Deutsche Wirtschaft wächst trotz Krise

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  • Rezession in der Eurozone: BIP-Rückgang um 0,6 Prozent
  • Privater Konsum und Exportwachstum stützen deutsche Wirtschaft
  • Deutsche Unternehmen drosseln Investitionen
  • Griechische Wirtschaft schrumpft in der Krise um ein Fünftel

Stuttgart, 02. Juli 2012. Trotz der Zuspitzung der Situation an den Kapitalmärkten und trotz der anhaltenden Unsicherheit in der Eurozone: Deutschland droht derzeit kein Konjunktureinbruch. In diesem Jahr wird die deutsche Wirtschaft um 0,7 Prozent wachsen, im kommenden Jahr beschleunigt sich das Wirtschaftswachstum auf 1,3 Prozent, ab 2014 sogar auf über 2 Prozent. Damit ist Deutschland eines der wenigen großen Eurozonen-Länder, die in diesem Jahr überhaupt ein nennenswertes Wachstum aufweisen können. Griechenland hingegen steht vor einem beispiellosen Wirtschaftseinbruch: In diesem Jahr schrumpft die griechische Wirtschaft um 7,2 Prozent, erst ab 2015 wird Griechenland wieder positive Wachstumszahlen aufweisen.

Insgesamt wird die Wirtschaft in der Eurozone in diesem Jahr voraussichtlich um 0,6 Prozent schrumpfen.  Für 2013 wird ein leichtes Wachstum von 0,4 Prozent prognostiziert. Das sind Ergebnisse der aktuellen Ausgabe der „EY Eurozone Forecast“ (EEF)1.

Die aktuelle Prognose beruht auf der Annahme, dass die Krise in der Eurozone unter Kontrolle gehalten werden kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Eskalation kommt, ist in den vergangenen Wochen allerdings deutlich gestiegen. „Ein Auseinanderbrechen der Eurozone wäre das denkbar schlimmste Szenario mit unübersehbaren Folgekosten gerade für Deutschland“, betont Georg Graf Waldersee, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY im deutschsprachigen Raum. „Nach wie vor spricht aber einiges dafür, dass solch eine Entwicklung verhindert werden kann. Es kommt darauf an, dass die Staats- und Regierungschefs Lösungsansätze präsentieren, die auch die Kapitalmärkte dauerhaft überzeugen“. Die Ergebnisse des jüngsten Brüsseler EU-Gipfels könnten höchstens ein Zwischenschritt sein. Weitere müssten folgen, so Graf Waldersee.

Die Turbulenzen in der Eurozone beginnen auch die deutschen Unternehmen  zunehmend zu verunsichern, beobachtet Graf Waldersee: „Der Optimismus der deutschen Unternehmen hat in den vergangenen Wochen einen deutlichen Dämpfer erhalten. Die Unternehmen fürchten zunehmend, dass die Krise auch auf Deutschland übergreifen könnte. Gerade international tätige Großunternehmen tun gut daran, sich auf alle möglichen Szenarien vorzubereiten und ihre Prozesse entsprechend anzupassen.“ Derzeit sei die Lage zwar noch zufriedenstellend bis gut, so Graf Waldersee. „Einige Unternehmen bekommen die Nachfrageschwäche aus den europäischen Ländern aber bereits deutlich zu spü-ren“. Deutschland könne sich nicht von der Entwicklung in wichtigen europäischen Ländern abkoppeln, so Graf Waldersee – im Gegenteil: „Deutschland ist keine Teflon-Wirtschaft – zu abhängig sind wir vom Export, zu eng ist die Verflechtung etwa mit Frankreich, den Niederlanden und Italien“.

Graf Waldersee fasst zusammen: „Die deutsche Wirtschaft steht vor schweren Monaten – aber die Unternehmen haben bewiesen, dass sie dank ihrer hohen Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit für vorübergehende Schwächephasen gut gerüstet sind“.

Konsum stützt Konjunkturentwicklung
Erfreulicherweise zeigen sich die deutschen Konsumenten derzeit in Kauflaune. Der private Konsum wird laut der Prognose in diesem Jahr um 0,9 Prozent zulegen und damit eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur sein. Die Unternehmen dürften ihre Investitionen hingegen leicht zurückfahren: die Studie prognostiziert einen Rückgang um 0,4 Prozent, nachdem die Unternehmensinvestitionen 2011 noch um 6,6 Prozent gestiegen waren.

In wichtigen Exportländern wie China oder Brasilien hat sich das Wachstumstempo inzwischen deutlich verringert. Auch in den Vereinigten Staaten trübt sich die Lage ein – dennoch werden aus dem Ausland weiter positive Wachstumsimpulse kommen. In diesem Jahr werden die Exporte voraussichtlich um 3,0 Prozent zunehmen – nach einem Wachstum um 8,4 Prozent im Vorjahr.

Düstere Perspektiven für Problemländer
Für die Wirtschaft in Italien, Spanien, Portugal und Griechenland wird es in diesem Jahr weiter abwärts gehen. Während Spanien und Italien um 1,8 bzw. 2,3 Prozent schrumpfen, wird die portugiesische Wirtschaft um 3,4 Prozent, die griechische Wirtschaft sogar um 7,2 Prozent schrumpfen. Und Besserung ist vorerst nicht in Sicht: Alle vier Länder werden sich auch 2013 in der Rezession befinden. Und Griechenland wird laut Prognose auch 2014 noch ein negatives Wachstum von 2,4 Prozent aufweisen.

Immerhin: Die italienische Wirtschaft wird sich 2013 wieder stabilisieren und nur noch um 0,2 Prozent schrumpfen. Ab 2014 können sowohl Italien als auch Spanien mit Wachstumsraten von mehr als einem Prozent rechnen. Die griechische Wirtschaft dürfte hingegen erst wieder ab 2015 leicht wachsen. Bis dahin wird Griechenland einen beispiellosen Rückgang der Wirtschaftskraft verzeichnet haben: Das Bruttoinlandsprodukt Griechenlands wird im Jahr 2015 etwa um ein Fünftel (22 Prozent) niedriger liegen als im Jahr 2008.

Nullwachstum in Frankreich
Frankreich – immerhin Deutschlands wichtigster Handelspartner – wird im Jahr 2012 mit einem Wachstum von 0,1 Prozent nur knapp an einer Rezession vorbeischrammen. Bedenklich ist auch die Entwicklung am französischen Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote steigt von 9,7 Prozent im vergangenen Jahr auf 10,2 Prozent (nach ILO-Kriterien). In Deutschland ist hingegen trotz Konjunkturflaute eine stabile Entwicklung am Arbeitsmarkt zu erwarten: Die Arbeitslosenquote, die 2011 noch bei 5,7 Prozent lag, dürfte in diesem Jahr leicht auf 5,6 Prozent zurückgehen, um ab 2013 wieder stärker zu sinken. Bis 2016 wird ein weiterer Rückgang auf 5,1 Prozent prognostiziert.

1 Die Studie von EY zur Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in der Eurozone, die vierteljährlich erscheint, basiert auf dem Prognosemodell der EZB und wird von dem renommierten britischen Wirtschaftsforschungsinstitut Oxford Economics erstellt. Die Studie liefert Hintergrundinformationen zu makroökonomischen Entwicklungen in der Eurozone insgesamt sowie in den 16 Einzelstaaten.


Weitere Informationen zur Studie

Lesen Sie die Ergebnisse unserer Studie EY Eurozone Forecast“ (EEF) auf unseren internationalen Seiten.