IPO-Markt vor dem Wendepunkt?

  • Share

Weltweit schwaches 3. Quartal: Niedrigste Zahl an Börsengängen seit 2009 / Im September so wenige Börsengänge wie zuletzt im Mai 2009 / Konjunktursorgen bremsen IPO-Aktivitäten / Zahlreiche IPO-Kandidaten in den Startlöchern

Frankfurt, 27.09.2012. Trotz des Aufwärtstrends an den weltweiten Börsen und der gesunkenen Volatilität an den Börsen trauten sich im dritten Quartal so wenige Unternehmen an die Börse wie zuletzt im 3. Quartal 2009, auf dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise. Zwischen Juli und Oktober dieses Jahres fanden weltweit 165 Börsengänge statt – ein Rückgang um 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als 248 Unternehmen den Sprung aufs Parkett wagten. Dabei erlösten die Börsenneulinge insgesamt 24,1 Milliarden US-Dollar – 16 Prozent weniger als im 3. Quartal 2011 (28,6 Milliarden US-Dollar).

Die weltweiten IPO-Aktivitäten waren im Monat September mit 36
Börsengängen besonders gering (schwach) – das ist der niedrigste Wert seit Mai 2009, als nur 27 Börsengänge gezählt wurden. Immerhin: Im September fand mit dem IPO von Japan Airlines, der 8,5 Milliarden US-Dollar einbrachte, der zweitgrößte Börsengang des Jahres statt. Und für die kommenden Monate sind zahlreiche größere Börsengänge angekündigt – auch in Deutschland.

Das sind Ergebnisse des aktuellen weltweiten IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY

Besonders deutlich war der Rückgang in Europa, wo die Zahl der IPOs von 69 im Vorjahreszeitraum auf 23 zurückging. Die Emissionserlöse sanken um 96 Prozent von 8,9 Milliarden auf 372 Millionen US-Dollar. Auch in Asien war ein Rückgang festzustellen: von 151 auf 95. Dabei erlösten die Unternehmen 17,8 Milliarden US-Dollar (Vorjahreszeitraum: 13,8 Milliarden US-Dollar).

Recht stabil zeigte sich hingegen der US-Markt: In den Vereinigten Staaten wurden 23 Börsengänge (Vorjahreszeitraum: 19) gezählt, die insgesamt 3,5 Milliarden US-Dollar einbrachten – etwa400 Millionen US-Dollar weniger als im 3. Quartal 2011.

Schlussspurt im vierten Quartal?
Die schwache weltweite Entwicklung führt Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY, auf die weiterhin hohe Unsicherheit im Zusammenhang mit der Staatsschuldenkrise und auf die weltweit eingetrübten Konjunkturaussichten zurück. Nach der EZB-Entscheidung, unter bestimmten Bedingungen Staatsanleihen in unbegrenztem Umfang zu kaufen, habe sich die Stimmung gerade an den europäischen Börsen aber zuletzt aufgehellt. „Die Schuldenkrise in Europa ist zwar nicht gelöst, aber das Vertrauen der Investoren, dass es zu einer nachhaltigen Lösung kommt, ist inzwischen wieder gestiegen“, stellt Steinbach fest. Er sieht zwar nach wie vor ein hohes Maß an Unsicherheit im Markt – angesichts der gestiegenen Aktienkurse und der deutlich zurückgegangenen Volatilität habe sich das Umfeld für Börsengänge in den vergangenen Wochen aber verbessert: „Wer gut vorbereitet ist, könnte nun die Gunst der Stunde nutzen“.

Für die kommenden beiden Monate haben einige Unternehmen Börsengänge angekündigt – sollten diese Transaktionen ohne weitere Komplikationen über die Bühne gehen, könnte dies eine Signalwirkung für weitere IPO-Kandidaten haben, so Steinbach: „Der Kapitalmarkt verfügt über erhebliche Liquidität, der Anlagedruck ist hoch. Jetzt fehlen nur noch erfolgreiche Börsengänge als „Eisbrecher“ – die Chancen stehen gut, dass diese Transaktionen mit guter Vorbereitung gelingen werden“.

Dann könnte es in Deutschland noch in diesem Jahr etwa eine Handvoll Börsengängen geben, denn trotz der geringen Zahl an erfolgreichen IPOs in Deutschland sei das Interesse an der Aufnahme von Kapital über die Börse unter den deutschen Unternehmen ungebrochen, so Steinbach: „Viele Unternehmen haben IPO-Pläne in der Schublade und stehen nach wie vor in den Startlöchern“.

Größter IPO im dritten Quartal: Japan Airlines
Der IPO von Japan Airlines war mit einem Emissionserlös von 8,5 Milliarden US-Dollar der mit Abstand größte Börsengang im dritten Quartal und – hinter Facebook – der zweitgrößte IPO des Jahres 2012.

Auf dem zweiten Platz im Quartalsranking folgt der malaysische Klinikbetreiber IHH Healthcare, der bei seinem IPO im Juli 2,1 Milliarden US-Dollar einwarb. Der Börsengang des chinesischen Kohleunternehmens Inner Mongolia Yitai Coal war mit einem Volumen von 900 Millionen US-Dollar der drittgrößte IPO des Quartals.

In Europa wurden abermals die meisten Börsengänge in Polen gezählt: Insgesamt 12 Unternehmen gingen in Warschau an die Börse, wobei aber insgesamt nur 18 Millionen US-Dollar erlöst wurden. In Großbritannien wurden acht Börsengänge mit einem Volumen von insgesamt 335Millionen US-Dollar gezählt. In Deutschland wagten zwei chinesische Unternehmen den Sprung aufs Parkett: FAST Casualwear AG und Ming Le Sports AG, die zusammen  14,9 Millionen US-Dollar erlösten.

Im bisherigen Jahresverlauf waren – wie schon in den Vorjahren – die aufstrebenden Schwellenländer die Haupttreiber des IPO-Marktes: 72 Prozent aller Börsengänge fanden im dritten Quartal in den „Emerging Markets“ statt. Mit 63 IPOs (Vorjahreszeitraum: 89) waren chinesische Unternehmen abermals mit Abstand am aktivsten – der Gesamterlös lag bei 5,9 (11,4) Milliarden US-Dollar.


Download der Studie

Lesen Sie die Ergebnisse in unserer Präsentation zum Global IPO update, Quartal 3/2012 (1,1 MB, 52 Seiten).