angemessenen Konditionen zu finden. Gerade sichere Core-Investments seien begehrt, und hier erwarten 85 Prozent der befragten Unternehmen steigende Preise.
 

Immobilienfinanzierungen (Real Estate Debt) im Aufschwung

Eine Folge sei, dass die Unternehmen auf alternative Immobilieninvestments auswichen. So setzten Versicherungen zunehmend auf die Finanzierung von Immobilien statt auf den direkten oder indirekten Erwerb. Finanzierungsfonds bieten auch kleinen und mittelgroßen Versicherungen die Möglichkeit, sich an Immobilienfinanzierungen zu beteiligen. „Die Nachfrage ist hoch, vergleichbar vielleicht mit der Resonanz auf die ersten Wohnimmobilienspezialfonds in Deutschland“, sagt Fischer. Auf der Verkaufsseite fällt auf, dass sich die Assekuranz kaum noch von selbst genutzten Immobilien trennen möchte. Im vergangenen Jahr planten noch 35 Prozent der Unternehmen Verkäufe, in der aktuellen Untersuchung sind es nur noch fünf Prozent. „Die Verkaufsbemühungen scheinen hier weitgehend abgeschlossen zu sein“, so Fischer.

 

Anlageform, Nutzungsart, Länderschwerpunkt: bisherige Trends bestätigt

Auf dem Wunschzettel der Assekuranz stehen weiterhin vor allem Immobilien-Direktinvestitionen. Rund 172 Millionen Euro wollen die Unternehmen hier in diesem Jahr durchschnittlich investieren. Indirekte Investments, beispielsweise über Immobilienspezialfonds, sind in Höhe von durchschnittlich 112 Millionen Euro geplant. „Zwar sollen auch mehr Direktbestände veräußert werden als indirekte Beteiligungen“, beobachtet Fischer. „Im Saldo bleibt die direkt gehaltene Immobilie dennoch das Lieblingskind der Assekuranz.“
Bei den Nutzungsarten ist erneut die Einzelhandelsimmobilie mit Abstand das beliebteste Anlagesegment. Rund 90 Prozent der Befragten planen hier Zukäufe. Bereits im Vorjahr war das Niveau mit 82 Prozent hoch. Beliebteste Investitionsregion bleibt, wie in den Vorjahren, mit etwa 85 Prozent der Befragten Deutschland. 70 Prozent planen Käufe in den sicheren Ländern in Zentral- und Nordeuropa.
 

Diversifizierung wird wichtiger

Allerdings gibt es auch neue Zielregionen. Südamerika beispielsweise hat spürbar an Bedeutung gewonnen. Mit 25 Prozent der befragten Unternehmen planen hier mehr als doppelt so viele Akteure Käufe wie im Vorjahr (12 Prozent). „Die regionale Diversifizierung wird wichtiger. Die Unternehmen wollen ihre Risiken streuen“, kommentiert Fischer das Ergebnis. Dies zeige sich auch bei den Nutzungsarten: Neben dem Einzelhandels- und beispielsweise auch dem Wohnimmobiliensegment sind unter anderem Infrastrukturinvestments als Beimischung beliebt. Grund sei jedoch nicht nur der Wunsch nach Risikostreuung: „Die zunehmende regionale und sektorale Diversifizierung ist natürlich auch Ausdruck der Knappheit an klassischen Core-Angeboten.“


Zur Studie

Das aktuelle Trendbarometer Assekuranz ist die fünfte Ausgabe der jährlich durchgeführten Studie. Insgesamt 25 Unternehmen haben 2012 an der Umfrage teilgenommen. Sie halten jeweils ein durchschnittliches Immobilienvermögen von 2,3 Milliarden Euro.

 

 

Download der Studie

Lesen Sie die Ergebnisse der EY-Studie "Trendbarometer Immobilienanlagen der Assekuranz 2012" (1,1 MB, 39 Seiten).