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Gemeinsame Konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage (GKKB)

ZEW Mannheim und EY veröffentlichen eine Studie zur Gemeinsamen Konsolidierten Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage (GKKB)

Common Corporate Tax Base (CC(C)TB) and Determination of Taxable Income
 
 
Die Einführung einer Gemeinsamen Konsolidierten Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage  (GKKB) käme einer steuerlichen Revolution in Europa gleich. Bereits auf der Ebene der Gewinnermittlung (GKB) würde es zu erheblichen Umwälzungen kommen. An die Stelle einer Vielzahl von Einzel-Systemen könnten einheitliche Vorschriften treten.

  • Doch welche Effekte hätte eine GKKB?
  • Welche Änderungen für die Besteuerung von Kapitalgesellschaften ergeben sich aus dem vorliegenden Richtlinienentwurf im Vergleich zu den existierenden Steuersystemen in der EU?

Mit der Kooperationsstudie "Gemeinsame Konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage (GKKB)" legen EY, Professor Dr. Christoph Spengel (Universität Mannheim) und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erstmals eine umfassende Vergleichsstudie zu dieser entscheidenden Frage vor.

Unterstützt durch unser weltweites Netzwerk konnten die gesetzlichen Regelungen zur steuerlichen Gewinnermittlung in 27 EU-Staaten sowie der USA und Schweiz zusammengestellt und mit dem Richtlinienentwurf der GKKB verglichen werden. Erstmals sind damit konkrete Aussagen möglich, wie sich die steuerliche Bemessungsgrundlage für Unternehmen in den EU-Staaten durch eine GKKB ändern könnte.

Wesentliches Ergebnis dieses umfassenden Vergleichs: Es überwiegen die Gemeinsamkeiten. Insgesamt scheint der Systemwechsel – zumindest im Bereich der einheitlichen Gewinnermittlung – durchführbar.

An den Vergleich der Gewinnermittlungsvorschriften schließt sich die Frage nach den Auswirkungen auf die tatsächliche Steuerbelastung für die Unternehmen an. Diese Frage untersucht Professor Spengel mit seinem Team derzeit in ergänzenden Fachbeiträgen. Methodisch greift er dabei auf den European Tax Analyzer zurück, mit dessen Hilfe effektive Steuerbelastungen für Musterunternehmen bestimmt werden können.

Informieren Sie sich über die Funktionsweise einer europaweiten Gemeinsamen Konsolidierten Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage auch in unserem Video.

    • Was ist die GKKB?

      Im Oktober 2001 fasste die Europäische Kommission erstmals den Beschluss, eine EU-weite Körperschaftsteuer einzuführen. Ziel war die Vollendung eines Binnenmarktes "ohne steuerliche Hindernisse".

      Doch wie sich schnell abzeichnete, war das Vorhaben politisch hochbrisant. Einige Staaten sahen die Gefahr, in erheblichem Umfang Steueraufkommen an andere Länder abgeben zu müssen. Andere Länder sahen ihre Niedrigsteuer-Strategie gefährdet. Folge war ein langwieriges europäisches Verfahren, das mehrfach zu scheitern drohte.

      Doch im Windschatten der Finanzmarkt- und Eurokrise hat das Thema unerwartet neuen Schwung erhalten. Auf der Suche nach möglichen Strukturreformen, die das Wirtschaftswachstum in Europa langfristig antreiben können, setzten die europäischen Staaten die GKKB wieder auf die Prioritätenliste. Am 16. März 2011 legt die Europäische Kommission daraufhin den lang erwarteten Richtlinien-Entwurf vor.

      Das Projekt einer Gemeinsamen Konsolidierten Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage (GKKB) besteht zunächst aus einer europaweit einheitlichen steuerlichen Gewinnermittlung von Kapitalgesellschaften. Die Richtlinie enthält folglich den Entwurf eines gesamteuropäischen Steuerbilanzrechts.

      Bei europaweit tätigen Unternehmen werden die steuerlichen Ergebnisse anschließend grenzüberschreitend zusammengefasst ("konsolidiert"). Dazu gehört auch eine grenzüberschreitende Verlustverrechnung.

      In einem weiteren Schritt wird dieser konsolidierte Gesamtgewinn dann nach einem Schlüssel all jenen Ländern zugewiesen, in denen das Unternehmen über Gesellschaften oder Betriebsstätten tätig ist. Bei der Verteilung der Bemessungsgrundlage berücksichtigt der Schlüssel die Anteile der jeweiligen Länder an Betriebsvermögen, Lohnsumme, Arbeitnehmern und Umsätzen des Gesamtkonzerns.

      Auf diese Bemessungsgrundlage wenden die EU-Staaten schließlich ihre nationalen Steuersätze an.

    • Europäisches Parlament beschließt Änderungen

      Das Europäische Parlament hat am 19. April 2012 den Richtlinien-Entwurf zur Gemeinsamen Konsolidierten Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage (GKKB) vom 16. März 2011 grundsätzlich gebilligt und gleichzeitig einige Änderungsvorschläge beschlossen.

      Mit den Änderungsvorschlägen des Parlaments wird die Europäische Kommission aufgefordert, ihren Richtlinien-Entwurf u.a. in den folgenden Punkten zu modifizieren oder zu ergänzen:

      • Aufteilungsformel: Anstelle einer gleichmäßigen Gewichtung sollen die Faktoren Vermögen und Arbeit zu je 45 Prozent sowie der Faktor Umsatz zu zehn Prozent einfließen.
      • Alte Verluste: Ungenutzte Verlustvorträge eines Unternehmens aus der Zeit vor dessen Beitritt zum GKKB-System können grundsätzlich in der GKKB berücksichtigt werden. Anstelle eines Abzugs von der GKKB-Bemessungsgrundlage vor Aufteilung auf die einzelnen Staaten soll der Verlustvortrag von dem Teil der Bemessungsgrundlage desjenigen Staates abgezogen werden, aus dem der Verlustvortrag stammt.
      • Steuerfreiheit von Erträgen aus Drittstaaten: Der Wechsel von der Freistellungs- zur Anrechnungsmethode bei Dividenden und Veräußerungsgewinnen aus Beteiligungen an Kapitalgesellschaften in Drittstaaten sowie aus Drittlands-Betriebsstätten soll bereits erfolgen, wenn das Drittland eine Gewinnbesteuerung von weniger als 70 Prozent (statt 40 Prozent) des durchschnittlichen Körperschaftsteuersatzes in der EU anwendet.
      • Verpflichtende Besteuerung unter GKKB-Regime: Für Europäische Gesellschaften und europäische Genossenschaften soll nach Ablauf von zwei Jahren nach erstmaliger Anwendung der GKKB durch die Mitgliedstaaten die Teilnahme am GKKB-System verpflichtend sein. Für andere Unternehmen (außer KMU) soll dies nach Ablauf von fünf Jahren nach erstmaliger Anwendung gelten.
      • KMU: Auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollen mittelfristig für die GKKB optieren können.

      Darüber hinaus schlägt das Parlament vor, dass die Richtlinie bei nicht zu erreichender Einstimmigkeit aller EU-Mitgliedstaaten im Wege der verstärkten Zusammenarbeit nur der Euro-Mitgliedstaaten angenommen werden soll. Das würde ähnlich wie bei der Einführung des Euro bedeuten, dass bereits neun Mitgliedstaaten ausreichen würden, um die Richtlinie in Kraft treten zu lassen.

      Die Europäische Kommission ist nicht an die vom Parlament beschlossenen Änderungen gebunden.

      In der Zwischenzeit sind auch die technischen Diskussionen im Rat unter der Präsidentschaft Dänemarks weiter vorangeschritten. Dem Vernehmen nach gibt es hier wesentlich schärfere Änderungsvorschläge wie die Einführung einer Mindestbesteuerung, einer Zinsschranke sowie weiterer Beschränkungen des Betriebsausgabenabzugs.

    • Bundesregierung äußert sich zur GKKB

      Spannend war die Frage, wie die Bundesregierung auf den Vorschlag zur GKKB reagieren würde. Im Rahmen einer sogenannte "Kleinen Anfrage" der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zeigt sich die Bundesregierung bezüglich der grenzüberschreitenden Konsolidierung und anschließender Aufteilung der Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage eher ablehnend. Auch die Einführung der GKKB nur innerhalb einer Gruppe von EU-Staaten im Rahmen der verstärkten Zusammenarbeit hält sie nicht für sinnvoll. Ferner lehnt sie es ab, das System der GKKB optional zu gestalten. Stattdessen will sich die Bundesregierung für eine gemeinsame Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage (GKB) ohne Konsolidierung einsetzen. In einer EU-weit einheitlichen Gewinnermittlung sieht sie Vereinfachungspotenzial für Verwaltung und Unternehmen, insbesondere bei der Dokumentation von Verrechnungspreisen.

       

    Kontakt

    Ernst & Young GmbH
    Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
    Martina Ortmann-Babel
    Mittlerer Pfad 15
    70499 Stuttgart
    Telefon +49 (711) 9881 15754
    E-Mail Martina Ortmann-Babel 

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    CCCTB Studie Buch

    Studie veröffentlicht
    Die Studie ist im Buchhandel erhältlich.
    Spengel, Zöllkau 2012
    ISBN 978-3-642-28432-8