Private Equity: Der Transaktionsmarkt in Deutschland - 1. Halbjahr 2013

Finanzinvestoren erlösen 13 Milliarden Euro bei Beteiligungsverkäufen in Deutschland

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Einnahmen aus Exits erreichen Vorkrisenniveau / Zahl der Investitionen von Private-Equity-Investoren in Deutschland stagniert aber auf Vorjahresniveau – Transaktionswert hingegen deutlich gestiegen / Bislang größter Private-Equity-Deal des Jahres: Springer Science

Frankfurt, 16. Juli 2013. Das erste Halbjahr 2013 verlief außergewöhnlich erfolgreich für Private-Equity-Investoren in Deutschland: Sie nahmen beim Verkauf von Beteiligungen (Exit) insgesamt 13 Milliarden Euro ein – so viel wie seit dem ersten Halbjahr 2007 nicht mehr, als bei Beteiligungsverkäufen insgesamt 16,9 Milliarden Euro eingenommen wurden. Die Exits im ersten Halbjahr 2012 hingegen hatten nur ein Volumen von 5,2 Milliarden Euro.

Käufer waren vielfach andere Finanzinvestoren: 13 der 33 Exits waren sogenannte Secondary oder Tertiary Buyouts, bei denen Unternehmen an andere Finanzinvestoren weitergereicht wurden. Ein solcher Deal war auch der größte Private-Equity-Deal seit Jahresbeginn, die Übernahme von Springer Science durch BC Partners für 3,3 Milliarden Euro.

Trotz der erheblichen Finanzmittel, die den Private-Equity-Häusern durch Beteiligungsverkäufe zuflossen, gab es bei den Neuinvestitionen nur relativ wenig Bewegung am Markt: Die Zahl der Deals lag mit 51 auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums (52). Der Wert der Transaktionen1 hingegen stieg im Vergleich zum ersten Halbjahr 2012 dank einiger großer Transaktionen von 8,3 auf 9,4 Milliarden Euro.

Weitere größere Private-Equity-Deals sind in der Pipeline, sodass das Jahr 2013 – gemessen am Transaktionswert – das stärkste Private-Equity-Jahr seit 2008 werden dürfte. Damals hatten Finanzinvestoren 15 Milliarden Euro in Deutschland investiert.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die den deutschen Private-Equity-Markt untersucht.

Die Finanzierungsbedingungen für Private-Equity-Investitionen seien derzeit relativ gut, sagt Alexander Kron, Leiter des Bereichs Transaction Advisory Services bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz. "Die Banken sind durchaus wieder bereit und in der Lage, Private-Equity-Deals zu unterstützen, wenngleich der Fremdkapitalhebel bei solchen Transaktionen nach wie vor deutlich niedriger ist als vor der Finanzkrise." Dennoch lasse ein nachhaltiger Aufschwung am Private-Equity-Markt weiter auf sich warten. "Im ersten Halbjahr war das Umfeld gut, was einige Investoren dazu nutzten, sich von ihren Beteiligungen zu trennen. Primarys hingegen, also wirklich neue Deals, sind aber weiter eher Mangelware." Gründe seien nicht fehlende Kaufbereitschaft aufseiten der Investoren oder Finanzierungsprobleme, sondern in erster Linie das Fehlen geeigneter Zielunternehmen. Zudem erwiesen sich oft nach wie vor die unterschiedlichen Preisvorstellungen von Käufern bzw. Verkäufern als entscheidendes Hindernis für den Kauf bzw. Verkauf eines Unternehmens.

"Die Finanzinvestoren stehen unter erheblichem Anlagedruck; derzeit wartet viel Geld darauf, investiert zu werden. Und Private Equity kann mit dem derzeit knappsten Gut an den Kapitalmärkten glänzen: einer guten Rendite", betont Kron. Die größte Herausforderung für Finanzinvestoren sei derzeit das Identifizieren verkaufsbereiter Eigentümer. Gerade im Mittelstand bestünden häufig immer noch Vorbehalte gegenüber Finanzinvestoren – obwohl es in den vergangenen Jahren viele Beispiele für sehr erfolgreiche Transaktionen gegeben habe, so Kron: "In den meisten Fällen war der Einstieg von Private Equity für alle Beteiligten – das Unternehmen, den Investor und die Belegschaft – eine Win-win-Situation."

Gleichzeitig nehme das Interesse der Private-Equity-Branche an Deutschland weiter zu, ergänzt Wolfgang Taudte, Partner bei EY: "Die deutsche Wirtschaft erweist sich im aktuell schwachen Konjunkturumfeld als überaus robust und nachhaltig erfolgreich – vor allem dank ihrer Ausrichtung auf Premiumprodukte und dynamische Exportmärkte. Die ‚Hidden Champions' sind es, die verstärkt das Interesse der Investoren auf sich ziehen."

Dennoch erwartet Kron weiterhin keinen Private-Equity-Boom in Deutschland: "Aktuell sind zwar einige größere Transaktionen in der Pipeline. Ein nachhaltiger Aufschwung des Private-Equity-Marktes ist aber weiterhin nicht in Sicht." Immerhin dürfte das Jahr 2013 – gemessen am Transaktionswert – das stärkste Private-Equity-Jahr seit 2008 werden, als Finanzinvestoren 15 Milliarden Euro in Deutschland investiert hatten. "Allerdings machen die drei Milliardentransaktionen mit einem Anteil von 84 Prozent den Löwenanteil des Transaktionsvolumens im ersten Halbjahr 2013 aus", schränkt Kron ein. Zudem handle es sich bei zwei der drei großen Transaktionen um Tertiary Buyouts.

Von den Boomzeiten vor der Finanzkrise, als Finanzinvestoren in Deutschland jährlich 51 Milliarden Euro (2006) bzw. 30 Milliarden Euro (2005 und 2007) investierten, ist der Markt damit aber nach wie vor weit entfernt.

Springer Science bislang größter Deal des Jahres – kein klarer Aufwärtstrend auf dem M&A-Markt
Die größte Transaktion des Jahres war der Kauf von Springer Science durch BC Partners für 3,3 Milliarden Euro. Im zweitgrößten Deal des Jahres wurde der Energiedienstleister ista für 3,1 Milliarden Euro an CVC Capital Partners verkauft. An dritter Stelle steht die Übernahme des Industriekeramikherstellers CeramTec durch Cinven für 1,5 Milliarden Euro.

Auf dem M&A-Markt (ohne Private Equity) wurden im ersten Halbjahr weniger Transaktionen gezählt als im Vorjahreszeitraum: Die Zahl der Deals ging von 237 auf 219 zurück. Der Gesamtwert der Transaktionen stieg hingegen von 13,7 auf 23,1 Milliarden Euro, was in erster Linie auf eine Transaktion zurückzuführen ist: das Übernahmeangebot von Vodafone für Kabel Deutschland im Volumen von 10,4 Milliarden Euro. Der Erwerb eines 25-Prozent-Anteils am Lastwagenhersteller MAN durch Volkswagen markiert mit einem Volumen von 2,9 Milliarden Euro den zweitgrößten Deal des bisherigen Jahresverlaufs.

1 Das Transaktionsvolumen bezieht sich nur auf Transaktionen, deren Wert bekannt gegeben wurde. Das waren im ersten Halbjahr 2013 27 Prozent aller Transaktionen.