EY IPO-Barometer

Gute Zwischenbilanz für deutschen IPO-Markt – Europa und USA stark, China trübt Gesamtbild

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Starker Rückgang durch China, gute Entwicklung in den USA und Europa / Zahl der Börsengänge weltweit im ersten Halbjahr um ein Fünftel gesunken, Emissionsvolumen aber gestiegen / Gute Perspektiven für IPO-Markt in Deutschland, schwieriges Umfeld für kleinere Börsengänge

Frankfurt, 02. Juli 2013. Aufgrund der von der chinesischen Börsenaufsicht verordneten Zwangspause für Börsengänge in China fällt die weltweite Bilanz IPO Markt für das erste Halbjahr relativ schwach aus: Im ersten Halbjahr 2013 gingen weltweit 350 Unternehmen an die Börse – im Vorjahreszeitraum waren noch 446 Börsengänge gezählt worden. Das Gesamtemissionsvolumen lag dennoch mit 68,7 Milliarden US-Dollar über dem Vorjahresniveau (61,8 Milliarden US-Dollar). Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2011 hatte es weltweit 679 Börsengänge gegeben, die insgesamt 113 Milliarden US-Dollar einbrachten.

In den USA wagten im ersten Halbjahr insgesamt 86 Unternehmen den Sprung aufs Parkett – nach 69 im Vorjahreszeitraum. In Europa ging die Zahl der IPOs zwar deutlich von 92 auf 64 zurück – das Emissionsvolumen hat sich aber von 4,1 auf 10,7 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt. Immerhin sechs Börsengänge im Volumen von mindestens 500 Millionen US-Dollar wurden gezählt – im Vorjahreszeitraum waren es gerade einmal zwei.

Auf dem chinesischen Markt hingegen herrscht weiter Flaute: Insgesamt wurden im ersten Halbjahr in China und Hongkong 24 IPOs gezählt – nach 145 in den ersten sechs Monaten des Jahres 2012. Das sind Ergebnisse des aktuellen weltweiten IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY).

In Deutschland hielt im ersten Halbjahr das seit Herbst 2012 anhaltende positive Klima mit den Börsengängen des Immobilienunternehmens LEG – dem größten europäischen IPO im laufenden Jahr – und des Gabelstaplerherstellers Kion, die insgesamt 1,64 Milliarden Euro einbrachten, fort. Zudem konnte der deutsche Kapitalmarkt die Neuzugänge Evonik und RTL verzeichnen.

Weitere größere Börsengänge namhafter Unternehmen sind für die kommenden Tage und Wochen angekündigt und versprechen ein gutes IPO-Jahr in Deutschland – voraussichtlich das stärkste seit 2007, als insgesamt 7,85 Milliarden Euro bei Börsengängen in Deutschland erlöst wurden. Im vergangenen Jahr lag das Emissionsvolumen bei 2,35 Milliarden Euro.

„Nach langer Flaute ist nun wieder mehr Bewegung im Markt, was auch damit zu tun hat, dass Deutschland in der Investorengunst deutlich zugelegt hat“, kommentiert Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY. „Weitere große IPO-Kandidaten stehen in den Startlöchern, viele Unternehmen beginnen sich wieder mit IPO-Plänen zu beschäftigen“. Hauptgründe seien die gestiegene relative Attraktivität des Kapitalmarkts im Vergleich zu anderen Optionen wie Private Equity und M&A.

Die erfolgreich durchgeführten Transaktionen hätten zudem gezeigt, dass der Markt aufnahmebereit sei: „Das Vertrauen der Investoren ist wieder zurückgekehrt – und damit die Bereitschaft, in Neuemissionen zu investieren. Die mittelfristig weiterhin gute Entwicklung am Aktienmarkt, der auch schlechte Nachrichten relativ gut verkraftet, gibt den IPO-Kandidaten ein höheres Maß an Planungssicherheit“. Jüngst sei allerdings auch deutlich geworden, welchen Einfluss Erwartungen über Zentralbankentscheidungen auf den Kapitalmarkt haben können.

Steinbach rät mit Blick auf das zweite Halbjahr: „Börsengänge sind trotz der überwiegend guten Rahmenbedingungen kein Selbstläufer. Die Investoren schauen ganz genau hin: Das Management, die Story und der Preis müssen passen. In Deutschland sind wieder Börsengänge möglich – das ist eine gute Nachricht für den Primärmarkt Deutschland“. Einen IPO-Boom sieht Steinbach nicht, wohl aber eine Normalisierung der Situation nach mehreren Dürrejahren.

„Wir werden im Juli und dann wieder ab September einige bemerkenswerte Börsengänge großer Unternehmen mit hoher Visibilität und mit Potenzial für Auswahlindizes sehen“, erwartet Steinbach. „Kleinere IPOs haben es hingegen derzeit schwer, sich im Wettbewerb um Kapital zu positionieren. Investoren schauen derzeit vor allem auf Größe und Volumen“, so Steinbach.

Größter Börsengang des Jahres in Brasilien
Gemessen an der Zahl der Erstnotierungen lagen im ersten Halbjahr die NASDAQ und die New York Stock Exchange mit 48 bzw. 46 IPOs an der Spitze, gefolgt von der Australian Securities Exchange (20).

Die weltweit größte Transaktion im ersten Halbjahr war der Börsengang des brasilianischen Versicherers BB Seguridade Participações, der 5,0 Milliarden US-Dollar einbrachte, gefolgt von Suntory Beverage & Food (3,8 Milliarden US-Dollar). Drittgrößter Börsengang war das IPO der Tiermedizinsparte von Pfizer, Zoetis, im Volumen von 2,6 Milliarden US-Dollar.