Studie zum Private-Equity-Markt in Deutschland

Gutes Börsenklima: Finanzinvestoren erlösen 23,5 Milliarden Euro bei Beteiligungsverkäufen in Deutschland

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Investoren kaufen 2013 für 12,8 Milliarden Euro in Deutschland zu und nehmen bei Verkäufen insgesamt 23,5 Milliarden Euro ein / Zahl und Wert der Zukäufe in Deutschland 2013 leicht gesunken / Schwaches zweites Halbjahr nach starkem Jahresauftakt / Größter Private Equity-Deal des Jahres: Springer Science

Frankfurt, 27. Dezember 2012. Nach einer starken ersten Jahreshälfte, als Finanzinvestoren bei 51 Transaktionen Unternehmen oder Unternehmensbeteiligungen für insgesamt 9,4 Milliarden erwarben, hat das Geschäft der Finanzinvestoren im zweiten Halbjahr etwas an Schwung verloren: Bei 50 Transaktionen investierten Finanzinvestoren insgesamt 3,4 Milliarden Euro in Deutschland.

Im Gesamtjahr 2013 ging die Zahl der Deals damit im Vergleich zu 2012 von 107 auf 101 zurück, der Wert der Transaktionen sank von 13,7 auf 12,8 Milliarden Euro.

Dennoch dürfte das abgelaufene Jahr aus Sicht der Private Equity-Branche erfolgreich verlaufen sein. Denn bei Verkäufen von Unternehmensbeteiligungen konnten die Investoren insgesamt 23,5 Milliarden Euro erlösen – 136 Prozent mehr als im Vorjahr und nah an dem bisherigen Rekordwert des Boom-Jahres 2007, als der Gesamtwert der sogenannten Exits bei 28,0 Milliarden Euro lag.

Bei ihren Verkäufen nutzten einige Private Equity-Häuser auch das derzeit günstige Klima für Börsengänge: Bei drei Börsengängen flossen insgesamt 7,6 Milliarden Euro in die Kassen der Finanzinvestoren

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY), die den deutschen Private-Equity-Markt untersucht.

„Hohe Bewertungen an den Börsen, eine geringe Volatilität: In diesem Jahr waren die Rahmenbedingungen für Börsengänge in Deutschland deutlich besser als in den Vorjahren. Zudem hat sich die Schuldenkrise in Europa etwas beruhigt, und die Konjunktur gewinnt wieder an Fahrt, was sich auch auf die Unternehmensgewinne auswirken dürfte. Für Finanzinvestoren waren die Zeiten also günstig, beim Verkauf ihrer Beteiligungen angemessen hohe Erlöse zu erzielen. Insofern dürfte die Branche mit dem abgelaufenen Jahr sehr zufrieden sein“, stellt Alexander Kron, Partner und Leiter des Bereichs Transaction Advisory Services bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz, fest. Er gehe davon aus, dass Finanzinvestoren sich auch im kommenden Jahr – bei ähnlich guten Rahmenbedingungen – in größerem Umfang von Beteiligungen trennen werden.

Auf der anderen Seite – dem Kauf von Unternehmen – allerdings schwächelt das Geschäft nun schon im fünften Jahr: Im Gesamtjahr 2013 gab es insgesamt 101 Transaktionen, bei denen Finanzinvestoren als Käufer auftraten. Zum Vergleich: In den Boom-Jahren 2006 bis 2008 gab es jeweils um die 180 Private Equity-Transaktionen.

Investoren stehen zunehmend vor der Herausforderung, verkaufswillige Unternehmen zu identifizieren, betont Kron: „Die relativ geringe Zahl an Transaktionen ist nicht auf mangelndes Interesse aufseiten der Investoren zurückzuführen. Vielmehr fehlen geeignete Zielunternehmen“. Er weißt aber auch darauf hin, dass derzeit einige größere Transaktionen absehbar bzw. angekündigt sind. „Wir werden auch 2014 wieder einige Mega-Deals in Deutschland sehen. Dennoch dürfte sich der Markt mittelfristig eher seitwärts bewegen. Größere Impulse sind nicht zu erwarten“.

Wolfgang Taudte, Partner bei EY, beobachtet durchaus großes Interesse bei den Investoren an einem stärkeren Engagement in Deutschland, zumal die Finanzierung der Deals inzwischen keine große Hürde mehr darstelle: „Die Struktur der deutschen Industrie mit ihren zahlreichen mittelgroßen, hoch spezialisierten und stark auf ausländische Märkte ausgerichteten Unternehmen macht Deutschland grundsätzlich zu einem interessanten Investitionsziel – allerdings ist bei diesen Unternehmen die Bereitschaft, für ihre Entwicklung mit Finanzinvestoren zusammenzuarbeiten, eher gering ausgeprägt“. Ein Fehler, wie Taudte findet: „Ein Finanzinvestor kann ein wichtiger und hilfreicher Partner sein – beispielsweise wenn es darum geht, in neue Märkte vorzustoßen, auf denen der Private Equity-Investor bereits aktiv ist. Dabei könne es darum gehen, den Marktzugang zu erleichtern, Partnerschaften im Vertrieb aufzubauen, oder Kontakte zu potenziellen Kunden zu knüpfen. „Die Zurückhaltung des gehobenen deutschen Mittelstands kann sich durchaus zu einer Wachstumsbremse entwickeln. In den vergangenen Jahren gab es genug Beispiele, die gezeigt haben, dass Private Equity-Investoren geholfen haben, erhebliche Werte zu schaffen, indem sie ihre Portfoliounternehmen binnen kurzer Zeit auf ein neues Ertragsniveau gehoben haben“.

Die größten PE-Deals fanden im ersten Halbjahr statt
Die drei größten Private Equity-Transaktionen des abgelaufenen Jahres – der Kauf des Fachbuchverlags Springer Science durch BC Partners (3,30 Milliarden Euro), der Kauf des Energie Dienstleisters Ista International durch CVC Partners sowie (3,10 Milliarden Euro), sowie der Kauf des Keramikspezialisten CeramTec für 1,50 Milliarden Euro durch Cinven – fanden durchweg in der ersten Jahreshälfte statt. Der größte Deal im zweiten Halbjahr war der Verkauf eines 70 Prozent Anteils an der Scout24 Holding an Hellman & Friedman für 1,36 Milliarden Euro.

Deutlich größere Transaktionen dem M&A-Markt
Auch auf dem M&A-Markt (ohne Private Equity) wurden im Jahr 2013 weniger Transaktionen gezählt als 2012: Die Zahl der Deals sank von 483 auf 460, der Gesamtwert der Transaktionen stieg hingegen stark von 31,3 auf 56,5 Milliarden Euro. Dieser Anstieg ist vor allem auf die Konsolidierungswelle auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt zurückzuführen: Der größte M&A-Deal des Jahres war die Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone für 10,4 Milliarden Euro. Die zweitgrößte Transaktion war der Kauf von E-Plus durch Telefonica Deutschland für 8,6 Milliarden Euro.