Jobkrise in der Eurozone verschärft sich: 2013 knapp 20 Millionen Arbeitslose

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Leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit auch in Deutschland / Deutsche Wirtschaft wächst 2013 um 0,8 Prozent – ab 2014 aber wieder stärkere Wachstumsdynamik / Unternehmen halten sich bei Investitionen zurück und setzen auf Sparprogramme

Stuttgart, 03. Januar 2013. Ein weiteres schwieriges Jahr liegt vor der Eurozone: Die Wirtschaft in den 17 Euroländern wird im Jahr 2013 voraussichtlich um weitere 0,2 Prozent schrumpfen, nach einem Rückgang um 0,4 Prozent im Jahr 2012. Und auch in diesem Jahr werden vor allem Griechenland, Zypern und Portugal tief in der Rezession stecken. So wird die griechische Wirtschaft laut Prognose um 4,3 Prozent schrumpfen und erst ab dem Jahr 2015 wieder leicht zulegen können.

Deutschland wird mit einem prognostizierten Wachstum von 0,8 Prozent weiterhin die stabilste Volkswirtschaft der Eurozone sein. Für Frankreich wird lediglich ein Miniwachstum von 0,2 Prozent erwartet, Italien, Spanien und die Niederlande – Deutschlands drittwichtigster Exportmarkt – weisen sogar wie schon 2012 negative Wachstumsraten auf.

Angesichts der schwachen Wirtschaftsentwicklung wird auch die Arbeitslosigkeit in der Eurozone im laufenden Jahr weiter steigen und in der zweiten Jahreshälfte mit fast 20 Millionen Arbeitslosen ihren Höhepunkt erreichen. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 waren in den Euroländern 15,9 Millionen Menschen arbeitslos. Die höchsten Arbeitslosenquoten werden mit 28, 27 und 17 Prozent in diesem Jahr Griechenland, Spanien und Portugal aufweisen.

Das sind Ergebnisse der aktuellen Ausgabe des „EY Eurozone Forecast“ (EEF)1.

Eurozone könnte 2014 das Schlimmste hinter sich haben
Im Jahr 2014 wird die Eurozone voraussichtlich wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren: Die Wirtschaft in den Euroländern wird laut Prognose um 1,0 Prozent wachsen, für 2015 wird sogar ein Wachstum von 1,4 Prozent erwartet. Das gilt jedenfalls, wenn die Verschuldungskrise in der Eurozone sich nicht durch unvorhergesehene Ereignisse wie etwa einen Austritt Griechenlands verschärft. Auf den Arbeitsmarkt wird sich die Stabilisierung der Konjunktur aber erst mit Verzögerung auswirken: So werden im Jahr 2014 in der Eurozone immer noch 19,6 Millionen Menschen ohne Job sein. Zwischen 2010 und 2014 wird die Zahl der Arbeitslosen damit um fast ein Viertel steigen – in Deutschland hingegen kommt es im gleichen Zeitraum zu einem Abbau der Arbeitslosigkeit um fast ein Fünftel (18 Prozent) von 2,94 Millionen auf 2,40 Millionen.

Ganz unberührt von der europäischen Krise wird aber auch der deutsche Arbeitsmarkt nicht bleiben: Erstmals seit 2009 wird die Arbeitslosigkeit im Jahr 2013 auch in Deutschland wieder leicht steigen. Die Zahl der Arbeitslosen steigt laut Prognose um etwa 100.000 von 2,36 Millionen im Jahr 2012 auf 2,46 Millionenen im laufenden Jahr (Jahresdurchschnittswerte/ILO-Systematik). Die Arbeitslosenquote erhöht sich dadurch von 5,6 auf 5,7 Prozent. Damit bleibt die Arbeitslosigkeit im europäischen Vergleich aber auf einem sehr niedrigen Niveau: Nur in Österreich wird die Arbeitslosenquote mit 4,9 Prozent 2013 niedriger liegen als in Deutschland.

Dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland trotz der schwächeren Konjunkturentwicklung nur leicht ansteigen wird, führt Georg Graf Waldersee, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY im deutschsprachigen Raum, auch auf die Erfahrungen der Unternehmen mit der Krise 2009 zurück: „Die deutschen Unternehmen konnten die letzte Krise so gut meistern, weil sie die Beschäftigung weitgehend stabil gehalten und auf Entlassungen im größeren Stil verzichtet haben – im Vertrauen darauf, dass die Nachfrage rechtzeitig wieder anzieht. Mit dieser Strategie sind die Unternehmen sehr gut gefahren. Von dem Boom ab Frühjahr 2010 konnten die Unternehmen dank eingespielter und motivierter Teams voll profitieren.“ Graf Waldersee ist zuversichtlich, dass es für die deutsche Wirtschaft und den deutschen Arbeitsmarkt ab Mitte 2013 wieder aufwärts geht: „Wenn die Konjunktur ab Sommer 2013 wieder merklich anzieht, dürfte sich das auch auf dem Arbeitsmarkt widerspiegeln.“

Unternehmen setzen auf Spar- und Flexibilisierungsprogramme
Während die Belegschaften weitgehend stabil gehalten werden, setzen die Unternehmen derzeit an anderer Stelle den Rotstift an: Nach einem Rückgang um 1,6 Prozent im Jahr 2012 werden die Unternehmensinvestitionen in Deutschland 2013 voraussichtlich nur um 0,3 Prozent steigen. In der gesamten Eurozone werden sich die Unternehmensinvestitionen sogar weiter um 1,4 Prozent verringern.

Angesichts des volatilen Konjunkturumfelds setzen immer mehr Unternehmen entschlossen auf eine Optimierung ihrer Kostenstrukturen und internen Abläufe, beobachtet Graf Waldersee: „In den Unternehmen läuft eine Welle von Kostensenkungs- und Flexibilisierungsmaßnahmen an. Dabei geht es darum, die Unternehmen wetterfest zu machen und ihre Wettbewerbsfähigkeit auch in schwierigeren Zeiten sicherzustellen. Ziel ist es, sich schlank aufzustellen, um so besser auf konjunkturelle Schwankungen reagieren zu können.“

Vor dem Hintergrund der anhaltend schwachen Konjunkturentwicklung in Europa und der unsicheren Entwicklung in den USA und Asien tun die Konzerne gut daran, auf Sicht zu fahren und sich für alle Eventualitäten zu wappnen, so Graf Waldersee: „Das Jahr 2013 wird schwierig werden – vor allem die erste Jahreshälfte.“ Die Weltwirtschaft wird in den kommenden Monaten laut Prognose weiter relativ schwach wachsen: Nach einem Plus von 3,0 Prozent im Jahr 2012 wird für 2013 ein Wachstum um 3,5 Prozent erwartet; ab 2014 soll das Wachstum dann wieder über 4 Prozent liegen. Für den Export-Vizeweltmeister Deutschland besonders wichtig: Der Welthandel wird – nach einem schwachen Wachstum um 2 Prozent im Jahr 2012 – im laufenden Jahr um 4,5 Prozent zulegen und zwischen 2014 und 2016 um jährlich 6 bis 7 Prozent wachsen.

„Die langfristigen Wachstumsperspektiven für Deutschland bleiben intakt“, ist Graf Waldersee überzeugt. „Die chinesische Wirtschaft wird im Laufe des Jahres 2013 Jahr ihre Schwächephase überwinden und verstärkt wieder deutsche Produkte nachfragen. Und auch in den USA dürfte die Wirtschaft in den kommenden Jahren wieder stärker zulegen.“ Die Studie prognostiziert für die USA ein Wachstum von rund 3 Prozent im Jahr 2014.

„Die schwache Konjunkturentwicklung in Europa bremst zwar die Entwicklung der deutschen Unternehmen“, stellt Graf Waldersee fest. „Dank ihrer globalen Aufstellung können aber viele Unternehmen nach wie vor vom Wachstum außerhalb Europas – insbesondere in China und den USA – profitieren und sich so zumindest teilweise von der schwachen Entwicklung in Europa abkoppeln.“

1 Die Studie von EY zur Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in der Eurozone, die vierteljährlich erscheint, basiert auf dem Prognosemodell der EZB und wird von dem renommierten britischen Wirtschaftsforschungsinstitut Oxford Economics erstellt. Die Studie liefert Hintergrundinformationen zu makroökonomischen Entwicklungen in der Eurozone insgesamt sowie in den Einzelstaaten.