Kicker kontern Wirtschaftskrise – Bundesligisten steigen zu alter Finanzstärke auf

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Nur noch 20 Prozent der Vereine mit roten Zahlen – jeder dritte Klub mit hohem Gewinn / Sieben Prozent mehr Einnahmen erwartet / Jeder zweite Klub plant Baumaßnahmen: Stadien als multifunktionale Arenen bieten Zusatzeinnahmen / Vereine investieren in Kader und Schuldenabbau

Frankfurt, 22. August 2012. Der deutsche Profifußball knüpft wirtschaftlich wieder an das Boom-Jahr 2008 an. Der Anteil der Klubs mit hohem Gewinn steigt im Vergleich zum Vorjahr von 18 auf 34 Prozent, weitere 23 Prozent konnten in der abgeschlossenen Saison einen niedrigen Gewinn verbuchen. Nur noch jeder fünfte Klub ist in den roten Zahlen – 2010 waren es noch 44 Prozent. Zudem sollen die Einnahmen in der neuen Saison mit durchschnittlich sechs Prozent deutlich stärker steigen als die Ausgaben, die in der Bundesliga leicht sinken und in der 2. Bundesliga um vier Prozent steigen sollen.

Die gute Entwicklung verdanken die Klubs insbesondere den sprudelnden TV- und Sponsoring-Einnahmen. Um darüber hinaus weitere Umsatzpotenziale zu erschließen, setzen vor allem Klubs der 2. Bundesliga und der 3. Liga auf Neu- bzw. Umbauten ihrer Stadien: Jeder vierte Zweitliga-Klub und sogar jeder dritte Klub der 3. Liga planen Stadionneubauten – vor allem, um mit VIP-Bereichen höhere „Hospitality“-Einnahmen zu generieren.

Das sind Ergebnisse der Studie „Bälle, Tore und Finanzen IX“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Die Studie basiert auf einer Befragung von 50 Klubs der Bundesliga, der 2. Bundesliga und erstmals auch der 3. Liga.

„Während der Wirtschafts- und Finanzkrise lief es finanziell für viele Vereine nicht rund. Die Krise war mindestens zwei Spielzeiten lang spürbar“, sagt Thomas Fuggenthaler, Autor der Studie und Mitglied der Sport-Unit „Score“ von EY. Dieses Tief scheint nun jedoch endgültig überwunden: Nach eigenen Angaben haben 57 Prozent der Vereine in Bundesliga und 2. Bundesliga in der abgelaufenen Spielzeit Gewinne erzielt. Besonders gut schneidet die höchste Spielklasse ab: Hier freut sich jeder zweite Klub (52 Prozent) sogar über einen hohen Gewinn. Nur 18 Prozent der Bundesliga-Klubs und 22 Prozent der Zweitliga-Klubs schreiben nach eigenen Angaben noch rote Zahlen – im Krisenjahr 2010 hatten noch 44 Prozent der Klubs Verluste gemacht. „Die finanzielle Situation der Bundesliga-Klubs hat sich weiter spürbar verbessert – vor allem dank des guten konjunkturellen Umfelds und eines gestiegenen Kostenbewusstseins aufseiten der Klubs.“

Aussichten weiter gut
Der Boom soll in der kommenden Saison anhalten: Kein einziger Befragter rechnet für die Spielzeit 2012/13 damit, dass sich die wirtschaftliche Lage der Fußballbranche verschlechtert. Vielmehr erwarten mehr als zwei von drei Verantwortlichen (69 Prozent), dass sich die Situation weiter verbessert. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte sich hier nur jeder zweite Befragte optimistisch gezeigt. „Die Einnahmen wachsen voraussichtlich stärker als die Ausgaben“, begründet Fuggenthaler die gegenwärtig gute Stimmung.

Im Durchschnitt erwarten die Fußballmanager einen Anstieg der Einnahmen von fast sieben Prozent in der kommenden Saison – knapp jeder vierte Befragte prognostiziert sogar ein Einnahmeplus von mehr als zehn Prozent. Die 3. Liga ist mit einer erwarteten Einnahmesteigerung von durchschnittlich neun Prozent besonders optimistisch.

Stadien als zusätzliche Erlösbringer
Ob München, Gelsenkirchen, Augsburg, Hoffenheim oder Mainz – gut jede zweite Bundesligaspielstätte wurde in den vergangenen zwölf Jahren neu erbaut. Damit gingen meist Kapazitätserweiterungen und neue Konzepte einher: Aus Fußballstadien sind multifunktionale Arenen geworden. „In der 2. Bundesliga und der 3. Liga ist der Neu- und Umbau noch nicht so weit fortgeschritten, hier besteht zum Teil noch Nachholbedarf“, beobachtet Fabian Schuster, Co-Autor der Studie.

In den kommenden Jahren dürfte es zu einem Stadionboom der „zweiten Reihe“ kommen: In der 2. Bundesliga plant mehr als jeder vierte Klub einen Neubau des eigenen Stadions, weitere elf Prozent planen Umbaumaßnahmen. In der 3. Liga beabsichtigt sogar jeder dritte Verein, ein neues Stadion zu bauen, und fast jeder zweite Klub möchte das bestehende Stadion modernisieren.

Zum großen Teil sollen die geplanten Um- oder Neubaumaßnahmen bereits innerhalb der kommenden drei Jahre begonnen werden. Neben der größeren Zuschauerkapazitäten steht beim Neu- und Umbau ein weiterer Aspekt im Fokus: „Der Trend geht zu hochwertigen VIP- und Businessbereichen, auch in der 2. Bundesliga und der 3. Liga“, meint Schuster. Denn knapp die Hälfte der Sponsoring-Einnahmen entfalle bei modernen Sportarenen mittlerweile auf die exklusiven VIP-Bereiche. „Sie machen nur einen niedrigen Prozentsatz der Sitzplätze aus, genenieren aber etwa ein Drittel der Spieltags-Einnahmen“, berichtet Fuggenthaler. Der Befragung zufolge wollen neun von zehn Vereinen, die Baumaßnahmen planen, damit ihre Umsatzmöglichkeiten im Hospitality-Bereich ausweiten.

Mehreinnahmen fließen in den Kader zurück
Weitere Mehreinnahmen in der Fußballbranche werden vor allem bei den Medienrechten und beim Merchandising erwartet. „Transfers hingegen werden, wenn überhaupt, nur geringfügig zu höheren Einnahmen bei den Klubs führen“, so Fuggenthaler. Umgekehrt würden Transfers aber auch die Kostenseite kaum belasten: „Die Bundesligavereine sind weitgehend weg von einer Spielerpolitik, die auf kurzfristige Transfers ausgerichtet ist.“ Vielmehr werde die eigene Nachwuchsförderung intensiviert, was auch der Qualität des deutschen Fußballs insgesamt zugutekommen dürfte. Der Befragung zufolge planen 87 Prozent der Klubs aus Bundesliga und 2. Bundesliga, in ihren Spielerkader zu investieren. Fuggenthaler: „Ein Teil der Mehreinnahmen dürfte also dahin zurückfließen, wo seine Ursprünge liegen: in die Mannschaft.“ Wichtig sei zudem der Schuldenabbau. Drei von vier Vereinen (73 Prozent) wollen ihre Verbindlichkeiten tilgen. Im Vorjahr waren es noch 53 Prozent und 2008 sogar nur rund 33 Prozent. „Es ist die Tendenz festzustellen, dass Klubs auf langfristigen sportlichen Erfolg auf der Basis eines gesunden wirtschaftlichen Fundaments setzen“, beobachtet Fuggenthaler.


Über die Studie
Die jährliche Erhebung liegt in der aktuellen Fassung zum neunten Mal vor. Neben der Bundesliga und der 2. Bundesliga wurde erstmals auch die 3. Liga über ihre wirtschaftliche Entwicklung befragt. Von den 56 Klubs der drei Ligen haben 50 an der vorliegenden Untersuchung mitgewirkt. Die befragten Manager sind überwiegend Geschäftsführer, Vorstände oder Präsidenten der Clubs (58 Prozent). Darüber hinaus haben sich Leiter der Verwaltung sowie Leiter der Finanzen (jeweils zwölf Prozent) und andere Führungskräfte (18 Prozent) an der Studie beteiligt.

 

Download der Studie

Lesen Sie die Ergebnisse der Studie "Bälle, Tore und Finanzen IX" als PDF-Datei (2,1 MB, 36 Seiten).