Weihnachts-Shopping trotzt Krise

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Starkes Weihnachtsgeschäft erwartet / Verbraucher wollen durchschnittlich 230 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben, acht Prozent mehr als im Vorjahr / Gutscheine und Geldgeschenke werden immer beliebter / Zu Weihnachten kaufen die Deutschen am liebsten in Fachgeschäften

Düsseldorf, 5. November 2012. Die Verbraucher in Deutschland lassen sich von düsteren Konjunkturprognosen nicht beirren und wollen für ihre Weihnachtsgeschenke tief in die Taschen greifen. Im Durchschnitt planen sie, 230 Euro für Geschenke auszugeben, 17 Euro mehr als im Vorjahr. Das meiste Geld wollen die Befragten für Gutscheine, Bücher und Kleidung ausgeben. Dabei achten sie vor allem auf Qualität und Funktionalität der Produkte, während Nachhaltigkeits-Kriterien an Bedeutung verlieren.

Am liebsten shoppen die Deutschen zu Weihnachten in Fachmärkten und Fachgeschäften: Dorthin fließt über die Hälfte (52 Prozent) des diesjährigen Weihnachtsbudgets. Auf Zuwachsraten können sich auch Online-Händler einstellen, während den Warenhäusern und Discountern leicht rückläufige Umsätze drohen.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Basis der Studie ist eine repräsentative Umfrage unter 2.000 Verbrauchern in Deutschland.

Krise beim Einkaufsbummel noch nicht spürbar
230 Euro wollen die Deutschen durchschnittlich in diesem Jahr für Weihnachtsgeschenke ausgeben, 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Damals hatten sie durchschnittlich 213 Euro eingeplant. Besonders spendabel sind die Verbraucher in Hessen (durchschnittlich 254 Euro). In Baden-Württemberg sind die Befragten eher zurückhaltend (211 Euro).

„Die Händler in Deutschland dürfen auf ein gutes Weihnachtsgeschäft hoffen“, kommentiert Thomas Harms, Partner bei EY und Leiter des Bereichs Retail & Consumer Products. Laut Harms beleben steigende Einkommen und die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt den Konsum: „Die Beschäftigung liegt auf einem Rekordniveau, und die Krise in Südeuropa ist für die meisten Menschen weit weg. Auch die konjunkturelle Schwäche in Deutschland ist für die meisten noch kaum spürbar.“ Für das kommende Jahr 2013 ist Harms allerdings weniger optimistisch: „Die schlechten Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft häufen sich, die Unternehmensgewinne sinken – und früher oder später werden die Menschen das auch im Portemonnaie spüren.“ Zudem fahren viele Konzerne bereits Sparprogramme, um sich für eine Verschärfung der Krise zu wappnen. „Die Konjunktur steht auf der Kippe. Ein weiterer Anstieg der Beschäftigung in Deutschland ist unwahrscheinlich. Deutliche Einkommenszuwächse dürften vorerst nicht mehr drin sein – und damit auch keine weitere Zunahme der Konsumlust.“

Noch aber sei die Kauflaune so ausgeprägt wie lange nicht mehr, so Harms: „Es spricht viel dafür, dass der Handel aus dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft auch real mit einem deutlichen Plus hervorgeht“.

Verbraucher schenken am liebsten Gutscheine – und achten nicht mehr so stark auf Nachhaltigkeit
Erstmals führen Geldgeschenke und Gutscheine das Ranking der beliebtesten Geschenke an: 60 Prozent der Befragten wollen Bares oder Gutscheine verschenken (Vorjahr: 53 Prozent). Im Durchschnitt veranschlagen die Deutschen dafür 50 Euro, 10 Euro mehr als im Vorjahr. Auch Bücher sind besonders beliebte Präsente: 57 Prozent der Befragten planen Buchgeschenke. Die Ausgaben dafür sind allerdings leicht rückläufig: Statt 26 Euro sollen nun nur noch 24 Euro in Bücher investiert werden. Auch Kleidung und Süßigkeiten (46 beziehungsweise 42 Prozent) landen häufig unter dem Tannenbaum.

Beim Weihnachtsbummel achten die Verbraucher vor allem auf Qualität (81 Prozent) und Funktionalität (69 Prozent). Auch originelle Ideen sind sehr gerne gesehen (46 Prozent). Nachhaltigkeits-Kriterien haben gegenüber dem Vorjahr hingegen an Bedeutung verloren. Auf die Herkunft eines Produktes achten aktuell 41 Prozent der Befragten, 43 Prozent waren es im Vorjahr. Umweltschutz ist nur noch für 39 Prozent der Verbraucher beim Geschenkkauf wichtig, 2011 lag der Anteil bei 45 Prozent. Und auf Gütesiegel achten nur noch 39 Prozent (Vorjahr: 46 Prozent).

Fachhandel profitiert besonders
Ihre Geschenkkäufe wollen die Deutschen in erster Linie in spezialisierten Fachgeschäften beziehungsweise in großen Fachmärkten tätigen. Im Durchschnitt lassen sie über die Hälfte ihres Weihnachts-Budgets im Fachhandel: 52 Prozent beziehungsweise 118 Euro. Im Vorjahr waren es lediglich 100 Euro. Weitere 20 Prozent der Weihnachtsausgaben landen bei Kaufhäusern, 19 Prozent im Online-Handel. Die Kaufhäuser müssen dabei einen leichten Rückgang von 50 Euro im Vorjahr auf 46 Euro im Jahr 2012 verkraften. Beim Online-Handel hingegen geht es weiter aufwärts: von 40 Euro auf aktuell 44 Euro.

„Der Fachhandel ist bei Weihnachtseinkäufen ein sehr beliebtes Shopping-Ziel – und kann sich in diesem Jahr noch bessere Chancen ausrechnen als 2011. Die Konsumenten schätzen fachkundige Beratung und eine gute Auswahl, die sie vor Ort intensiv begutachten und testen können“, sagt Harms. „Wenn das nicht gegeben ist, dann ist der Weihnachtsbummel am Bildschirm die unkomplizierte und günstige Alternative. Der Online-Handel ist dementsprechend der zweite Gewinner unter den Vertriebswegen.“ Vor allem jüngere Verbraucher schätzen den Online-Handel. Sie geben 30 Prozent ihres Weihnachts-Budgets im Internet aus – im Durchschnitt aller Verbraucher liegt der Online-Anteil bei 19 Prozent.

Weihnachtsausgaben sinken nur in der mittleren Altersgruppe
Die Ausgaben für Weihnachtsgeschenke steigen in diesem Jahr in fast allen Altersgruppen. Bei den sogenannten „Best Agers“, den 56- bis 65-Jährigen, wächst der Geschenke-Topf gegenüber dem Vorjahr beispielsweise deutlich von 215 auf 256 Euro, bei den 46 bis 55-Jährigen sogar von 227 auf 263 Euro. Einzig Verbraucher im Alter zwischen 36 und 45 Jahren wollen ihre Weihnachtsausgaben reduzieren: um 11 Euro auf 232 Euro. „Diese Generation schlägt besonders früh auf eine drohende Konjunkturkrise an“, erläutert Harms. „Viele Personen in diesem Alter haben Familien gegründet und Immobilien gekauft – und sie haben beruflich noch einiges vor. Zukunftsängste angesichts der unsicheren konjunkturellen Entwicklung greifen in dieser Altersgruppe möglicherweise besonders früh um sich.“
 

Download der Präsentation

Lesen Sie die Ergebnisse der Studie Weihnachtsgeschenke 2012 Deutschland (250 KB, 16 Seiten).