EY Real Estate Studie - Unternehmen als Bauherren

Bauherren unterschätzen Potenziale im Projektmanagement

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Fokus auf Project Controlling / Risk Management wird wichtiger / Nachholbedarf bei Claim Management

Frankfurt, 28. November 2013 – Bauherren in Deutschland setzen in erster Linie auf Project Controlling, wenn es um Großprojekte geht. Oft unterschätzen sie allerdings noch zwei andere wichtige Funktionen: Risk Management und Claim Management. Zwar haben die Unternehmen die Brisanz des Themas Risk Management in ihren Projekten erkannt. „Der Geltendmachung und Abwehr von Forderungen durch ein aktives Claim Management wird jedoch noch nicht die erforderliche Bedeutung beige­messen“, erklärt Mario Bacher, Partner bei der Ernst & Young Real Estate GmbH (EY Real Estate) und Autor der Studie. So zeigen die Ergebnisse, dass für über 90 Prozent der Befragten das Project Controlling wesentlich zur Erreichung der Projektziele beiträgt, aber nur knapp 60 Prozent sind der Meinung, dass das Risk Management eine sehr wichtige Rolle spielt, und das Claim Management wird von weniger als 50 Prozent als sehr wichtig für die erfolgreiche Umsetzung eines Bau­projekts erachtet. Knapp 30 Prozent sind sogar der Meinung, dass das Claim Management weniger wichtig sei.

Dies geht aus der Studie „Unternehmen als Bauherren“ hervor, die von EY Real Estate gemeinsam mit der HBC Biberach durchgeführt wurde. Basis ist eine Umfrage unter privaten Bauherren aus den Bereichen Industrie- und Anlagenbau, Immobilien sowie Infrastruktur. Insgesamt haben sich 31 Unternehmen an der Umfrage beteiligt, die ein oder mehrere Bau­projekte mit einem Investitionsvolumen von mindestens 25 Millionen Euro abwickeln.

„Die Interaktion zwischen Project Controlling, Risk Management und Claim Management trägt wesentlich dazu bei, das Projekt in seiner Gesamtheit zum Erfolg zu führen“, erläutert Mario Bacher. „Das Verständnis für ein strukturiertes Handeln ist bei den meisten Unternehmen bereits vor­handen.“ So sehen 50 Prozent der befragten Bauherren eine optimale und strukturierte, also prozessorientierte Projektorganisation als geeignete Maßnahme, um den Herausforderungen von Großprojekten zu begegnen. „Dennoch wird die Komplexität oftmals unterschätzt“, so Bacher. Viele Bauherren setzen beim Risk Management und auch beim Claim Management häufig zu spät an – überwiegend erst in der Ausführungs­phase. „Probleme werden oft erst erkannt, wenn die Folgewirkungen schon eintreten“, bestätigt auch Klaus Hauser, Vice President Architecture and Construction bei der BMW Group. „Verzögerungen bleiben beherrschbar, wenn nicht erst das gesamte Projekt aus dem Ruder läuft, bevor gegen­gesteuert wird.“

„Alle drei maßgeblichen Projektfunktionen, also Project Controlling, Risk Management und Claim Management, sollten bereits in der Initiierungs­phase einsetzen und konsequent durch alle Projektphasen gezogen werden“, sieht auch Bacher in seiner Studie bestätigt. Methoden und Tools dafür gibt es laut Prof. Dr. Maik Hornuff von der HBC Biberach genug. „Die Kunst besteht darin, die richtigen Instrumente zusammenzustellen“, so der Experte. Es sei zu empfehlen, Modelle zur Früher­kennung und Behandlung von Projektrisiken so einfach wie möglich zu gestalten, ansonsten würden sie von den handelnden Personen nicht akzeptiert.

Künftig richtig aufgestellt sein
Neben diesen Ergebnissen zeigt die Studie auch, dass Methoden und Fachkompetenz wesentliche Aspekte sind. Denn für Bauherren sei es heute besonders wichtig, richtig aufgestellt zu sein, meint Bacher. „Die Anforderungen von Großbauprojekten, denen sich ein Bauherr stellen muss, sind heute höher denn je.“ Hierfür „entscheidend ist neben einer guten und belastbaren Organisation und Prozessstruktur sowie hervor­ragender fachlicher Expertise im Projekt, dass die psychologische Komponente nicht vergessen wird. Das Team muss funktionieren und die Führungskultur muss stimmen – das sind wichtige und oftmals unter­schätzte Aspekte, um Potenziale zu wecken und Erfolg zu erlangen.“ Dies bestätigt auch Dirk-Michael Ernst, Leiter Technisches Projektmanagement bei der K + S Aktiengesellschaft „Als größte Unsicherheit für einen Projekt­erfolg sind grundsätzlich nachträgliche Änderungen des Leistungssolls, unzureichende Festlegung von Prozessen und Methoden sowie mangel­hafte Fachkompetenz der verantwortlichen Personen zu sehen.“ Besonders im Ausbau und der Stärkung des Risikomanagements auf Projektebene liege daher ein wesentlicher Schlüssel zur Sicherung des Projekterfolgs und damit nicht zuletzt auch für den Gesamterfolg des Unternehmens.