Direktinvestitionen nach Deutschland: Bundesländer im Vergleich

Baden-Württemberg Top-Standort für ausländische Investoren – Düsseldorf beliebteste Stadt

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  • Baden-Württemberg zieht 222 Investitionsprojekte an – und liegt damit im Ranking vor Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern
  • Baden-Württemberg bei Schweizern und Amerikanern besonders beliebt – Chinesen gehen nach NRW
  • Die meisten neuen Arbeitsplätze entstehen in Nordrhein-Westfalen
  • Bei den Städten hat Düsseldorf die Nase vorn: Platz 3 im Europa-Ranking hinter London und Paris

Stuttgart, 23. Juli 2014. Baden-Württemberg behauptet seine Position als deutscher Top-Investitionsstandort für ausländische Unternehmen: Im vergangenen Jahr haben ausländische Investoren insgesamt 222-mal in Baden-Württemberg investiert – und dabei neue Betriebsstätten und Arbeitsplätze geschaffen. Im Südwesten gab es 2013 damit ähnlich viele Investitionsprojekte wie im Vorjahr (224) – und deutlich mehr als in jedem anderen Bundesland. Nordrhein-Westfalen landet mit 163 Investitionsprojekten wie im Vorjahr auf dem zweiten Platz. Die Zahl der Direktinvestitionen ist dabei um 20 Prozent gestiegen: Im Vorjahr wurden in Nordrhein-Westfalen lediglich 136 Investitionsprojekte gezählt.

Auf Rang 3 und 4 folgen mit deutlichem Abstand Hessen mit 95 und Bayern mit 61 Investitionsprojekten. Insgesamt ist die Zahl ausländischer Direktinvestitionen in Deutschland im Jahr 2013 um 12 Prozent auf 701 gestiegen.

Die deutsche Stadt mit den meisten ausländischen Investitionsprojekten ist Düsseldorf – vor Frankfurt am Main, München und Berlin. Im Europa-Ranking landet Düsseldorf damit hinter London und Paris auf dem Treppchen.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) zu Investitionsprojekten in Europa und zur Attraktivität des Wirtschaftsraums Europa.

Hauptgrund für das starke Abschneiden Baden-Württembergs ist vor allem das Engagement Schweizer Firmen. Insgesamt führten Schweizer Unternehmen in Deutschland 98 Projekte durch – 76 davon entfielen auf Baden-Württemberg. Nordrhein-Westfalen hingegen profitiert vor allem von Investoren aus Fernost: Von den 163 Projekten in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2013 sind 40 auf Investoren aus China zurückzuführen, weitere 21 auf Japan. Die USA sind mit 31 bzw. 26 Direktinvestitionen sowohl in Baden-Württemberg als auch in Nordrhein-Westfalen stark vertreten.

„Baden-Württemberg liegt in Sachen Auslandsinvestitionen weiterhin unangefochten auf Platz 1“, sagt Peter Englisch, Partner bei EY. „Wie schon im Vorjahr profitiert Baden-Württemberg dabei stark von Schweizer Investoren, die der starke Franken über die Grenzen treibt – das strukturstarke Baden-Württemberg liegt da nicht nur geografisch nahe.“ Allerdings: Nordrhein-Westfalen habe gute Chancen, wieder zu Baden-Württemberg aufzuschließen. Vor allem chinesische Investoren investierten nach wie vor bevorzugt an Rhein und Ruhr.

Bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze durch Investoren aus dem Ausland hat Nordrhein-Westfalen schon jetzt die Nase vorn. Ausländische Investoren schufen im Jahr 2013 insgesamt 2.309 Arbeitsplätze im Land, deutlich mehr als in Sachsen-Anhalt (1.531) und Baden-Württemberg (1.493). Auch wenn in Nordrhein-Westfalen damit nicht mehr ganz so viele Arbeitsplätze geschaffen wurden wie im Vorjahr (2.552) – jeder fünfte in Deutschland durch Auslandsinvestitionen geschaffene Arbeitsplatz entstand 2013 in Nordrhein-Westfalen.

„Nordrhein-Westfalen zieht die meisten Investoren aus dem Wachstumsmarkt China an. Und das ist keineswegs Zufall, sondern die Folge einer aktiven Standortpolitik. Die guten Rahmenbedingungen in Nordrhein-Westfalen sprechen sich unter chinesischen Investoren herum, und auf diese Weise bereitet man den Boden für weitere Investitionen aus dem Land der Mitte“, erläutert Englisch.

Europäisches Städteranking: Düsseldorf hinter London und Paris auf Platz 3
Und auch bei den Städten hat eine Metropole aus Nordrhein-Westfalen die Nase vorn: Ausländische Investoren entschieden sich im vergangenen Jahr 69-mal für Düsseldorf als Investitionsstandort (Vorjahr: 49 Projekte) und damit häufiger als für jede andere Stadt in Deutschland. Ebenfalls auf das Treppchen schafften es Frankfurt am Main (57 Projekte) und München (37 Projekte).

Damit kann sich Düsseldorf auch im europaweiten Vergleich sehen lassen: Nur London und Paris konnten mehr Investitionsprojekte vorweisen als die Rheinmetropole. Im europäischen Städteranking liegt London mit deutlichem Abstand auf Rang 1 (372 Projekte), Paris folgt mit 123 Projekten auf Platz 2. Allerdings ist unter den Top-20-Städten in Europa keine weitere englische oder französische Stadt vertreten. Deutschland kann sich hingegen mit Düsseldorf, Frankfurt am Main, München, Berlin und Stuttgart gleich fünfmal platzieren – ein deutlicher Reflex der föderalen Struktur Deutschlands im Gegensatz zur eher zentralen Struktur Frankreichs und Englands.

Und auch bei den Metropolregionen – Großstädte inklusive ihrer Ballungsräume – steht Düsseldorf im europäischen Vergleich hervorragend da. Nach Greater London (380 Investitionsprojekte) und der Île-de-France (173 Projekte) landet Düsseldorf mit 105 Projekten auf Rang 3. Ebenfalls unter den zehn Metropolregionen mit den meisten ausländischen Direktinvestitionen finden sich Darmstadt (Rang 4: 94 Projekte), Stuttgart (Rang 7: 80 Projekte) und Freiburg (Rang 8: 79 Projekte). Berlin als Hauptstadt schaffte es hingegen nicht in die Top 20 der Metropolregionen.

„Ausländische Investoren haben innerhalb Deutschlands die Auswahl zwischen mehreren starken Wirtschaftszentren – anders als in Großbritannien und Frankreich, wo sich Auslandsinvestitionen weitgehend auf die jeweiligen Hauptstädte konzentrieren“, betont Englisch. „In Deutschland hingegen stehen mehrere starke Regionen im Wettbewerb – das hält die Immobilienpreise auf einem vergleichsweise vernünftigen Niveau und entlastet die Infrastruktur. Bei ihren Investitionen bevorzugen die Investoren aus dem Ausland starke Flächenländer wie Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen – hier finden sie eine intakte Infrastruktur, starke Unternehmen unterschiedlicher Branchen und ausreichend Expansionsflächen.“

Bayern hat das beste Image
Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ziehen zwar die meisten ausländischen Direktinvestitionen an – das beste Image aber hat Bayern. Der Freistaat liegt bei der Zahl der tatsächlichen Investitionsprojekte nur auf Rang 4. Dennoch bezeichnet knapp jeder vierte ausländische Investor (24 Prozent) den Freistaat als grundsätzlich attraktiv für eine Unternehmensansiedlung. Bayern ist damit das Bundesland mit dem besten Image – vor Berlin (17 Prozent grundsätzliche Zustimmung), Baden-Württemberg (15 Prozent) und Hamburg (11 Prozent). Nordrhein-Westfalen wird nur von 5 Prozent der Befragten als besonders attraktiv bezeichnet.

„Oktoberfest, Neuschwanstein und BMW – Bayern ist auf der ganzen Welt bekannt und wird deshalb auch besonders häufig als attraktiver Investitionsstandort genannt“, sagt Englisch. „Die Investoren, die tatsächlich in Deutschland aktiv sind und die Bundesländer aus eigener Anschauung kennen, haben andere Schwerpunkte.“

Besonders deutlich werde der Unterschied zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit bei der Befragung von Investoren mit und ohne Geschäftsaktivitäten in Deutschland. Bei den Investoren mit Geschäftserfahrung in Deutschland liegt zwar ebenfalls Bayern auf Rang 1 (25 Prozent), Baden-Württemberg folgt aber mit nur geringem Abstand (20 Prozent). Berlin wird nur von jedem zehnten Investor genannt. Ganz anders die Einschätzung von Investoren, die Deutschland nur vom Hörensagen kennen: Hier gilt Berlin als attraktivster Ort für eine Unternehmensansiedlung (28 Prozent), gefolgt von Bayern (22 Prozent) und Hamburg (12 Prozent). Baden-Württemberg wird lediglich von 4 Prozent der „Outsider“ ohne Geschäftserfahrung in Deutschland als besonders attraktiv bezeichnet.

Zur Methode:
Basis der Untersuchung ist der „European Investment Monitor“ von EY, eine Datenbank, die die tatsächlichen ausländischen Direktinvestitionen in Europa analysiert. Beobachtet werden nur ausländische Direktinvestitionsprojekte, die neue Betriebsstätten und/oder neue Arbeitsplätze schaffen. Durch den Ausschluss von Portfolioinvestitionen, Fusionen und Akquisitionen zeigt sie die tatsächlichen physischen Investitionen im Produktions- oder Dienstleistungsbereich durch ausländische Unternehmen in Europa auf.

Die Zahlen zu geschaffenen Arbeitsplätzen basieren auf den Angaben der Unternehmen zum Zeitpunkt der Projektankündigung – spätere Aufwärts- oder Abwärtsentwicklungen werden nicht erfasst.

Für die Studie zur Attraktivität der Bundesländer für ausländische Investoren wurden zusätzlich über 200 Manager internationaler Unternehmen zum Standort Deutschland befragt.