EY Studie: Bälle, Tore und Finanzen X

Bundesliga-Klubs setzen auf wirtschaftlichen Erfolg und wollen kräftig investieren

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Mehrheit der Bundesliga-Klubs in der Gewinnzone – aber jeder fünfte in den roten Zahlen / Weiteres Einnahmeplus erwartet – vor allem dank steigender TV-Einnahmen / Ende des Sparkurses: Klubs erwarten Mehrausgaben – vor al-lem für Spielergehälter und Nachwuchsförderung

Stuttgart, 07. August 2013. Der deutsche Profifußball konnte in den vergangenen Monaten auf internationaler Bühne glänzen wie selten zuvor – die wirtschaftliche Lage der Bundesliga-Klubs hat sich dennoch leicht eingetrübt: Zwar erwirtschaftete wie in der Vorsaison die Mehrheit (62 Prozent) der Erstliga-Klubs einen Gewinn – der Anteil der Klubs mit hohem Gewinn sank aber deutlich: von 52 auf 31 Prozent. Wie im Vorjahr schrieb knapp jeder fünfte Erstliga-Klub rote Zahlen.

Gründe für das etwas schwächere Ergebnis dürften hohe Investitionen in neue Spieler und Stadionbauten, steigende Spielergehälter sowie die leicht rückläufigen Zuschauerzahlen sein. Insgesamt aber ist die wirtschaftliche Lage des deutschen Profifußballs nach Einschätzung der Klubs überaus positiv: Erstmals seit Beginn der Befragungen im Jahr 2003 bezeichnen alle befragten Klubs die gegenwärtige wirtschaftliche Lage der Fußballbranche als gut oder eher gut.

Und in der kommenden Saison soll es nach der Erwartung der Bundesliga-Klubmanager weiter aufwärts gehen: 88 Prozent erwarten eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des deutschen Profifußballs. Damit einher geht eine hohe Bereitschaft, zu investieren – vor allem in höhere Spielergehälter, aber auch in die Nachwuchsförderung, also den sportlichen Erfolg von morgen.

Das sind Ergebnisse der Studie "Bälle, Tore und Finanzen X" der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Die Studie basiert auf einer Befragung von 46 Klubs der Bundesliga, der 2. Bundesliga und der 3. Liga.

Während in der Bundesliga die Mehrheit der Klubs Gewinne erwirtschaftet, liegt in der 2. Bundesliga der Anteil der Klubs in der Gewinnzone nur bei 46 Prozent – und damit etwa auf dem Niveau der vorangegangenen Saison (49 Prozent). Der Anteil der Zweitliga-Klubs, die rote Zahlen schreiben, stieg hingegen von 23 auf 32 Prozent.

"Die beiden höchsten deutschen Spielklassen liegen in diesem Jahr knapp unter dem guten Ergebnis des Vorjahres", kommentiert Prof. Christoph Ehrhardt, einer der Autoren der Studie und Mitglied des Sport-Beratungsteams "Score" bei EY. Lediglich die 3. Liga schneidet merklich schwächer ab. Hier ist der Anteil der Klubs, die in der Gewinnzone liegen, von 33 auf sieben Prozent zurückgegangen.

Trotz der leicht eingetrübten Geschäftslage blicken die Klubs überaus optimistisch in die Zukunft: Jeder zweite Klub der höchsten Spielklasse nimmt an, dass sich die ökonomische Lage der Fußballbranche insgesamt in der aktuellen Saison deutlich verbessern wird – nur sechs Prozent rechnen mit einer Verschlechterung der Lage. "Der deutsche Profifußball dürfte seinen wirtschaftlichen Erfolgskurs in der neuen Saison fortsetzen", erwartet Christine Unterhitzenberger, ebenfalls Autor der Studie. Die jüngsten internationalen Erfolge deutscher Top-Klubs könnten dafür eine wichtige Basis sein und sich für die gesamte Liga auszahlen, so Unterhitzenberger: "Zwei deutsche Klubs standen in der abgelaufenen Saison im Championsleague-Finale und haben Fußball auf höchstem Niveau geboten. Dadurch hat die Marke Bundesliga weltweit an Bekanntheit und Attraktivität gewonnen". Nun gelte es, daraus mittelfristig Kapital zu schlagen – beispielsweise durch höhere Merchandising-Einnahmen im Ausland oder höhere Einnahmen aus der Vermarktung der internationalen Medienrechte. "Im Ausland ist das Interesse am deutschen Fußball enorm gestiegen – da müsste es möglich sein, bei den Auslandsvermarktungsrechten zukünftig mindestens die Einnahmen der italienischen oder der spanischen Top-Liga zu erzielen". Deren internationale TV-Einnahmen liegen geschätzt bei jährlich etwa 120 bzw. 150 Millionen Euro, die Bundesliga erzielt derzeit Einnahmen von 72 Millionen Euro.

Immerhin: Dank des neuen TV-Vertrags können sich die Bundesliga-Klubs auf einen deutlichen Anstieg ihrer Einnahmen aus Medienrechten freuen. In der vergangenen Saison lagen die TV-Einnahmen der Bundesliga und der 2. Bundesliga bei 438 Millionen Euro. Dieser Betrag wird in den kommenden vier Jahren um fast 50 Prozent auf durchschnittlich 628 Millionen Euro steigen. In der Saison 2013/2014 werden es 560 Millionen Euro sein.

Entsprechend zuversichtlich sind die Klubs: 85 Prozent der Befragten aller drei Ligen erwarten in der anstehenden Saison steigende Gesamteinnahmen in der Fußballbranche – vor allem aus Medienrechten, aber auch aus Sponsorings und Merchandising-Aktivitäten. Konkret rechnen die Erstliga-Klubs mit einem durchschnittlichen Anstieg ihrer Einnahmen um acht Prozent, die Klubs der 2. Bundesliga prognostizieren sogar einen Anstieg ihrer Einnahmen um durchschnittlich 21 Prozent.

Dem stehen allerdings auch fast bei allen Klubs steigende Ausgaben gegenüber: Bei den Erstliga-Klubs liegt die erwartete Ausgabensteigerung mit durchschnittlich acht Prozent genau so hoch wie das Einnahmeplus. In der 2. Bundesliga liegen die prognostizierten Ausgabensteigerungen mit 24 Prozent sogar höher als das erwartete Mehr an Einnahmen.

"In der vergangenen Saison haben wir noch eine größere Anzahl an Klubs gesehen, die sparen wollten", bemerkt Ehrhardt. Viele Klubs nehmen nun aber den Fuß von der Sparbremse: Knapp jeder zweite befragte Klub (48 Prozent) erwartet steigende Ausgaben, nur 28 Prozent wollen weniger ausgeben als in der Vorsaison. "Erfreulicherweise profitiert davon die Nachwuchsförderung", stellt Ehrhardt fest. In allen drei Ligen plant die deutliche Mehrzahl der Klubs, die diesbezüglichen Ausgaben zu steigern, wobei der Anteil dieser Klubs in der Bundesliga mit 75 Prozent am höchsten ist. Die Entwicklung scheint längerfristiger Natur zu sein. "Dass die Nachwuchsförderung immer mehr in den Fokus rückt, hatte sich im vergangenen Jahr bereits deutlich abgezeichnet", beobachtet Unterhitzenberger.

Investitionsziel Stadion – VIP-Bereiche im Fokus
Auch das eigene Stadion dürfte zumindest in einigen Fällen Ziel zusätzlicher Investitionen sein – knapp jeder dritte befragte Klub plant derzeit Um- oder Neubaumaßnahmen. Vor allem in der 3. Liga ist eine rege Bautätigkeit zu erwarten: Jeder zweite Klub plant dort der Umfrage zufolge Baumaßnahmen, zumeist soll eine zeitnahe Umsetzung erfolgen. Ein Hauptziel sind VIP- beziehungsweise Hospitality-Bereiche, über die die Einnahmesituation verbessert werden soll: 93 Prozent der bauwilligen Klubs nennen dies als Ziel. Zudem ist die Modernisierung der Stadien wichtig, sie steht für 79 Prozent der bauwilligen Klubs im Fokus. "Auch die Kapazitätserweiterung bleibt je nach Klub ein Thema. Gerade bei Spitzenspielen wie Derby-Begegnungen bietet sich nach wie vor Potenzial für erhebliche Mehreinnahmen", kommentiert Unterhitzenberger. Wenn die Stadien größer wären, würden vor allem die beiden höchsten Spielklassen bei Spitzenspielen profitieren: 55 Prozent der Klubs sehen hier Chancen für eine hohe Steigerung der Ticketverkäufe, weitere 29 Prozent halten eine mittlere Steigerung für möglich.

Über die Studie
Die jährliche Erhebung liegt in der aktuellen Fassung zum zehnten Mal vor. Neben der Bundesliga und der 2. Bundesliga wurde zum zweiten Mal in Folge auch die 3. Liga über ihre wirtschaftliche Entwicklung befragt. Von den 56 Klubs der drei höchsten deutschen Fußballligen haben 46 an der vorliegenden Untersuchung mitgewirkt. Dies entspricht einem Rücklauf von 82 Prozent.