Chinesische Unternehmenskäufe

Chinesische Unternehmenskäufe in Europa auf neuem Höchststand

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Deutschland und Großbritannien mit jeweils 25 Transaktionen am attraktivsten – 2013 insgesamt 120 Zukäufe in Europa / Deutsche Industrieunternehmen im Fokus / China zweitgrößter außereuropäischer Investor in Deutschland / 2013 wurden 487 deutsche Unternehmen von Ausländischen Investoren übernommen – zehn mehr als 2012

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Chinesische Unternehmenskäufe in Europa

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Düsseldorf, 31. Januar 2014. Europa ist bei chinesischen Investoren so beliebt wie nie zuvor: Allein im Jahr 2013 kauften Investoren aus China (inklusive Hongkong) 120 Unternehmen bzw. Unternehmensbeteiligungen in Europa. Damit liegt die Anzahl der M&A-Transaktionen mit einem europäischen Zielland leicht höher als im Vorjahr (119). In den vergangenen zehn Jahren haben chinesische Unternehmen ihre Aktivitäten in Europa Jahr für Jahr ausgeweitet – zum Vergleich: 2004 wurden lediglich 34 Deals in Europa gezählt.

Deutschland und Großbritannien sind die mit Abstand beliebtesten Investitionsziele chinesischer Investoren: Im vergangenen Jahr kauften Unternehmen aus dem Reich der Mitte jeweils 25 deutsche und britische Firmen. Im Vorjahr hatte Deutschland mit 26 Transaktionen noch leicht die Nase vorn gehabt, in Großbritannien wurden 2012 insgesamt 23 Deals gezählt. Erst mit deutlichem Abstand folgten 2013 Frankreich (15) sowie Italien und Schweden (jeweils 7) als Zielländer.

Chinesische Unternehmen waren im vergangenen Jahr der sechstgrößte Investor in Deutschland und der zweitgrößte außereuropäische Investor – hinter den USA, die sich mit 92 Transaktionen in Deutschland bei weitem am stärksten engagiert haben.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY.

Das Interesse chinesischer Unternehmen an Europa ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen – trotz der Finanzkrise und der europäischen Schulden- und Konjunkturkrise. 2004 wurden europaweit gerade einmal 34 Transaktionen von chinesischen Unternehmen gezählt – bei sieben davon waren deutsche Firmen das Übernahmeziel. Im Vorkrisenjahr 2007 führten chinesische Investoren insgesamt 51 M&A-Transaktionen in Europa durch (5 davon in Deutschland). Seitdem hat sich die Zahl der Deals in Europa mehr als verdoppelt – in Deutschland sogar verfünffacht.

Yi Sun, Partnerin bei EY Deutschland und Leiterin der China Business Services Deutschland, Österreich und Schweiz, sieht vor allem zwei Gründe für das deutlich gestiegene Interesse chinesischer Unternehmen an Europa: „Die Werkbank der Welt zu sein genügt den chinesischen Unternehmen schon lange nicht mehr. Sie wollen selber im Ausland expandieren und sich neue Märkte erschließen. Zudem verfolgen sie das Ziel, sich verstärkt als Innovatoren zu positionieren – und benötigen dazu den Zugriff auf europäisches Know-how.“

Investoren aus Fernost schätzen Industrieunternehmen
Entsprechend zielen die meisten M&A-Deals chinesischer Unternehmen auf die europäische Industrie (24) bzw. auf die Automobilindustrie (13). Weitere Schwer-punkte liegen auf der Konsumgüterindustrie (21) und der Immobilienbranche (10).

Gerade in Deutschland interessieren sich chinesische Investoren vorrangig für Industrieunternehmen, insbesondere für Automobilzulieferer. „Chinas Autobranche drängt auf den Weltmarkt und benötigt dafür das Know-how, die kompetenten Mitarbeiter und die Netzwerke europäischer und insbesondere deutscher Automobilunternehmen“, beobachtet Sun.

„Dass die Zahl der Transaktionen in Deutschland im vergangenen Jahr nicht wei-ter gestiegen ist, ist keineswegs ein Anzeichen für fehlendes Interesse bei den chinesischen Investoren“, kommentiert Sun. Tatsächlich hätten chinesische In-vestoren bei mehreren großen Transaktionen im oberen dreistelligen Millionenbereich mitgeboten. Da sie jedoch nicht zum Zuge kamen, wurde das Interesse der Chinesen an diesen Transaktionen in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. “Aber die zunehmende Professionalisierung der chinesischen Unternehmen in Bieterprozessen wird zukünftig dazu führen, dass chinesische Unternehmen häufiger den Zuschlag erhalten werden“, erwartet Sun. „Das Interesse chinesischer Investoren an deutschen Industrieunternehmen ist weiterhin riesengroß. Und auch dank der gerade von der chinesischen Regierung verabschiedeten neuen Vorschriften zur Erleichterung von Genehmigungsprozessen bei Auslandsinvestitionen chinesischer Unternehmen werden Investoren aus China zukünftig gerade in Deutschland häufiger den Zuschlag bekommen“, erwartet Sun.

Sun hält es für sehr unwahrscheinlich, dass Firmen nach einer Übernahme Standorte in Deutschland schließen und nach China verlagern könnten: „Die meisten Investoren wollen hier neue Kunden erschließen und nicht nur möglichst billig in China produzieren – zumal das Label ‚Made in Germany‘ in China nach wie vor hoch angesehen ist.“

Weingüter in Frankreich, Hotels und Minenbetreiber in Großbritannien
Wenn chinesische Unternehmen Übernahmen deutscher Unternehmen erwägen, interessieren sie sich zumeist für Maschinenbauer und Autozulieferer, so Sun. „Deutsche Industrieunternehmen sind in China sehr angesehen, das prägt das Bild Deutschlands als Investitionsstandort bei chinesischen Firmen.“

In Großbritannien hingegen haben chinesische Investoren im Jahr 2013 insbesondere Immobilienunternehmen und Bergbaukonzerne gekauft, während in Frankreich vor allem die Luxusbranche interessant ist: Bei drei der fünfzehn in Frankreich getätigten Transaktionen wechselten Weingüter den Besitzer, hinzu kamen zum Beispiel ein Hersteller von Käsespezialitäten und ein Seifenhersteller.

Zukäufe in Deutschland legen leicht zu
Neben US-amerikanischen und chinesischen Unternehmen kamen in Deutschland im vergangenen Jahr vor allem europäische Nachbarn zum Zuge: Britische Firmen brachten 44 Akquisitionen in Deutschland über die Bühne, Schweizer Unternehmen 36 und französische Firmen 30. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 487 deutsche Unternehmen von ausländischen Investoren übernommen – ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, als 477 derartige Transaktionen gezählt wurden.