EY Eurozone Financial Services Forecast

Eurozonen-Banken: Faule Kredite erreichen Rekordniveau

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Banken der Eurozone haben aktuell so viele notleidende Kredite in den Büchern wie nie zuvor: insgesamt 949 Milliarden Euro / Spanische und italienische Institute besonders stark betroffen / Kreditvergabe steigt aber wieder an, auch in Krisenländern / Eurozonenweit steigende Gewinne erwartet

Stuttgart, 28.10.2013 – Angesichts der schwachen Wirtschaftsentwicklung können immer mehr Unternehmen und Bürger in der Eurozone ihre Kredite nicht mehr fristgerecht zurückzahlen. Die Folge: Die Banken kämpfen mit faulen Krediten in zunehmender Höhe – Krediten also, die sehr wahrscheinlich nicht oder nicht vollständig bedient werden können. 2013 fallen in der Eurozone 7,8 Prozent der Kreditsumme in diese Kategorie, das entspricht 940 Milliarden Euro – ein neuer Rekordwert. Besonders stark betroffen sind die Banken in Spanien und Italien, wo in diesem Jahr 12,0 bzw. 11,5 Prozent der vergebenen Kredite ausfallgefährdet sind.

Die deutschen Banken stehen hingegen mit einem Anteil notleidender Kredite von aktuell 3,2 Prozent im europaweiten Vergleich relativ gut da. Und für die kommenden Jahre wird ein weiterer leichter Abbau prognostiziert – auf 2,8 Prozent im Jahr 2017 –, was vor allem der vergleichsweise starken Binnenkonjunktur und dem boomenden Immobilienmarkt zu verdanken ist. Das sind die Ergebnisse des
„EY Eurozone Financial Services Forecast“.

Im laufenden Jahr werden Banken in der Eurozone notleidende Kredite – auch Non-Performing Loans (NPL) genannt – mit einem Volumen von insgesamt 940 Milliarden Euro in ihren Büchern haben. Das sind gut 120 Milliarden Euro oder 15 Prozent mehr als im Jahr 2012. „Aufgrund der Konjunkturkrise und der steigenden Arbeitslosigkeit ist europaweit die Zahl der Bankkunden, die ihre Kredite nicht mehr bedienen können, deutlich gestiegen. Das führt bei den Banken zu einer steigenden Risikovorsorge“, sagt Claus-Peter Wagner, Managing Partner Financial Services Organisation bei EY.

Vor allem in Spanien und Italien leiden die Banken unter der Konjunkturschwäche, der stark gestiegenen Arbeitslosigkeit und dem Preisverfall bei Immobilien. Teilweise wurden faule Kredite bereits auf sogenannte „Bad Banks“ übertragen, um den Bankensektor zu entlasten, teilweise stehen solche Maßnahmen noch aus.

Eurozonenweiter Abbau fauler Kredite ab 2014
Dank der verbesserten Konjunkturaussichten und dank der Übertragung von Krediten auf Bad Banks werden die Eurozonen-Banken ab dem kommenden Jahr ihren Bestand an faulen Krediten auf breiter Front reduzieren. Das Volumen dieser Kredite dürfte im nächsten Jahr um 10 Prozent bzw. 94 Milliarden Euro auf rund 846 Milliarden Euro sinken.

Ein weiterer Grund für den prognostizierten Rückgang: Institute verkaufen Kredite mit hoher Ausfallwahrscheinlichkeit weiter – etwa an Finanzinvestoren –, sodass sie die Bilanzen nicht länger belasten. NPL gelten mittlerweile als etablierte Anlageklasse, weil wenigstens ein Teil von ihnen noch getilgt werden kann.

Höhere Gewinne in Sicht – Kreditvergabe steigt wieder
Trotz der derzeit schwierigen Lage im Kreditbereich werden die Banken der Eurozone ihre Gewinne laut Prognose im laufenden Jahr leicht steigern können: um 1 Prozent von 599 auf 605 Milliarden Euro. Für das kommende Jahr wird ein Gewinnanstieg um 7 Prozent erwartet. „Obwohl die Probleme im europäischen Bankensektor nicht vollständig ausgestanden sind, sehen wir eine leichte Beruhigung und Stabilisierung des Systems. Und es spricht einiges dafür, dass neue Turbulenzen in der Eurozone vorerst ausbleiben. Daher besteht Aussicht auf bessere Ergebnisse“, kommentiert Wagner die Entwicklung. Belastend wirke sich allerdings die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken auf die Gewinne der Banken aus: „Die Zinseinnahmen sind eine wichtige Ertragssäule der Banken. Aufgrund der aktuell extrem niedrigen Zinsen fällt diese Einnahmequelle derzeit zumindest teilweise aus.“

Im laufenden Jahr verlief die Kreditvergabe über die gesamte Eurozone hinweg schleppend und ging um 2 Prozent zurück; dies soll sich im kommenden Jahr ändern: Die Eurozonen-Banken werden laut Prognose ihre Kreditvergabe an Unternehmen im kommenden Jahr um 4 Prozent erhöhen.

Vor allem in Deutschland ist mit einer stärkeren Kreditvergabe zu rechnen, sowohl an Unternehmen als auch an Verbraucher: Firmenkredite dürften 2014 um 5 Prozent steigen, Verbraucherkredite um 3 Prozent. Und auch die Vergabe von Immobilienkrediten soll 2014 weiter um 2 Prozent steigen.

Aber auch in Spanien und Italien, wo die Kreditversorgung der Unternehmen im laufenden Jahr jeweils um 4 Prozent zurückgegangen ist, sind Erholungstendenzen zu sehen: In Italien soll die Vergabe von Unternehmenskrediten um 4 Prozent steigen, in Spanien immerhin noch um 3 Prozent.