Corporate Real Estate Management (CREM) 2014

Deutsche Unternehmen: Immobilienkosten teilweise um ein Viertel zu hoch

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Transport und Logistik könnten mehr als 25 Prozent sparen / Das Überprüfen von Flächenbedarf und nicht betriebsnotwendigen Flächen ist mittlerweile Standard / Sale-and-Lease-Back kaum ausgeprägt / Transparenz der Daten durch CREM verbessert

Frankfurt, 25. Juni 2014. Viele DAX- und MDAX-Unternehmen lassen erhebliche Einsparpotenziale liegen: Dies zeigt ein Blick auf das Sachanlagevermögen, insbesondere auf die bebauten und unbebauten Grundstücke. Je nach Branche könnte auf mehr als 25 Prozent der Flächen verzichtet und damit ein erheblicher Anteil der immobilienbezogenen Kosten eingespart werden. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von EY Real Estate, an der 34 DAX- und MDAX-Unternehmen teilgenommen haben. „Einige Unternehmen haben ihre immobilienbezogenen Kosten in den letzten Jahren signifikant senken können, andere Gesellschaften, z.B. aus dem Bereich Transport und Logistik, sehen weiterhin enorme Eisparpotenziale“, sagt Dietmar Fischer. Er ist Partner bei der Ernst & Young Real Estate GmbH. Transport und Logistik lägen mit einem Flächeneinspar- und Kostensenkungspotenzial von jeweils mehr als 25 Prozent deutlich vor anderen Branchen wie IT/Telekommunikation oder Finanz- und Versicherungsdienstleistern. Unternehmen aus der Automobilbranche kommen immerhin noch auf rund 15 Prozent. Vergleichsweise wenig Potenzial haben Handelsunternehmen.

„Sie können nach eigenen Angaben gar nicht oder lediglich auf marginale Anteile ihrer Flächen verzichten. Dennoch wurden auch von diesen Gesellschaften Kostensenkungspotenziale identifiziert“, so Fischer.

Kaum Sale-and-Lease-Back
Das Überprüfen des Flächenbedarfs und das Identifizieren nicht mehr notwendiger Flächen sei eine Maßnahme, die im Management betrieblich genutzter Immobilien mittlerweile Standard sei. „Acht von zehn Befragten stellen ihren Flächenbedarf regelmäßig zur Disposition“, sagt Fischer. Keine andere Maßnahme aus dem sogenannten Corporate Real Estate Management (CREM), also dem Management der Flächen durch die jeweiligen Nutzer, sei häufiger genannt worden. Selten hingegen seien Maßnahmen wie das sogenannte Sale-and-Lease-Back. „Dabei handelt es sich um den Verkauf eigener Flächen bei gleichzeitigem Abschluss eines Mietvertrags. Das Unternehmen wird Mieter statt Eigentümer.“ Der Vorteil liege unter anderem in einer Erhöhung der Liquidität. Dennoch hätten nur rund ein Drittel der befragten Unternehmen bereits Sale-and-Lease-Back-Transaktionen durchgeführt. „Es scheint jedoch Dynamik in das Thema zu kommen“, sagt Fischer. Die Frage, ob sich deutsche Unternehmen künftig verstärkt von ihren Immobilien trennen wollten, sei zu gleichen Anteilen bejaht und verneint worden.

Zielerreichung im CREM
Die Tatsache, dass ein umfassendes CREM nachhaltig zum Unter­nehmenserfolg beiträgt, wird von nahezu allen Unternehmen bestätigt. „Dennoch gibt es in der Umsetzung einer gesamtheitlichen CREM-Strategie noch vielfach Nachholbedarf“, meint Fischer. Über 70 Prozent der befragten Unternehmen bestätigen, dass das Thema CREM zwar in den deutschen Unternehmen angekommen ist, in der Praxis jedoch häufig unzureichend umgesetzt wird. Punktuelle Aspekte des CREM scheinen zu dominieren. Ein wesentliches Ziel sei meist, mit dem CREM das jeweilige Kerngeschäft zu unterstützen, damit Flächen optimal für ihren jeweiligen Zweck genutzt werden können. „Unternehmen mit verstreuten Standorten wussten lange Zeit nur bedingt, wie viel Fläche eigentlich für welche Nutzung zur Verfügung steht. Transparenz ist die Voraussetzung dafür, Flächen und Kosten optimieren zu können“, so Fischer.

Die wesentlichen Erfolge von CREM-Maßnahmen werden daher im Zu­sammenhang mit der Transparenz der Daten gesehen, um immobilien­bezogene Entscheidungen zu beschleunigen und immobilienspezifische Kosten zu senken. Die Erhöhung der Nutzerzufriedenheit und eine Steigerung der Immobilienwerte sind weitere Aspekte in diesem Zusammenhang. Die kontinuierliche Verbesserung des CREMs und die Pflege der externen CREM-Dienstleister findet bei den befragten Unter­nehmen eine sehr hohe Zustimmung. „Die positive Wahrnehmung des CREMs seitens der eigenen Mitarbeiter könnte jedoch noch gesteigert werden“, ergänzt Fischer. Die Umfrageteilnehmer sehen zentrale Herausforderungen unter anderem in einer Anpassung an die sich immer schneller verändernden Anforderungen moderner Arbeitswelten sowie in der Flexibilisierung der Flächennutzung zum Ausgleich konjunktureller Schwankungen.

Zur Studie „Corporate Real Estate Management (CREM) 2014”
34 DAX- und MDAX-Unternehmen wurden befragt, darunter Finanz- und Versicherungsdienstleister, Handelsunternehmen und Unternehmen aus dem produzierenden/verarbeitenden Gewerbe, der IT/Telekommunikation, aus Kultur und Medien, dem Fahrzeugbau und der Zulieferbranche sowie aus Logistik/Transport. Alle Befragten nutzen – zusammen betrachtet – 140 Millionen Quadratmeter Fläche.