EY Studie - Mixed Leadership-Barometer 2014

Die Zahl der weiblichen Vorstände bei deutschen börsennotierten Unternehmen geht weiter zurück

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  • Nur noch 37 weibliche Vorstandsmitglieder in DAX-, MDAX-, SDAX- und TecDAX-Unternehmen – vor einem Jahr waren es noch 41
  • Anstieg nur im DAX, rückläufiger Anteil weiblicher Vorstände in MDAX-, SDAX und TecDAX
  • Frauen inzwischen meist für operative Aufgaben zuständig

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Mixed Leadership Barometer - Januar 2015

(PDF - 484 KB, 14 Seiten)

Stuttgart, 6. Januar 2015. Deutschlands börsennotierte Unternehmen kommen bei ihrem Ziel, mehr Frauen Vorstandsverantwortung zu geben, nicht voran. Im Gegenteil: Der Anteil weiblicher Vorstände ist bei den MDAX-, SDAX- und TecDAX-Unternehmen erneut gesunken. Immerhin: Unter den 30 im DAX gelisteten Unternehmen gibt es eine Trendwende nach oben.

Die Zahl der weiblichen Vorstände in den 160 untersuchten Unternehmen lag zum Stichtag 31. Dezember 2014 bei 37. Vor einem halben Jahr saßen noch 38 Frauen in den Vorstandsetagen, Ende 2013 waren es noch 41, zum 30. Juni 2013 wurden 42 weibliche Vorstandsmitglieder gezählt. Dem stehen aktuell 626 männliche Vorstandsmitglieder gegenüber.

Das sind die Ergebnisse einer Analyse der Vorstandsstruktur der Vorstände der 160 im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX gelisteten Unternehmen, die die Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) zweimal jährlich durchführt.

„Die Bemühungen vieler Unternehmen, mehr Frauen an die Spitze zu bringen, zeigen noch nicht den gewünschten Erfolg“, stellt Ana-Cristina Grohnert, Managing Partner bei EY, fest. „Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass durchaus intensiv daran gearbeitet wird, Frauen bessere Aufstiegschancen zu ermöglichen. Wir sehen aber auch: Dieser Prozess gelingt nicht von heute auf morgen. Und er schließt Vieles mit ein, zum Beispiel die Entwicklung einer offenen Unternehmenskultur und die nachhaltige Förderung weiblicher Nachwuchskräfte.“

Der EY-Studie zufolge sind drei von vier Vorstandsgremien der deutschen börsennotierten Unternehmen nach wie vor ausschließlich mit Männern besetzt. Lediglich in 21 Prozent der Unternehmen sitzt mindestens eine Frau im Vorstand. Mehrere Frauen finden sich sogar nur in 3 Prozent der Gremien. Zum 31. Dezember 2013 hatten 23 Prozent der Unternehmen zumindest eine Frau im Vorstand, die Zahl der Unternehmen mit mehr als einer Frau im Führungsgremium stagniert bei 3 Prozent.

Weniger als sechs Prozent der Vorstandsmitglieder im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX sind Frauen – Ausnahme DAX-Unternehmen
Zum 31. Dezember 2014 waren insgesamt 37 der insgesamt 663 Vorstandsmitglieder weiblich. Der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder ist gegenüber dem Vorjahr damit von 6,1 auf 5,6 Prozent gesunken.

Eine gegenläufige Entwicklung verzeichnen die DAX-Unternehmen: Bei ihnen ist nicht nur die Gesamtzahl von Frauen in den Vorständen gestiegen, auch der Anteil der Unternehmen mit mindestens einer Frau im Vorstand hat deutlich zugenommen. Von 188 Vorstandsmitgliedern waren zum 31. Dezember 2014 14 Frauen, das entspricht einem Anteil von sieben Prozent. Vor einem Jahr waren nur 11 von 188 Vorstandsmitgliedern weiblich. Gleichzeitig stieg der Anteil von DAX-Unternehmen mit mindestens einer Frau im Vorstand von 30 auf 40 Prozent.

Ana-Cristina Grohnert: „Es gibt auch ermutigende Signale: Frauen haben sich in der Zwischenzeit in allen Vorstandsbereichen fest etabliert, immer mehr auch im operativen Bereich. Eine Aufteilung nach klassischen männlichen und weiblichen Ressorts ist damit kaum noch möglich. Darum wird es vermutlich auch nicht mehr lange dauern, bis wir auch in Deutschland mehr weibliche CEOs sehen. Die meisten Unternehmen wissen, dass es in Zukunft keine Alternative zu gemischten Führungsteams gibt. Schließlich hat es sich bereits herumgesprochen, dass gemischte Teams besser funktionieren. „Diese Bemühungen werden auf Dauer Früchte tragen: Kreative, aufgeschlossene und verantwortungsbewusste Unternehmen genießen einen guten Ruf und ziehen deshalb qualifizierte Frauen an. Wenn diese eine echte Chance auf eine persönliche Entwicklung im Unternehmen haben, werden auch die Führungsriegen bald weiblicher werden.“

Nur eine Frau CEO – Verantwortung für das Operative nimmt zu
Derzeit leitet nur eine einzige Frau eines der 160 börsennotierten Unternehmen als CEO. Die Frauen in den Chefetagen übernehmen immer mehr Verantwortung für die operativen Bereiche ihrer Unternehmen. Mehr als jede Dritte der weiblichen Vorstandsmitglieder ist für Operatives zuständig – während es vor einem Jahr nicht einmal jede Vierte war. Zurückgegangen ist dafür der Anteil der Frauen, die Verantwortung für die Finanzen tragen: Nur noch 24 Prozent der weiblichen Vorstandsmitglieder fungieren als Chief Financial Officer. Vor einem Jahr betrug der Anteil noch 29 Prozent. Auch der Anteil der weiblichen Vorstandsmitglieder mit Personalverantwortung hat deutlich abgenommen. Nur noch 16 Prozent der weiblichen Vorstände verantworten das Personalressort nach 22 Prozent im Vorjahr.

Stark unterschiedlicher Frauenanteil je nach Branche
Nach wie vor hoch ist der Frauenanteil im Vorstand im Bereich Transport und Logistik (15 Prozent). Trotz eines deutlichen prozentualen Rückgangs steht die Telekommunikationsbranche auf Platz Zwei der Statistik. In der Rohstoffbranche und in der Informationstechnologie beträgt der Anteil hingegen nur jeweils zwei Prozent. Im Energiesektor ist derzeit kein einziges Vorstandsmitglied weiblich.
 

Entwicklung des Anteils weiblicher Vorstandsmitglieder nach Börsensegment

EY - Entwicklung des Anteils weiblicher Vorstandsmitglieder nach Börsensegment