Analyse zu Börsengängen im ersten Quartal 2013

Deutscher IPO Markt vielversprechend –
weltweit aber schwacher Start ins IPO-Jahr 2013

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Zahl der Börsengänge weltweit im ersten Quartal um ein Viertel gesunken, Emissionsvolumen aber gestiegen / Starker Rückgang in China / Aber gute Perspektiven für IPO-Markt in Deutschland / LEG-IPO weltweit zweitgrößter Börsengang des Quartals

Frankfurt, 03.04.2013. Der weltweite Markt für Börsengänge (Initial Public Offerings, kurz IPO) kommt trotz der aktuellen Höchststände an den Aktienmärkten nicht so richtig in Schwung: In den ersten drei Monaten des Jahres fanden weltweit 153 Börsengänge statt, im Vorjahreszeitraum waren es 204. Dank einiger großer Börsengänge lag das Emissionsvolumen mit 24,0 Milliarden US-Dollar um 33 Prozent über dem Vorjahreswert (18,0).

Geradezu eingebrochen ist der IPO-Markt in China, wo die Zahl der Börsengänge von 69 auf 11 sank. Auch in Europa wagten deutlich weniger Unternehmen den Sprung aufs Parkett: die Zahl der Börsengänge sank von 38 auf 26.

In Deutschland hingegen fiel der Jahresauftakt vielversprechend aus: Zwar gab es mit dem Börsengang des Immobilienunternehmens LEG nur einen IPO, dieser war mit einem Volumen von knapp 1,6 Milliarden US-Dollar aber die zweitgrößte Transaktion des Jahres. Und weitere große IPO-Kandidaten stehen in den Startlöchern.

Das sind Ergebnisse des aktuellen weltweiten IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY.

Gemessen an der Zahl der Börsengänge waren die ersten drei Monate dieses Jahres das schwächste Quartal seit dem dritten Quartal des Jahres 2009, als bei 146 Börsengängen insgesamt 34 Milliarden US-Dollar eingesammelt worden waren.

Dabei waren in allen wichtigen Börsenplätzen Rückgänge zu verzeichnen: In China (inklusive Hongkong) ging die Zahl der IPOs besonders stark von 69 auf 11 zurück, das Emissionsvolumen verringerte sich von 6,4 auf 1,1 Milliarden US-Dollar. Weniger stark fiel der Rückgang in Europa aus: Die Zahl der IPOs sank von 38 auf 26, das Emissionsvolumen hingegen stieg von 3,3 auf 4,9 Milliarden US-Dollar. In den USA wagten im ersten Quartal dieses Jahres zwar ebenfalls weniger Unternehmen den Sprung aufs Parkett – die Zahl der IPOs ging von 48 auf 34 zurück –, das Emissionsvolumen stieg aber von 6,3 auf 8,6 Milliarden US-Dollar.

Die trotz guter Entwicklung an den Aktienmärkten schwache Entwicklung des IPO-Geschäfts in Europa führt Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY, auf die anhaltenden Unsicherheit im Zusammenhang mit der europäischen Schuldenkrise sowie die eingetrübten weltweiten Konjunkturaussichten zurück. "Die europäische Schuldenkrise und schwächelnde Konjunktur haben die IPO-Aktivitäten europaweit wieder gebremst", kommentiert Steinbach. Er betont aber: "Das Klima unter Investoren ist derzeit keineswegs schlecht, wir beobachten unter Investoren sogar einen leicht steigenden Appetit auf IPOs. Dabei wird das IPO Sentiment besonders von guten Unternehmenszahlen und einem stabileren makroökonomischen Umfeld befördert."

Positive Entwicklung in Deutschland
Für den Börsenplatz Deutschland ist Steinbach daher vorsichtig optimistisch: "Deutschland hat in den letzten Jahren weltweit in der Investorengunst hinzugewonnen. Aktuell hohe Börsenkurse und eine niedrige Volatilität machen es für potenzielle IPO-Kandidaten zudem interessanter, ihre Börsenpläne nun tatsächlich in die Tat umzusetzen". "In den vergangenen sechs Monaten gab es in Deutschland insgesamt drei größere IPOs mit einem Volumen von jeweils mehr als 500 Millionen Das zeigt nach mehreren mageren Jahren, dass hierzulande noch größere Börsengänge möglich sind – das ist ein wichtiges Signal für den Primärmarkt Deutschland", stellt Steinbach fest. Der Markt sei inzwischen wieder aufnahmebereit, Investoren sind durchaus offen für ein Engagement in Deutschland.

Dass die Furcht vor einer weiteren Eskalation der europäischen Schuldenkrise in den vergangenen Wochen wieder deutlich gestiegen sei, trage zwar nicht zu einer positiven Grundstimmung unter den Marktteilnehmern bei. Steinbach betont aber: "Bislang hatten weder die Wahl in Italien noch die Zypern-Krise nachhaltige Spuren auf den Aktienmärkten hinterlassen". Derzeit gelte daher, so Steinbach: "Unternehmen, die jetzt gut vorbereitet sind, könnten die Gunst der Stunde nutzen." Insgesamt halte er in diesem Jahr 10 bis 15 Börsengänge in Deutschland für möglich - vorausgesetzt externe Schocks bleiben aus.

LEG-IPO zweitgrößter Börsengang des Jahres
Gemessen an der Zahl der Erstnotierungen lagen im ersten Quartal die NASDAQ und die New York Stock Exchange mit jeweils 16 IPOs an der Spitze, gefolgt von der Australian Securities Exchange (10). Die weltweit größte Transaktion im ersten Quartal war der Börsengang der Tiermedizinsparte von Pfizer, Zoetis, deren IPO knapp 2,6 Milliarden US-Dollar einbrachte. Der Börsengang der LEG Immobilien AG belegte mit knapp 1,6 Milliarden US-Dollar den zweiten Platz vor dem IPO des Mapletree Greater China-REIT, der 1,4 Milliarden US-Dollar einbrachte.