EY Absolventenbefragung 2013

In unsicheren Zeiten: Studenten besinnen sich auf die Familie und suchen verlässliche Vorbilder

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Familie wird für deutsche Absolventen immer wichtiger / Absolventen erwarten von ihren Chefs, dass diese Verantwortung übernehmen / Im Vergleich bevorzugen sie internationale Konzerne gegenüber Mittelständlern als Arbeitgeber / Absolventen beklagen mangelnde Praxiserfahrung nach dem Studium und fühlen sich nicht ausreichend für eine Führungsaufgabe vorbereitet / Führungspersönlichkeiten im Ranking: Barack Obama ist beliebtester Politiker, Winterkorn beliebteste Persönlichkeit der deutschen Wirtschaft und Jürgen Klopp landet vor der Queen

Stuttgart, 8. August 2013. Deutschlands Absolventen besinnen sich angesichts der gegenwärtigen unsicheren Zeiten wieder auf traditionelle Werte: An erster Stelle der Werte und Ziele der deutschen Nachwuchsmanager stehen Freunde und Familie. Für 74 Prozent ist dieses soziale Umfeld wichtig im Leben, ergab die aktuelle Absolventenstudie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY). 2009 legten hingegen nur 58 Prozent der befragten Absolventen besonderen Wert auf ihre Familie und Freunde. Zugleich geben 22 Prozent der Befragten an, dass sie keine Führungsposition im Beruf anstreben. Und nur 52 Prozent sagen, Erfolg und Karriere stehe bei ihnen oben auf der Prioritätenliste. Genuss und Konsum beziehungsweise Reichtum sind sogar nur fünf respektive einem Prozent wichtig, ergab die Absolventenstudie 2012/2013 von EY, für die rund 500 Studentinnen und Studenten verschiedener Fachrichtungen aus der gesamten Bundesrepublik befragt wurden.

„Studenten möchten sich heute viel stärker im Job selbstverwirklichen und fordern ein hohes Maß an Gestaltungsspielraum. Gleichzeitig sind immerhin gut drei Viertel bereit, auch selbst die notwendige Verantwortung als Führungskraft zu übernehmen. Der Vertrauensverlust in Teile der Wirtschaftselite könnte einer der Gründe dafür sein, warum die restlichen knapp 25 Prozent keine Führungsposition anstreben. Hier sind die Topmanager als Vorbilder gefragt, ein echter Kulturwandel muss in Deutschlands Chefetagen einziehen, mit dem ein gewandeltes Kommunikationsverhalten einhergeht“, resümiert Ana-Christina Grohnert, Managing Partner bei EY. „Nur wenn Verantwortung und Unternehmertum vorgelebt werden und ethische Parameter genauso ernst genommen werden wie Quartalszahlen, werden wir junge Menschen noch stärker und nachhaltig für Toppositionen begeistern können. Und dies ist im globalen Wettbewerb und im war for talents die Grundvoraussetzung, damit deutsche Unternehmen überleben können. Eine Entwicklung, die vermehrt auf Diversity, mixed leadership und Perspektivenvielfalt setzt, könnte aus meiner Sicht auch neue und positive Impulse in Sachen Führungsverantwortung setzen“, sagt Grohnert.

Blender sind out
Angesichts der unsicheren Rahmenbedingungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft wünschen sich Studierende Verlässlichkeit:  Die Absolventen erwarten von ihren zukünftigen Chefs in erster Linie ein hohes Maß an Fachkompetenz; Persönlichkeitsmerkmale wie Charisma oder Kreativität sind ihnen hingegen weniger wichtig: Mit einem Mittelwert von 2,45 auf einer Skala von 1 bis 5, wobei der Wert 1 die höchste Wichtigkeit ausdrückt, haben die Studenten die Fach- und Methodenkompetenz als wichtigste Eigenschaft einer Führungskraft bewertet. Weit hinten im Ranking der Top-Führungsattribute landen hingegen Tugenden wie Charisma mit einem Wert von 3,31 und Kreativität mit 3,56. „Den Studierenden ist Substanz wichtiger als die Eigendarstellung der Manager. Auf der anderen Seite scheinen viele Absolventen auch die mediale Darstellung der deutschen Wirtschaftselite kritisch zu hinterfragen, so dass man lieber auf ‚ehrliche Arbeit‘ als auf persönlichen Glanz bei seinen Vorbildern setzt“, sagt Ana-Cristina Grohnert von EY.

Studium bereitet nur unzureichend auf Berufsleben vor
Die Mehrheit der deutschen Absolventen fühlt sich durch ihr Studium nicht genügend vorbereitet, um Karriere machen und Führungsverantwortung übernehmen zu können. Knapp zwei Drittel der befragten Absolventen beklagen, dass sie in ihrem Studium zu wenige praktische Erfahrungen gesammelt haben, um erfolgreich in den Beruf zu starten. Deshalb will sich gut die Hälfte der Studenten noch vor ihrem Berufseinstieg Führungs-kompetenzen aneignen, ergab die Studie von EY.

Internationale Konzerne sind beliebteste Arbeitgeber
Knapp zwei Drittel der befragten Absolventen möchte am liebsten in einem international agierenden Konzern arbeiten anstatt bei einem Mittelständler oder gar einem Start-up. Lediglich ein Drittel der deutschen Studenten plant die Karriere bei einem mittelständischen Unternehmen zu beginnen, für einen Job in einem Start-up oder kleinen Unternehmen interessieren sich gar nur drei Prozent der Befragten. „Die Absolventen wägen offenbar genau ab, welche Einstiegsoption am ehesten ihren Zielen entspricht: Großunternehmen und  Konzerne bieten für die ersten Berufsjahre ausgezeichnete Möglichkeiten, um weitere Ausbildung zu genießen und Erfahrungen zu sammeln. Ein Auslandsaufenthalt oder der Einblick in ein globales Arbeitsumfeld ist für die Mehrheit reizvoll.

Eine Herausforderung für Konzerne ist es aber, die jungen Talente dann auch nachhaltig an sich zu binden. Mittelständische Unternehmen können hingegen mit flachen Hierarchien und schneller Projekt- und Führungs-verantwortung punkten, stehen aber vor der herausfordernden Aufgabe, diese Vorteile zu nutzen und junge Nachwuchstalente für sich zu gewinnen“, sagt Grohnert.

Merkel knapp hinter Obama
Die Wahl zur Führungsikone der Politik hat Barack Obama knapp vor Angela Merkel für sich entschieden. Auf Platz drei haben die Studenten Altkanzler Helmut Schmidt gewählt.

Die bedeutendste Führungspersönlichkeit aus der Wirtschaft ist in den Augen der Absolventen der verstorbene Steve Jobs, gefolgt von Ex-Microsoft-Chef Bill Gates. Auch Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender von VW, ist aus Sicht der Studenten eine vorbildliche Führungskraft und belegt Platz drei im Ranking.

Klopp beliebter als die Queen
Jürgen Klopp, Trainer von Borussia Dortmund, hat die Wahl zur herausragenden Führungspersönlichkeit aus der Gesellschaft für sich entschieden, knapp vor Queen Elisabeth II. Auf die Plätze vier und fünf haben die Studenten so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Steven Spielberg und Stefan Raab gewählt. Margot Käßmann auf Rang sieben  landet im Ranking noch vor dem ehemaligen Papst Benedikt XVI., der Platz zehn belegt.

Top 10 der Führungspersönlichkeiten aus der Politik

  1. Barack Obama
  2. Angela Merkel
  3. Helmut Schmidt
  4. Dalai Lama
  5. Konrad Adenauer †
  6. Joachim Gauck
  7. Willy Brandt †
  8. Hannelore Kraft
  9. Helmut Kohl
  10. Gerhard Schröder

Top 10 der Führungspersönlichkeiten aus der Wirtschaft

  1. Steve Jobs † (Apple)
  2. Bill Gates (Microsoft)
  3. Martin Winterkorn (VW)
  4. Larry Page (Google)
  5. Mark Zuckerberg (Facebook)
  6. Dieter Zetsche (Daimler)
  7. René Obermann (Telekom)
  8. Roland Berger (Roland Berger)
  9. Susanne Klatten (BMW)
  10. Peter Löscher (ehemals Siemens)

Top 10 der Führungspersönlichkeiten aus der Gesellschaft

  1. Jürgen Klopp
  2. Queen Elisabeth II
  3. Franz Beckenbauer
  4. Steven Spielberg
  5. Stefan Raab
  6. Günther Grass
  7. Margot Käßmann
  8. Michael Schumacher
  9. Alice Schwarzer
  10. em. Papst Benedikt XVI.