"Die südeuropäischen Schuldenländern befinden sich nach wie vor in einem Abwärtsstrudel – und das werden wir auch in Deutschland zu spüren bekommen."" Peter Englisch,
Leiter Mittelstand und Partner bei Ernst & Young
Der deutsche Mittelstand stemmt sich bislang erfolgreich gegen die Auswirkungen der Schuldenkrise und macht nach wie vor gute Geschäfte. 92 Prozent der Mittelständler berichten von einer positiven Geschäftslage, jedes zweite Unternehmen ist sogar uneingeschränkt zufrieden.
Allerdings sind die Konjunkturprognosen eingebrochen. Sie fallen so düster aus wie zuletzt im Januar 2009 – auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise. So erwarten 45 Prozent der Mittelständler eine Verschlechterung der Wirtschaftslage in Deutschland, nur elf Prozent einen Aufschwung. Jeder fünfte Mittelständler rechnet sogar mit einer Rezession.
Konjunkturerwartungen stark eingetrübt
"Wie wird sich die allgemeine Wirtschaftslage in Deutschland in den kommenden sechs Monaten entwickeln?"

Neueinstellungen geplant
Für den Arbeitsmarkt gibt es aber gute Nachrichten: Jeder fünfte Mittelständler (22 Prozent) plant, in den kommenden Monaten zusätzliche Mitarbeiter einzustellen. Nur neun Prozent der Betriebe wollen die Belegschaft reduzieren.
Vor einem Jahr lag der Saldo aus positiven und negativen Beschäftigungserwartungen noch bei 23 Prozentpunkten.
Weitere Zuspitzung der europäischen Staatsschuldenkrise erwartet
Nachdem die bisherigen Versuche zur Überwindung der Staatsschuldenkrise fehlgeschlagen sind, ist das Vertrauen der Mittelständler in eine baldige Lösung dieser Krise gering. 91 Prozent gehen davon aus, dass Deutschland in erheblichem Umfang für die Schulden von anderen Euro-Ländern wird aufkommen müssen.
Mit einem Auseinanderbrechen der europäischen Währungsunion rechnet nur jeder vierte Mittelständler. Einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone hält allerdings immerhin jeder zweite für wahrscheinlich.
"Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone hätte Turbulenzen an den Finanzmärkten zur Folge. Vor allem aber gibt es große Ansteckungsrisiken für andere betroffene Euroländer, in denen deutsche Mittelständler in erheblichem Umfang engagiert sind", erklärt Peter Englisch, Leiter Mittelstand und Partner bei Ernst & Young.
Tatsächlich haben die Auswirkungen der Krise längst auch den deutschen Mittelstand erreicht. Bereits heute beklagen 30 Prozent der Mittelständler Umsatzeinbußen durch die Staatsschuldenkrise bzw. den Konjunktureinbruch in den betroffenen Ländern.
Umsatzeinbußen durch Schuldenkrise
"Führen die aktuelle Schuldenkrise und die entsprechend schwache Konjunkturentwicklung in den betroffenen Ländern derzeit zu Umsatzeinbußen für Ihr Unternehmen? "

Kaum vorbereitet auf Worst-Case-Szenario
Mit einer weiteren Verschärfung der Krise kämen auf die deutschen Unternehmen erhebliche Belastungen zu. Zudem sind nur die wenigsten Unternehmen auf den schlimmsten Fall, ein Auseinanderbrechen der Eurozone, vorbereitet. Gerade einmal sieben Prozent der Unternehmen haben Vorkehrungen für einen möglichen Zerfall der Währungsunion getroffen.
Hedging und vertragliche Absicherungen als bevorzugte Strategien
"Welche Vorkehrungen haben Sie getroffen/geplant?"

Hohe Rohstoffpreise das größte Konjunkturrisiko
Das größte Risiko für die Entwicklung der Binnenkonjunktur ist aus Sicht der Mittelständler allerdings derzeit nicht die Schuldenkrise, sondern die hohen Rohstoff- und Energiepreise.
"Das Marktumfeld für die Unternehmen bleibt in höchstem Maße risikobehaftet", fasst Englisch zusammen. Die Unternehmen tun daher gut daran, sich für eine schwierige zweite Jahreshälfte zu wappnen."
^nach oben^