EY Studie

Der Optimismus ist zurück: Deutsche Konzerne wieder auf Wachstumskurs

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Deutlicher Stimmungsumschwung: Unternehmen in Deutschland und weltweit wieder optimistischer / Unternehmensgewinne sollen steigen / Deutsches Jobwunder hält an / Aber Europa bereitet Sorgen / Zurückhaltung auf dem Transaktionsmarkt: Bereitschaft für Zukäufe erreicht neuen Tiefpunkt

Frankfurt, 22. April 2013. Deutsche Manager blicken wieder deutlich optimistischer in die Zukunft: 45 Prozent erwarten eine positive Entwicklung der deutschen Wirtschaft, nur 6 Prozent rechnen mit einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums. Noch besser sind die Perspektiven für die Weltwirtschaft: 63 Prozent der deutschen Manager und 51 Prozent der weltweit befragten Manager erwarten eine positive Entwicklung der Weltwirtschaft.

Das Stimmungstief vom Herbst des vergangenen Jahres, als die deutsche Wirtschaft schrumpfte, scheint damit überwunden: Im Oktober 2012 hatten immerhin 21 Prozent der deutschen Manager eine rückläufige Konjunkturentwicklung in Deutschland erwartet, nur 26 Prozent der Unternehmen setzten ihren Schwerpunkt auf Wachstum – inzwischen sind 46 Prozent der Unternehmen auf Wachstumskurs. Kostensenkungsmaßnahmen haben nur noch für jedes dritte deutsche Unternehmen oberste Priorität, vor einem halben Jahr war noch jedes zweite deutsche Unternehmen in erster Linie damit beschäftigt, Sparmaßnahmen umzusetzen.

Auch der Arbeitsmarkt dürfte von diesem Stimmungsumschwung profitieren: Der Anteil der deutschen Konzerne, die neue Stellen schaffen wollen, stieg im Vergleich zu Herbst 2012 von 18 auf 32 Prozent, nur noch 7 Prozent wollen die Belegschaft verkleinern (Herbst 2012: 14 Prozent).

Obwohl die Mehrheit der deutschen Unternehmen von einer positiven konjunkturellen Entwicklung ausgehen und wieder auf Wachstum setzen, hat ihr Appetit auf Fusionen und Übernahmen weiter nachgelassen: Derzeit planen 19 Prozent der deutschen Konzerne, Zukäufe zu tätigen, vor einem Jahr waren es 31Prozent, vor drei Jahren sogar 54 Prozent.

Zu diesen Ergebnissen kommt das achte "Capital Confidence Barometer" der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Basis der Studie ist eine Umfrage unter 1.600 Managern in Großunternehmen weltweit, davon 94 aus Deutschland. Die Befragung fand im März statt.

Vor allem die schwache Konjunkturentwicklung in Europa bremst nach wie vor den Optimismus der deutschen Unternehmen: Fast zwei Drittel der deutschen Unternehmen betrachten die Stagnation in Europa als große Bedrohung für ihr Unternehmen. Die US-Schuldenkrise – Stichwort "Fiscal Cliff" – lässt die deutschen Unternehmen hingegen kalt: Nur 10 Prozent sehen darin ein Problem für ihr Unternehmen. "Die europäische Schuldenkrise hängt weiterhin wie ein Damoklesschwert über der Wirtschaft in Europa", beobachtet Alexander Kron, Leiter des Bereiches Transaction Advisory Services bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz. "Davon können sich die deutschen Konzerne trotz ihrer starken globalen Aufstellung nicht vollständig abkoppeln."

Kron betont aber: "Die deutschen Konzerne sind trotz der Krise in der Eurozone überwiegend in guter Verfassung". Das verdanken sie vor allem dem nach wie vor stark wachsenden Übersee-Geschäft. "Der konjunkturelle Gegenwind in Europa wird zwar stärker, gleichzeitig laufen außerhalb Europas – insbesondere in China und den USA – die Geschäfte aber nach wie vor gut bis sehr gut". Die meisten Großunternehmen seien inzwischen hochgradig globalisiert und nähmen die Chancen wahr, die sich im Ausland bieten.

Zudem hätten die deutschen Unternehmen ihre Hausaufgaben gemacht und sich in den vergangenen Monaten einen massiven Spar- und Flexibilisierungskurs verordnet, dessen Ergebnisse bereits sichtbar seien. "Die schwache Konjunkturentwicklung in Europa hat im vergangenen Jahr bei den deutschen Unternehmen zu sinkenden Margen geführt. Viele Unternehmen haben aber rechtzeitig geeignete Maßnahmen getroffen und erheblich an der Optimierung ihrer Kostenstruktur und Handlungsfähigkeit gearbeitet. Wenn jetzt die Nachfrage aus dem Ausland wieder anzieht, sind die Unternehmen dafür hervorragend gerüstet". Entsprechend sollen auch die Gewinne wieder steigen: 55 Prozent der deutschen Manager erwarten steigende Unternehmensgewinne, der weltweite Durchschnitt liegt bei 50 Prozent.

Deutsche Unternehmen setzen vor allem auf organisches Wachstum
Trotz der deutlich aufgehellten Stimmung und vielfach prall gefüllter Kassen üben sich die Unternehmen bei Zukäufen in Zurückhaltung: In Deutschland geben nur 19 Prozent der Manager an, Zukäufe in den nächsten 12 Monaten in Erwägung zu ziehen, weltweit liegt der Anteil bei 29 Prozent und damit ebenfalls deutlich von den Rekordwerten entfernt, die im Jahr 2010 gemessen wurden: Im Mai 2010 gaben weltweit 57 Prozent (Deutschland 54 Prozent) der Unternehmen an, Zukäufe tätigen zu wollen.

Ihre Wachstumsziele – für 46 Prozent der deutschen Unternehmen hat derzeit Umsatzwachstum Priorität – wollen die Unternehmenslenker aus eigener Kraft mit ihren Kernprodukten und auf ihren Kernmärkten erreichen.

"Viele Unternehmen verfügen über gut gefüllte Kassen und könnten diese Mittel für Akquisitionen einsetzen", stellt Kron fest. Dass viele Unternehmen bei Zukäufen dennoch zurückhaltend sind und lieber auf organisches Wachstum setzen, führt Kron in erster Linie auf die anhaltende Unsicherheit über die Entwicklung in der Eurozone zurück: "Die potenziellen Käufer halten sich angesichts der noch immer nicht absehbaren Lösung der Euro-Schuldenkrise zurück. Viele wollen in diesen unsicheren Zeiten nicht unnötige Risiken eingehen und halten ihr Geld lieber zusammen", so Kron. Zudem hielten der Mangel an attraktiven und verkaufsbereiten Unternehmen, unterschiedliche Preisvorstellungen auf Verkäufer- bzw. Käuferseite und ein komplexes regulatorisches Umfeld viele Unternehmen momentan von Zukäufen ab. Bei einer Verbesserung der Wirtschaftslage in Europa dürfte aber auch wieder Schwung in den Übernahmemarkt kommen, ist Kron überzeugt: "Vor allem bei Investoren aus den Schwellenländern ist der Übernahmehunger groß, so dass wir vermehrt grenzüberschreitende Transaktionen sehen werden". Insbesondere strategische Investoren aus China seien an deutschen Unternehmen interessiert. "Wer zudem immer stärker auf den deutschen Markt drängt, sind russische Unternehmen, nicht nur im Energiesektor, sondern beispielsweise auch in den Branchen Maschinenbau, Handel und Konsumgüter", so Kron.

Entspannung bei der Kreditversorgung
Beim Thema Kreditvergabe durch die Banken sind die deutschen Unternehmen deutlich zuversichtlicher als noch vor sechs Monaten: 42 Prozent der Manager erwartet eine Verbesserung der Kreditversorgung (Herbst 2012: 20 Prozent). Der Anteil der Pessimisten hat sich deutlich von 32 auf 6 Prozent verringert. Auch weltweit sind die Befragten überwiegend der Meinung, dass sich die Kreditversorgen verbessern werde: Knapp jeder Zweite rechnet mit einer besseren Verfügbarkeit von Fremdkapital. nur jeder siebte erwartet Engpässe bei der Kreditversorgung.