Finanzinvestoren investieren wieder Milliarden in Deutschland

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Fünf Milliarden-Deals im Jahr 2012 / Wert der Transaktionen deut-lich gestiegen – Anzahl aber leicht unter Vorjahresniveau / Kein Boom in Deutschland erwartet / Größter Private Equity-Deal des Jahres: Open Grid Europe / Größter M&A-Deal: Porsche

Frankfurt, 27. Dezember 2012. Im Jahr 2012 ist wieder mehr Schwung in das Geschäft von Finanzinvestoren in Deutschland gekommen: Zwar ging die Zahl der Deals im Jahr 2012 von 110 auf 105 zurück. Der Wert der Transaktionen1 hat sich hingegen von 5,5 auf 13,7 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Damit war 2012 – gemessen am Transaktionswert – das stärkste Private Equity-Jahr seit 2008, als in Deutschland 15 Milliarden Euro investiert worden waren. Obwohl derzeit einige größere Transaktionen vorbereitet werden, ist mit einem weiteren Aufschwung im kommenden Jahr nicht zu rechnen: Die anhaltenden Unsicherheiten an den Finanzmärkten, die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditfinanzierung, aber auch das Fehlen geeigneter Zielunternehmen bremsen die Aktivitäten der Finanzinvestoren.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, die den deutschen Private-Equity-Markt untersucht.

„Deutsche Unternehmen sind dank der starken Entwicklung der deutschen Wirtschaft wieder verstärkt in das Blickfeld der Finanzinvestoren geraten – das Interesse an Investitionen in Deutschland ist eindeutig gestiegen“, kommentiert Alexander Kron, Leiter des Bereichs Transaction Advisory Services bei Ernst & Young in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Von einem Boom könne trotz des starken Anstiegs beim Transaktionswert aber keine Rede sein: „Dass es wieder einige Milliarden-Transaktionen in Deutschland gab, ist ein ermutigendes Signal. Ein nachhaltiger Aufschwung des Private Equity-Marktes ist das aber noch nicht“.

Bremsend wirken sich nach Krons Einschätzung die Zurückhaltung der Banken bei der Finanzierung von Transaktionen sowie die stark divergierenden Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern aus: „Angesichts der sehr unsicheren Konjunkturentwicklung verlangen die Investoren zum Teil massive Preisabschläge – daran sind in diesem Jahr etliche Deals gescheitert“, berichtet Kron.

Gerade im Mittelstand sei zudem die Bereitschaft der Eigentümer, an Finanzinvestoren zu verkaufen, nach wie vor sehr gering, ergänzt Wolfgang Taudte, Partner bei Ernst & Young: „Viele Mittelständler sehen keinen Grund, über den Einstieg eines Finanzinvestors nachzudenken – geschweige denn, mit ihm in Verhandlungen einzutreten“. In den zurückliegenden Jahren der guten Konjunktur hätten viele Mittelständler ein komfortables Eigenkapitalpolster aufgebaut, so dass für viele Unternehmen eine Private Equity-Investition derzeit nicht notwendig sei.

Insgesamt sei das Geschäft der Finanzinvestoren erheblich schwieriger als zu den Boomzeiten vor der Finanzkrise, als Finanzinvestoren in Deutschland jährlich 51 Milliarden Euro (2006) bzw. 30 Milliarden Euro (2005 und 2007) investierten: „Private Equity-Investoren brauchen heute einen langen Atem: Der Abschluss von Transaktionen ist oft sehr zeitaufwändig und erfordert viel Geduld“, stellt Taudte fest. Und auch der Zeithorizont der Investoren habe sich verändert: „Heute setzen die Finanzinvestoren stark auf operative Verbesserungen, um die Beteiligungen auf ein neues Ertrags- und damit Wertniveau zu heben – und das kann Jahre dauern“.

Die größten Deals fanden im ersten Halbjahr statt
Die größte Transaktion des Jahres war der Kauf des Gasnetzes von E.ON, Open Grid Europe, durch ein Käuferkonsortium unter der Führung von Macquarie für 3,2 Milliarden Euro. Im zweitgrößten Deal des Jahres wurde der Messgerätehersteller Elster von Melrose für 2,3 Milliarden Euro gekauft. An dritter Stelle steht die Übernahme des Medizinprodukte-Herstellers BSN Medical durch EQT für 1,8 Milliarden Euro.

Diese drei größten Deals des Jahres fanden im ersten Halbjahr statt, das mit einem Gesamt-Transaktionswert von 8,3 Milliarden Euro deutlich stärker war als die zweite Jahreshälfte (5,4 Milliarden Euro). Die größte Transaktion des zweiten Halbjahres war der Kauf des Handelskonzerns Douglas durch Advent für 1,6 Milliarden Euro.

Zahl der Exits rückläufig
Die Zahl der Unternehmensverkäufe aus den Portfolios von Finanzinvestoren („Exit“) ist in diesem Jahr im Vergleich zu 2011 deutlich von 87 auf 62 gesunken. Erlöst wurden dabei 10,0 Milliarden Euro, nach 11,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Ein Exit via Börsengang kam 2012 nicht zustande – im Vorjahr hatten es noch 5 Börsengänge in Deutschland gegeben, an denen Finanzinvestoren beteiligt waren.

Kein klarer Aufwärtstrend auf dem M&A-Markt
Auch auf dem M&A-Markt (ohne Private Equity) wurden im zweiten Halbjahr weniger Transaktionen gezählt als in der ersten Jahreshälfte: Zwischen Januar und Juni gab es 237 Deals, im zweiten Halbjahr nur noch 211. Der Gesamtwert der Transaktionen stieg hingegen von 13,7 auf 17,1 Milliarden Euro.

Dank des relativ starken ersten Halbjahrs stieg die Zahl der Transaktionen im Gesamtjahr 2012 deutlich über den Vorjahreswert: Insgesamt führten strategische Investoren in diesem Jahr 448 Transaktionen durch – 2011 gab 413 Unternehmenskäufe. Auch der Transaktionswert stieg: von 27,3 auf 30,8 Milliarden Euro.

Der größte M&A-Deal des Jahres war die Übernahme der Porsche AG durch Volkswagen für 4,5 Milliarden Euro. Die zweitgrößte Transaktion war der Kauf der Inoxum Group durch die finnische Outokumpu im Wert von 2,4 Milliarden Euro.

1 Das Transaktionsvolumen bezieht sich nur auf Transaktionen, deren Wert bekannt gegeben wurde.


Download der Studie

Lesen Sie die Ergebnisse der Studie Private Equity Deal Survey Dezember 2012 (180 KB, 12 Seiten) online.