Boom in den Schwellenländern: Konjunktur in China und Indien gewinnt an Fahrt

EY-Konjunkturprognose

  • Share

Höhere Wachstumsraten als 2012 / China wird wieder zur Wachstumslokomotive / Vor allem asiatische Schwellenländer wachsen stark / Chancen für deutsche Unternehmen

Stuttgart, 14. Februar 2013. Die konjunkturellen Aussichten in wichtigen Schwellenländern haben sich nach einem schwachen Jahr 2012 deutlich aufgehellt: Die chinesische Wirtschaft wird in diesem Jahr voraussichtlich um 8,3 Prozent und 2014 sogar um 9,0 Prozent wachsen. Für Indien wird ein Wachstum von 6,0 bzw. 7,5 Prozent prognostiziert. Insgesamt werden die asiatischen Schwellenländer ihre Wirtschaftskraft 2013 insgesamt um 7,0 Prozent steigern, nachdem im Jahr 2012 nur ein Wachstum von 6,3 Prozent erzielt worden war.

Auch in Südamerika stehen die Zeichen wieder verstärkt auf Wachstum, allerdings fallen die Zuwachsraten deutlich niedriger aus als in Asien: So soll etwa Brasiliens Wirtschaft 2013 und 2014 um 3,9 bzw. 4,9 Prozent zulegen – nach nur 1,0 Prozent Wachstum im vergangenen Jahr.

Hauptgründe für die anziehende Konjunktur in den Schwellenländern sind die Zunahme des Handels innerhalb der jeweiligen Regionen, eine Lockerung der Geld- und Fiskalpolitik sowie eine gestiegenen Rohstoff-nachfrage. Für Deutschland ist die zunehmende wirtschaftliche Dynamik in den Schwellenländern eine gute Nachricht: Als Exportvizeweltmeister profitiert die deutsche Wirtschaft stark von einer steigenden Auslandsnachfrage nach deutschen Produkten. Die Eurozone insgesamt wird in diesem Jahr allerdings trotz des anziehenden Wachstums in wichtigen ausländischen Märkten nicht aus der Krise finden – im Gegenteil: 2013 soll die Wirtschaft in der Eurozone um 0,2 Prozent schrumpfen, während für Deutschland ein Wachstum von 0,8 Prozent erwartet wird.

Das sind Ergebnisse der vierteljährlich erscheinenden Rapid-Growth Markets Forecast (RGMF) von EY. Die vierteljährlich erscheinende Studie bietet Prognosen zur Konjunkturentwicklung in 25 schnell wachsenden Volkswirtschaften und wird gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Oxford Economics erstellt.

Bei den Aussichten für die einzelnen schnell wachsenden Märkte gibt es große regionale Unterschiede: In Asien wird für 2013 ein Wachstum von 7,0 Prozent und für 2014 von 7,8 Prozent prognostiziert, während in Lateinamerika lediglich 3,8 Prozent bzw. 4,8 Prozent zu erwarten sind. Die konjunkturellen Aussichten für den Nahen und Mittleren Osten werden durch den relativ niedrigen Ölpreis sowie die unsichere politische Entwicklung gebremst.

"Politik und Wirtschaft können gleichermaßen aufatmen: Es spricht viel dafür, dass die schwache Entwicklung in den Schwellenländern im Jahr 2012 nur ein Ausrutscher war. Inzwischen sind diese Märkte wieder der Motor eines globalen Aufschwungs", stellt Frank Göhner, Partner bei EY, fest. "Für die deutsche Wirtschaft könnte dieser Aufschwung gerade zur rechten Zeit kommen: Die sehr schwache Konjunkturentwicklung in Südeuropa hat zuletzt auch die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland gebremst. Wenn nun die Nachfrage aus den Schwellenländern – allen voran China – wieder steigt, kann das ein wichtiger Wachstumsimpuls auch für Deutschland sein".

Diese schnell wachsenden Märkte hätten gezeigt, dass sie heute widerstandsfähiger seien als in der Vergangenheit, so Göhner. "Nach einem relativ niedrigen Wachstum im Jahr 2012 ermöglichen schon in diesem Jahr die Zunahme des Handels untereinander sowie die Lockerung der Geld- und Fiskalpolitik einen neuen Aufschwung."

Die Prognosen zeigen, dass sich der bilaterale Handel zwischen den aufstrebenden asiatischen Volkswirtschaften in den nächsten zehn Jahren intensivieren wird, da die Nachfrage der stärker werdenden Mittelschicht nach hochwertigeren Konsumgütern weiter zunimmt.

Chinas Wachstum zieht andere Schwellenländer mit sich
China glückte im vergangenen Jahr eine "sanfte Landung" – es kam also nicht zu dem vielfach befürchteten konjunkturellen Einbruch, sondern nur zur einer Abschwächung des Wachstums. Und alles deutet darauf hin, dass die wirtschaftliche Schwächephase Chinas überwunden ist: Für 2013 wird ein Wachstum von 8,3 Prozent und für 2014 von 9,0 Prozent erwartet. Der im vergangenen Jahr verzeichnete Rückgang der Wirtschaftsdynamik in China war hauptsächlich zyklischer Natur und durch den zuvor eingeschlagenen Sparkurs bei der Haushaltspolitik sowie die Schwäche wichtiger Exportmärkte wie Europa bedingt.

Die erfolgreiche sanfte Landung der chinesischen Wirtschaft zeigt bereits positive Auswirkungen auf andere schnell wachsende Märkte: Vor allem in Korea, Indonesien, Thailand und Malaysia dürfte sich das Wachstum wieder beschleunigen. Die auf Expansion ausgerichtete Fiskalpolitik in Thailand, Malaysia und Indonesien hat zudem für ein günstiges Investitionsklima und steigende Verbraucherausgaben gesorgt und so ein anhaltend starkes Wachstum dieser Länder ermöglicht.

"Je weiter China auf der Wertschöpfungskette nach oben klettert, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich für andere asiatische Länder, die zu niedrigeren Kosten produzieren", kommentiert Göhner. So sei zu erwarten, dass Indonesien, Thailand und Vietnam ihren gemeinsamen Anteil am globalen Textilmarkt von aktuell fünf Prozent in den nächsten 25 Jahren auf über zehn Prozent vergrößern werden.

Der Aufschwung der asiatischen Wachstumsmärkte greift auf andere schnell wachsende Märkte über
Chinas Wirtschaftswachstum begünstigt nicht nur andere asiatische Märkte, sondern unterstützt auch die Entwicklung afrikanischer und lateinamerikanischer Länder, da die Nachfrage nach Rohstoffen weiter steigt. So besteht beispielsweise eine verstärkte Nachfrage nach Kakao, um dem gestiegenen Konsum von Schokolade gerecht zu werden, sowie nach Öl und anderen Bodenschätzen, um die industrielle Produktion und die Bauwirtschaft mit Energie zu versorgen.

Die treibenden Kräfte für das Wachstum Lateinamerikas werden voraussichtlich Brasilien und Argentinien sein. Mexiko, das 2012 geringere konjunkturelle Einbußen als andere Märkte der Region erlitt, wird von seinen engen Handelsbeziehungen mit den USA profitieren, in denen die Nachfrage nach Importen 2013 wieder steigen dürfte.