EY Capital Confidence Barometer Mai 2014

Dämpfer für die Weltwirtschaft: Zunehmende politische Risiken, weniger Wachstum

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Die größten Probleme deutscher Unternehmen: Zunehmende politische Instabilität und schwaches Wachstum in Schwellenländern / Wieder mehr Unternehmen mit Existenzsorgen / Aber Deutschland wird eines der Top-Investitionsziele weltweit

München, 06. Mai 2014. Angesichts einer sich abzeichnenden Wachstumsschwäche in den Schwellenländern und der Zuspitzung der Ukraine-Krise erhält der Optimismus der Unternehmen in Deutschland und weltweit einen spürbaren Dämpfer: Der Anteil der deutschen Unternehmen, die mit einer positiven Entwicklung der Weltwirtschaft rechnen, sinkt im Vergleich zum Herbst 2013 von 69 auf 54 Prozent. Eine ausgeprägte Wachstumsstrategie verfolgen nur noch 41 Prozent der Unternehmen – vor einem halben Jahr waren es noch 55 Prozent. Gleichzeitig steigt der Anteil der Unternehmen mit Existenzsorgen: Jedes elfte befragte Unternehmen in Deutschland fokussiert sich derzeit auf die Sicherung des eigenen Überlebens – im Oktober lag der Anteil nur bei einem Prozent.

Auch die Dynamik am Arbeitsmarkt bleibt zwar positiv, hat sich aber abgeschwächt – sowohl weltweit als auch in Deutschland. Nur noch jedes dritte deutsche Unternehmen plant zusätzliche Neueinstellungen – im Oktober vergangenen Jahres lag der Anteil noch bei 40 Prozent.

Zu diesen Ergebnissen kommt das aktuelle „Capital Confidence Barometer“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY). Basis der Studie ist eine Umfrage unter 1.600 Managern in Großunternehmen weltweit, davon 94 aus Deutschland. Die Studie wird halbjährlich durchgeführt.

„Nach einem vielversprechenden Start ins Jahr 2014, als sowohl Unternehmen als auch Wirtschaftsforscher von einer starken weltweiten Konjunkturerholung ausgingen, rückten im Lauf des Frühjahrs wieder verstärkt Konjunkturrisiken in den Vordergrund“, beobachtet Alexander Kron, Leiter des Bereichs Transaction Advisory Services bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Zum einen führte die Ankündigung einer strafferen US-Geldpolitik dazu, dass Investoren in großem Stil Kapital aus einigen Schwellenländern abzogen, was deren Währungen massiv unter Druck setzte. Zum anderen  wuchs angesichts der Eskalation der Ukraine-Krise die Furcht vor einer anhaltenden Krise zwischen den westlichen Industrieländern und Russland. „Die wirtschaftlichen Folgen der Ukraine-Krise mögen – zumindest für die westeuropäischen Länder – bislang noch begrenzt sein. Der politische Schaden ist aber bereits jetzt enorm, und auch das Investitionsklima hat massiv gelitten“, so Kron.

Die zunehmende politische Instabilität weltweit wird aktuell von 28 Prozent der deutschen Unternehmen als größtes wirtschaftliches Risiko für das eigene Unternehmen bezeichnet – für ähnlich viele Unternehmen (30 Prozent) ist die verhaltene Konjunkturentwicklung in den Schwellenländern das Wachstumshemmnis Nummer Eins. Die Schuldenkrise in der Eurozone wird hingegen nur noch von 14 Prozent der Manager als Hauptrisiko für das eigene Geschäft bezeichnet.

Deutschland und Großbritannien rücken in Top 5 der attraktivsten Investitionsziele auf
Die aktuelle Schwäche vieler Schwellenländer führt auch zu Veränderungen in der Rangliste der weltweit attraktivsten Investitionsziele: Vor einem halben Jahr dominierten noch die sogenannten BRICS-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) die Rangliste. Aktuell bleibt zwar China Spitzenreiter im Ranking – 11 Prozent der befragten Manager bezeichnen China als attraktivsten Investitionsstandort –, aber Russland, Brasilien und Südafrika sind nicht mehr im Top 5-Ranking vertreten. Dafür rangieren aktuell die Vereinigten Staaten und Indien auf einem gemeinsamen zweiten Platz (jeweils 9 Prozent), vor Großbritannien und Deutschland (jeweils 6 Prozent).

M&A-Markt verliert wieder an Schwung
Nachdem sich noch im Herbst vergangenen Jahres abzeichnete, dass auch in den Markt für Übernahmen und Fusionen nach einer längeren Durststrecke wieder Bewegung kommen würde, gibt es auch hier einen Dämpfer: So geht in Deutschland der Anteil der Unternehmen, die Zukäufe planen, auf 23 Prozent zurück – nach 27 Prozent vor einem halben Jahr. Zum Vergleich: Im Frühjahr 2010 planten noch 54 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland derartige Transaktionen. Niedriger als heute war der Anteil der M&A-aktiven Unternehmen nur im April 2013, als gerade einmal 19 Prozent Übernahmen anstrebten. Auch weltweit ging die Kaufbereitschaft zurück – von 35 auf 31 Prozent.

„Zwar verfügen viele Konzerne weltweit über sehr ansehnliche Finanzreserven, und auch die Banken sind wieder bereit, bei größeren Finanzierungen zu unterstützen. Dennoch setzt die Mehrheit der Unternehmen – gerade die deutschen – derzeit eher auf organisches Wachstum und operative Verbesserungen“, beobachtet Kron.

Hauptgrund für die relative Zurückhaltung deutscher Unternehmen ist laut 19 Prozent der Befragten der Mangel an passenden Zielunternehmen. Das regulatorische Umfeld oder unterschiedliche Vorstellungen über Kaufpreise werden mit jeweils 18 Prozent ähnlich oft genannt.