Der Transaktionsmarkt in Deutschland - 1 Halbjahr 2014

Finanzinvestoren kaufen wieder verstärkt in Deutschland ein – aber Transaktionsvolumen sinkt

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Zukäufe in Deutschland erreichen im ersten Halbjahr mit 58 Transaktionen den höchsten Wert seit 2008 / Hohe Bewertungen verhindern stärkeres Marktwachstum / Investoren nehmen bei Verkäufen weniger ein / Größter Private Equity-Deal des Halbjahres: GEA Heat Exchangers

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Der Transaktionsmarkt in Deutschland - 1. Halbjahr 2014

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Frankfurt, 15. Juli 2014. Finanzinvestoren haben in der ersten Hälfte dieses Jahres bei 58 Transaktionen Unternehmen oder Unternehmensbeteiligungen in Deutschland für insgesamt 5,6 Milliarden Euro erworben. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Zahl der Transaktionen um sieben, der Wert der Transaktionen1 sank hingegen deutlich – um 40 Prozent von 9,4 auf 5,6 Milliarden Euro.

Bei Verkäufen von Unternehmensbeteiligungen – sogenannten Exits –haben die Investoren in der ersten Jahreshälfte insgesamt 7,0 Milliarden Euro erlöst – ein Rückgang um 47 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Exits lag mit 38 über dem Vorjahreswert (33), aber deutlich unter dem Niveau des zweiten Halbjahres 2013, als 51 derartige Transaktionen gezählt worden waren.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY), die den deutschen Private-Equity-Markt untersucht.

„Die Zahl der von Finanzinvestoren in Deutschland getätigten Zukäufe hat im ersten Halbjahr den höchsten Wert seit sechs Jahren erreicht“, stellt Alexander Kron, Partner und Leiter des Bereichs Transaction Advisory Services bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz, fest. „Das ist ein Zeichen für die anhaltende Attraktivität des Standorts Deutschland für Investoren“.

Nach wie vor aber bewegen sich die Aktivitäten auf deutlich niedrigerem Niveau als in den Boomjahren vor der Finanzkrise: In den Jahren 2006 bis 2008 gab es jeweils um die 180 Private Equity-Transaktionen in Deutschland.

Exit-Boom dürfte seinen Höhepunkt überschritten haben
Im vergangenen Jahr hatten sich Private Equity-Investoren im großen Stil von Beteiligungen getrennt: Der Wert der Beteiligungsverkäufe schnellte im Vergleich zu 2012 von 9,9 auf 24,0 Milliarden Euro hoch. Im zweiten Halbjahr 2013 waren insgesamt 51 Exit-Transaktionen gezählt worden – so viele wie nie zuvor.

Inzwischen aber könnte der Trend gebrochen sein: Der Wert der Beteiligungsverkäufe in Deutschland sank in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Vergleich zur zweiten Jahreshälfte 2013 von 10,9 auf 7,0 Milliarden Euro. Und auch die Zahl der Exits ging zurück: von 51 auf 38. Kron kommentiert: „Viele Finanzinvestoren haben bereits im vergangenen Jahr die günstiger werdenden Rahmenbedingungen dazu genutzt, sich von Beteiligungen zu trennen und ihre Portfolios zu bereinigen. Die Pipeline konnte so teilweise abgearbeitet werden. Weitere Exits stehen aber bevor, und wir werden im Markt auch wieder zunehmend größere Transaktionen sehen.“

Nach wie vor übersteigt der Wert der Verkäufe den der Zukäufe deutlich – um 25 Prozent im ersten Halbjahr, sogar um 82 Prozent im Gesamtjahr 2013. Laut Kron ist das aber kein Zeichen für ein nachlassendes Interesse der Investoren am Standort Deutschland, sondern eine Normalisierung der Situation und eine notwendige Folge aus den massiven Zukäufen in den Boomjahren: „In den Jahren bis 2008 haben Finanzinvestoren in Deutschland im großen Umfang Zukäufe getätigt – und zum Teil hohe Kaufpreise bezahlt. Dann kam die Finanzkrise, die eine Veräußerung zu einem angemessen Kurs vielfach unmöglich machte.

Starke Konkurrenz durch strategische Investoren
Dass die Zahl der PE-Transaktionen im ersten Halbjahr nicht stärker gestiegen ist, dürfte zum einen an den inzwischen recht hohen Kaufpreisen liegen und  zum anderen am gestiegenen Interesse vonseiten strategischer Investoren, die bei zahlreichen Deals in Konkurrenz zu den Finanzinvestoren treten. “Die Bereitschaft, in neue Beteiligungen zu investieren, ist auf Seiten der Private Equity Häuser ungebrochen groß – aber nicht um jeden Preis“, beobachtet Wolfgang Taudte, Partner bei EY. „Immer wieder scheitern Transaktionen an zu hohen Preisvorstellungen der Verkäufer“.

Zudem sei die Bereitschaft strategischer Investoren (Corporates) gestiegen, auch größere Transaktionen ins Auge zu fassen: „Die Kassen sind voll – es gibt sehr viel Geld, das investiert werden will, und das treibt die Preise nach oben“, stellt Taudte fest. Die Aufwärtsentwicklung bei den Kaufpreisen habe inzwischen bei einigen Finanzinvestoren zu einer zunehmenden Zurückhaltung bei Akquisitionen geführt, so Taudte: „Anders als zukaufende Unternehmen, bei denen vielfach eher der strategische Fit im Vordergrund steht als der Kaufpreis, müssen Finanzinvestoren angesichts der angestrebten relativ kurzen Haltedauer die Bewertung sehr genau im Auge behalten“.

Im Gegensatz zur relativ konstanten Entwicklung bei den Private Equity-Transaktionen ist bei den von strategischen Investoren ausgehenden Zukäufen seit Jahren eine starke Dynamik festzustellen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden in Deutschland 260 Unternehmenszukäufe von Corporates getätigt, das waren etwa so viele wie im zweiten Halbjahr 2013 (261) und ein Anstieg um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (236).

Größter M&A-Deal von strategischem Investor
Die größte Private Equity-Transaktion der ersten Jahreshälfte  war der Kauf der Wärmetauscher-Sparte von Gea durch den Finanzinvestor Triton für 1,3 Milliarden Euro. Zweitgrößter Private-Equity-Deal der ersten sechs Monate war die Übernahme des Verpackungsherstellers Mauser durch Clayton, Dubilier & Rice.

Der größte Unternehmenskauf des Jahres wurde hingegen von einem strategischen Investor durchgeführt: die Übernahme der RWE Dea AG durch die LetterOne Group für 5,1 Milliarden Euro.

1 Das Transaktionsvolumen bezieht sich nur auf Transaktionen, deren Wert bekannt gegeben wurde.