Q1’14 Global IPO update: Januar – März 2014

Weltweiter IPO-Boom geht derzeit noch an Deutschland vorbei

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Zahl der Börsengänge steigt im ersten Quartal weltweit um 40 Prozent, Emissionsvolumen sogar um 75 Prozent / Stärkstes erstes Quartal seit 2011 / Besonders stark: China und USA, auch in Europa mehr IPOs / Bislang nur ein Börsengang in Deutschland

Frankfurt, 31. März 2014. Der weltweite IPO-Markt ist stark ins Jahr 2014 gestartet – weltweit trauten sich so viele Unternehmen an die Börse wie seit 2011 nicht mehr: Im ersten Quartal wurden weltweit 228 Börsengänge (Initial Public Offering, kurz: IPO) durchgeführt – ein Anstieg um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als nur 163 IPOs gezählt wurden. Das Emissionsvolumen stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 75 Prozent von 24,4 auf 42,6 Milliarden US-Dollar.

Mit Abstand am dynamischsten entwickelte sich der chinesische Markt (einschließlich Hongkong): Die Zahl der Transaktionen stieg von 11 auf 67, das Emissionsvolumen von 1,1 auf 11,5 Milliarden US-Dollar. Grund für den starken Anstieg ist die Wiederöffnung der chinesischen Börsen für neue Listings nach einer Zwangspause von gut einem Jahr.

Auch der US-Markt entwickelte sich stark: Die Zahl der Börsengänge in den USA kletterte von 33 im ersten Quartal 2013 auf 60 in diesem Jahr – dabei wurden insgesamt 10,2 Milliarden US-Dollar erlöst (Vorjahr: 8,6 Milliarden US-Dollar).

Europaweit wurden 38 Transaktionen gezählt, deren Gesamt-Emissionsvolumen bei 12,9 Milliarden US-Dollar lag – ein Anstieg um 36 bzw. 153 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2013.

In Deutschland fiel der Jahresauftakt weniger vielversprechend aus: An den deutschen Börsen gab es im ersten Quartal mit Tintbright einen Neuzugang, zudem wagte mit Summit Germany ein deutsches Unternehmen einen Börsengang an der Londoner AIM. Im Lauf dieses Jahres dürfte sich das aber ändern: Zehn bis 15 IPOs werden für den deutschen Markt erwartet.

Das sind Ergebnisse des aktuellen weltweiten IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY).

„Weltweit sehen wir seit einigen Monaten geradezu ein Run auf die Börsen – vor allem in China und den USA“, kommentiert Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY. „Der amerikanische Markt profitiert stark von den Erleichterungen des JOBs Act für Börsenkandidaten – über 80 Prozent der Unternehmen qualifizieren sich dafür, nutzen diese und sorgen für rege IPO Aktivitäten“.

Angetrieben wird der aktuelle IPO-Boom von Private Equity-Investoren, die hinter knapp jedem dritten (68) der weltweit 228 Börsengänge standen (Vorjahr: 38) und deren Portfoliounternehmen bei ihren Börsengängen insgesamt 16,9 Milliarden US-Dollar erlösten (Vorjahr: 8,4 Milliarden US-Dollar). „Gerade Finanzinvestoren nutzen das offene IPO Fenster, um sich in großem Stil von Beteiligungen zu trennen“, beobachtet Steinbach. Dieser Trend werde im weiteren Jahresverlauf anhalten.

Nachdem es im ersten Quartal einen Börsengang in Deutschland gab (Vorjahresquartal: ebenfalls 1), dürfte der deutsche IPO-Markt in den kommenden Monaten wieder an Dynamik gewinnen, so Steinbachs Einschätzung: „Hierzulande stehen einige IPO-Kandidaten in den Startlöchern, die mit guter Vorbereitung das Primärmarktjahr 2014 fest im Visier haben“. Dabei dürften allerdings andere Branchen im Vordergrund stehen als im Vorjahr: „2013 war das Börsenjahr der Immobilienwerte, nun erwartet man für 2014 einen Schwerpunkt bei den Technologie-Werten“. Insgesamt rechnet Steinbach in diesem Jahr mit zehn bis maximal 15 Börsengängen in Deutschland.

Angesichts der Niedrigzinspolitik der Notenbanken, weiterhin hoher Bewertungen und verbesserter weltweiter Konjunkturaussichten seien die Rahmenbedingungen für Börsengänge gut, kommentiert Steinbach, der derzeit nur geringe Auswirkungen der Krim-Krise auf den IPO-Markt sieht.

Europäischer IPO-Markt meldet sich zurück
Von den weltweit fünf größten Börsengängen fanden zwei in Europa statt – ein Indiz für die deutlich verbesserte Verfassung des europäischen IPO-Marktes. Die Zahl der Börsengänge in Europa stieg im Vergleich zum Vorjahr von 28 auf 38, das Emissionsvolumen sogar von 5,1 auf 12,9 Milliarden US-Dollar. Investoren profitierten von Kurssteigerungen der Börsengänge im ersten Quartal nach der Erstnotiz von durchschnittlich 6,5 Prozent in Juniormärkten und 10,2 Prozent in Hauptmärkten. „Dies fördert Investorenvertrauen und den Appetit nach Börsengängen auf Investorenseite“, kommentiert Steinbach.

Der mit Abstand aktivste Börsenplatz Europas war im ersten Quartal London – mit 23 IPOs und einem Emissionsvolumen von insgesamt 6,2 Milliarden US-Dollar. Größter europäischer Börsengang war der IPO des französischen Kabelnetzbetreibers Altice (2,04 Milliarden US-Dollar), gefolgt vom IPO des dänischen Gebäudedienstleisters ISS mit einem Emissionsvolumen von 1,52 Milliarden US-Dollar.

„Die Schulden- und Konjunkturkrise hatte den europäischen IPO-Markt über mehrere Jahre massiv gebremst. Seit dem vergangenen Jahr ist aber das Vertrauen sowohl der Investoren als auch der Emittenten wieder deutlich gestiegen“, beobachtet Steinbach. „Auch Unternehmen mit  Markennamen haben einen besonderen Vorteil in der Platzierung –dementsprechend führt derzeit der Retail-Sektor die Hitliste in Europa an.

Asiatische Börsen mit den meisten Börsengängen
Am stärksten entwickelte sich im abgelaufenen Quartal der asiatische IPO-Markt – dank der Beendigung des staatlich verordneten IPO-Stopps in China. Insgesamt wagten in Asien 112 Unternehmen den Sprung aufs Parkett (Vorjahr: 73), wobei sie insgesamt 18,5 Milliarden US-Dollar erlösten (Vorjahr: 5,4 Milliarden US-Dollar). Schwerpunkt war neben China auch Japan, wo bei 13 Börsengängen knapp 4,9 Milliarden US-Dollar erlöst wurden.

Optimistischer Ausblick: Weltweiter IPO-Markt bleibt stark
Das IPO-Fenster dürfte weltweit noch eine Weile offen bleiben, meint Steinbach: „Das Wirtschaftswachstum legt zu, die Zinsen bleiben niedrig: Aktuell spricht vieles für ein starkes IPO-Jahr 2014 – zumal die Pipeline an Börsenkandidaten gut gefüllt ist“. Dabei dürften Private Equity und – regional gesehen – China weiter Haupttreiber des weltweiten IPO-Booms sein.