Tax Services

  • Share

Steuer-Ticker

Unser Steuer-Ticker informiert Sie laufend über aktuelle Trends und Entwicklungen im Steuerrecht. 

  • BFH: Urteil zur gewerbesteuerliche Hinzurechnung bei Schachteldividenden an Organgesellschaft veröffentlicht

    Stand: 19. März 2015

    In dieser Woche hat der BFH seine schriftliche Urteilsbegründung zur gewerbesteuerlichen Hinzurechnung bei Schachteldividenden an eine Organgesellschaft veröffentlicht (Urteil vom 17. Dezember 2014, I R 39/14).

    Gewinnausschüttungen, die unter das gewerbesteuerliche Schachtelprivileg (§ 9 Nr. 2a, Nr. 7 GewStG) fallen, unterliegen bei der diese Schachteldividenden empfangenden Kapitalgesellschaft grundsätzlich zu fünf Prozent der Körperschaft- und der Gewerbesteuer. Im Fall einer gewerbesteuerlichen Organschaft war streitig, ob bei der Organträgerin eine Hinzurechnung von fünf Prozent nicht abzugsfähigen Betriebsausgaben nach § 8b Abs. 5 KStG wegen einer im Gewerbeertrag der Organgesellschaft enthaltenen Gewinnausschüttung vorzunehmen ist.

    Dazu hat der BFH im Revisionsverfahren entschieden, dass eine an die Organgesellschaft ausgeschüttete Schachteldividende insgesamt zu 100 Prozent gewerbesteuerfrei bleibt und damit das Urteil der Vorinstanz FG Münster (Urteil vom 14. Mai 2014, 10 K 1007/13 G) bestätigt.

    Mit dem Urteil stellt sich der BFH gegen die Rechtsauffassung der Finanzverwaltung, wonach die Nichtanwendung des § 8b Abs. 5 KStG im Rahmen der Ermittlung des Gewerbeertrags der Organgesellschaft auf Ebene der Organträgerin nachzuholen und der Gesamtgewerbeertrag der Organträgerin entsprechend um 5 Prozent fiktiv nicht abzugsfähige Betriebsausgaben zu erhöhen wäre (OFD Münster vom 4. September 2006, Fallbeispiel 3.1).

    Bescheide, in denen in vergleichbaren Fällen eine fünfprozentige Hinzurechnung vorgenommen worden ist, sollten – nach Prüfung der im Einzelfall entstehenden Steuerfolgen – angefochten werden. Analog sollte die fünfprozentige Schachtelstrafe für Gewerbesteuerzwecke ebenfalls nicht auf von einer Organgesellschaft empfangene vororganschaftliche Mehrabführungen anfallen.

  • BFH: GrESt bei Änderung des Gesellschafterbestands nach Grundstückserwerb

    Stand: 19. März 2015

    Erwirbt eine Personengesellschaft von ihrem Gesellschafter ein Grundstück, wird die Grunderwerbsteuer in Höhe des Anteils nicht erhoben, zu dem der Veräußerer am Vermögen der Gesamthand beteiligt ist. Die Steuer ist jedoch insoweit nachzuerheben, als sich der Anteil des Gesellschafters am Gesellschaftsvermögen innerhalb von fünf Jahren nach dem Übergang des Grundstücks vermindert (§ 5 Abs. 3 GrEStG).

    In Fällen einer mindestens 95 prozentigen Übertragung von Gesellschaftsanteilen, käme es somit zu einer Doppelbesteuerbesteuerung mit Grunderwerbsteuer. Grund dafür ist, dass dieser sog. fiktive Grundstückserwerb innerhalb von fünf Jahren ebenfalls grunderwerbsteuerbar ist (§ 1 Abs. 2a GrEStG). Das Gesetz sieht daher eine Anrechnung der Bemessungsgrundlage für den Grundstückserwerb auf die spätere anteilsbezogene Bemessungsgrundlage vor.

    Der BFH hat in einer Entscheidung vom 17. Dezember 2014 (II R 2/13) nun festgestellt, dass diese Steueranrechnung unabhängig davon zu erfolgen hat, ob die Steuer für den Grundstückserwerb der Gesellschaft von ihrem Gesellschafter tatsächlich festgesetzt und erhoben wurde. Entscheidend ist vielmehr, dass für den Grundstückserwerb der Personengesellschaft – wie im Urteilsfall – bei zutreffender materiell-rechtlicher Würdigung gem. § 5 Abs. 3 GrEStG die Vergünstigungsvoraussetzungen entfallen sind.

  • BFH: Aufnahme neuer Gesellschafter in eine Personengesellschaft gegen Zuzahlung an Altgesellschafter

    Stand: 19. März 2015

    Wird ein Betrieb, ein Teilbetrieb oder ein Mitunternehmeranteil in eine Personengesellschaft derart eingebracht, dass der Einbringende ein Mitunternehmer der Gesellschaft wird, kann die Personengesellschaft das eingebrachte Betriebsvermögen nach § 24 UmwStG unter bestimmten Voraussetzungen mit dem Buch- oder einem Zwischenwert bzw. max. mit dem Teilwert ansetzen. Der Neueintritt eines Gesellschafters in eine bestehende Personengesellschaft gilt als Einbringungsvorgang, bei dem alle Gesellschafter ihre Einlage (erneut) in eine um den eintretenden Gesellschafter erweiterte Personengesellschaft leisten.

    Der Wert, mit dem das eingebrachte Betriebsvermögen in der Bilanz der Personengesellschaft einschließlich der Ergänzungsbilanzen angesetzt wird, gilt für den jeweiligen Einbringenden als Veräußerungspreis i. S. d. § 16 EStG. Kann das Wahlrecht zum Buchwertansatz ausgeübt werden, ist der Einbringungsvorgang steuerneutral.

    Mit Urteil vom 17. September 2014, IV R 33/11, hat der BFH zu der strittigen Frage Stellung genommen, ob der Eintritt eines neuen Gesellschafters in eine Personengesellschaft für die Altgesellschafter steuerneutral nach § 24 UmwStG erfolgen kann, wenn eine Zuzahlung geleistet wird und diese Zuzahlung nicht als Einlage in das Betriebsvermögen der Personengesellschaft, sondern in ein anderes der deutschen Besteuerung unterliegendes Betriebsvermögen der Altgesellschafter gelangt. Im Urteilsfall hatten die Altgesellschafter von den eintretenden Neugesellschaftern als Gegenleistung Anteile an einer anderen Personengesellschaft erhalten.

    Der BFH hat dies im Entscheidungsfall verneint. Nach seiner Auffassung können die Tatbestände der Veräußerung und der Einbringung von Betriebsvermögen miteinander verbunden sein, wenn ein neuer Gesellschafter gegen (Zu-)Zahlung eines Entgelts an die Altgesellschafter in eine Personengesellschaft eintritt. Einbringende sind in diesem Fall die Altgesellschafter, welche die (ideellen) Anteile ihres Betriebsvermögens (ihre Mitunternehmeranteile) in die um die Neugesellschafter erweiterte Personengesellschaft einbringen.

    Hat der Neugesellschafter hierfür ein Entgelt an die Altgesellschafter zu entrichten, erfolgt die Einbringung insoweit allerdings auf fremde Rechnung. In diesem Fall ist § 24 UmwStG nicht anwendbar. § 24 UmwStG erfasst nur die für eigene Rechnung des Einbringenden vollzogene Einbringung des Betriebsvermögens, d.h. der Einbringende muss durch die Einbringung selbst die Rechtsstellung eines Gesellschafters und Mitunternehmers der (erweiterten) Personengesellschaft erlangen.

    Soweit Anteile auf fremde Rechnung eingebracht werden, fehlt es nach Auffassung des BFH an einer eigenen Leistung des Altgesellschafters zur Stärkung der Gesellschaft bzw. seiner eigenen Gesellschafterstellung, d. h. insoweit liegt ein veräußerungsähnlicher Tatbestand vor.

    Leistet der Neugesellschafter demgegenüber eine Einlage in das Gesellschaftsvermögen, kommt eine Besteuerung der Altgesellschafter nach § 16 Abs. 1 und Abs. 2 EStG grundsätzlich nicht in Betracht. Der neue Gesellschafter hat aktivierungspflichtige Anschaffungskosten für die erlangten Anteile am Gesamthandsvermögen in Höhe des Werts seiner Einlage. Dies soll für die einseitige entgeltliche Kapitalerhöhung, die eine Änderung der Beteiligungsverhältnisse bewirkt, entsprechend gelten.

    Für die Frage, ob eine Zuzahlung an die Altgesellschafter vorliegt und die Einbringung der Mitunternehmeranteile somit auch auf Rechnung der Neugesellschafter erfolgt, ist es ohne Belang, ob die Gegenleistung in das Privatvermögen oder in ein Betriebsvermögen der Altgesellschafter gelangt. In beiden Fällen kommt nach Ansicht des BFH eine Anwendung des § 24 UmwStG nicht in Betracht.

  • BMF: Umkehr der Steuerschuldnerschaft bei Lieferungen von Metallen

    Stand: 19. März 2015

    Lieferungen bestimmter Edelmetalle, unedler Metalle und Cermets unterliegen gemäß § 13b Abs. 2 Nr. 11 UStG i. V. m. Anlage 4 der umgekehrten Steuerschuldnerschaft, bei der der Leistungsempfänger anstelle des leistenden Unternehmers die Umsatzsteuer abzuführen hat.

    Durch das ZollkodexAnpG wurde § 13b Abs. 2 Nr. 11 UStG sowie die dazugehörige Anlage 4 zum 1. Januar 2015 neu gefasst. Dabei wurden auch manche Metalle und Erzeugnisse aus der Anlage gestrichen. So führen beispielsweise Lieferungen von Selen und Gold sowie Erzeugnisse aus unedlen Metallen wie Draht, Stangen, Bänder, Folien, Bleche und andere flachgewalzte Erzeugnisse nicht mehr zur Umkehr der Steuerschuldnerschaft auf den Leistungsempfänger. Außerdem wurde für die Lieferung der in Anlage 4 genannten Metalle eine Bagatellgrenze i. H. v. 5.000 Euro pro wirtschaftlichem Vorgang eingeführt.

    Mit Schreiben vom 13. März 2015 nimmt das BMF ausführlich zu diesen Änderungen des § 13b Abs. 2 Nr. 11 UStG sowie der Anlage 4 Stellung und erläutert anhand von Beispielen verschiedene Anwendungsfälle der Neuregelung. Die Regelungen des BMF-Schreibens sind grundsätzlich auf Umsätze anzuwenden, die nach dem 31.12.2014 ausgeführt werden.

    Es bestehen aber weiterführende Regelungen zur zeitlichen Abgrenzung und Übergangsregelungen. Hierbei werden auch die bestehenden Übergangsregelungen, welche mit BMF-Schreiben vom 5. Dezember 2014 und 22. Januar 2015 gewährt wurden, im aktuellen Schreiben zusammengefasst.

  • BFH: Persönliche Zurechnung eines Sanierungsgewinns

    Stand: 12. März 2015

    Soweit ein Forderungsverzicht zufällig oder gezielt in zeitlichem und/oder sachlichem Zusammenhang mit einem Gesellschafterwechsel einer Mitunternehmerschaft steht, stellt sich die Frage nach der persönlichen Zurechnung des (Sanierungs-)Gewinns aus dem Erlass der entsprechenden Unternehmensschulden.

    Der BFH hat dazu mit Urteil vom 22. Januar 2015 (IV R 38/10) seine Rechtsprechung fortgeführt und entschieden, dass es darauf ankommt, wer nach den zwischen den Vertragsparteien getroffenen Vereinbarungen die (später) erlassene Verbindlichkeit tragen sollte. Entsprechend ist bei einem unsanierten Anteilserwerb dem Neugesellschafter der Ertrag aus einem diesbezüglichen Forderungsverzicht der Gläubiger zuzurechnen, denn der Verzicht kommt dann wirtschaftlich dem Neugesellschafter zugute.

    Bei einem Anteilserwerb an einem sanierten Unternehmen, ist der entsprechende Ertrag hingegen dem Altgesellschafter zuzurechnen, der durch den Erlass von seiner Haftung entbunden wird. Für die persönliche Zurechnung ist dabei nach ständiger Rechtsprechung nach den allgemeinen Grundsätzen jeweils die handelsrechtliche Gewinnverteilungsabrede zu berücksichtigen.

    Soweit der BFH in seiner früheren Rechtsprechung auch auf rechtliche und wirtschaftliche Gründe (z. B. Neuzuführung von Finanzmitteln durch die Neugesellschafter nur bei gleichzeitigem Ausscheiden der Altgesellschafter) abgestellt hat, die den Forderungsverzicht des Gläubigers ausgelöst haben, hält er daran nicht weiter fest

  • BFH: Innergemeinschaftliche Lieferung verbrauchssteuerpflichtiger Waren

    Stand: 12. März 2015

    Für die Anerkennung einer steuerfreien innergemeinschaftlichen Lieferung muss der Verkäufer u. a. nachweisen, dass der Abnehmer der Ware im Zielland der Umsatzsteuer unterliegt (§ 6a Abs. 1 Nr. 3 UStG). Dafür ist regelmäßig die USt-IdNr. des Empfängers nötig.

    Aktuell hat der BFH entschieden, dass eine Lieferung verbrauchsteuerpflichtiger Waren durch einen im Inland ansässigen Unternehmer an einen im Ausland ansässigen Unternehmer, der keine USt-IdNr. verwendet, trotzdem als innergemeinschaftliche Lieferung steuerfrei sein kann. Voraussetzung dafür ist, dass der Lieferer redlicherweise, und nachdem er alle ihm zumutbaren Maßnahmen ergriffen hat, diese USt-IdNr. nicht mitteilen kann. Ferner muss er Angaben machen, die hinreichend belegen können, dass der Erwerber ein Steuerpflichtiger ist, der bei dem betreffenden Vorgang als solcher gehandelt hat (Urteil vom 21. Januar 2015, XI R 5/13).

    Des Weiteren führt der BFH erneut aus, dass es für die Steuerbefreiung nicht zwingend erforderlich ist, dass der innergemeinschaftliche Erwerb besteuert wird. Eine „bloße“ Steuerbarkeit in dem anderen Mitgliedstaat ist ausreichend. Dies ist auch dann gegeben, wenn der innergemeinschaftliche Erwerb im Bestimmungsmitgliedstaat steuerfrei ist oder einem sog. Nullsatz unterliegt.

    Hinweis: Das FG München hat dem EuGH eine Vorlagefrage zu dem Erfordernis und der Bedeutung der USt-IdNr. für die Umsatzsteuerfreiheit zur Vorabentscheidung vorgelegt (FG München vom 4. Dezember 2014, 14 K 1511/14; EuGH: C-24/15).

  • BFH: Keine Abgeltungsteuer bei Darlehen unter Angehörigen bei finanzieller Beherrschung

    Stand: 12. März 2015

    Einkünfte aus Kapitalvermögen unterliegen grundsätzlich der Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Davon gibt es jedoch Ausnahmen, beispielsweise wenn beim Darlehensnehmer Betriebsausgaben oder Werbungskosten entstehen und das Darlehen von einer nahe stehenden Personen gewährt wird.

    In mehreren Urteilen aus dem Jahr 2014 (VIII R 31/11, VIII R 9/13, VIII R 35/13, VIII R 44/13) hatte der BFH positiv für den Steuerpflichtigen geurteilt und die grundsätzliche Anwendung der Ausnahmeregelung auf alle Fälle der Darlehensgewährung unter Angehörigen i. S. d. § 15 AO abgelehnt. Anders sieht der BFH dies nun im aktuell vorliegenden Urteil vom 28.01.2015 (VIII R 8/14).

    Ein Steuerpflichtiger hat seinem Ehepartner, der weder über regelmäßiges (Arbeits-)Einkommen noch größeres Vermögen verfügte, ein vollfinanzierendes Darlehen zur Anschaffung und Renovierung einer fremdvermieteten Immobilie gewährt. Auf die hieraus erzielten Kapitalerträge hat der BFH die Anwendung des gesonderten Abgeltungsteuertarifs ausgeschlossen und diese der tariflichen Einkommensteuer unterworfen. Grund hierfür sei – mit Bezug auf die frühere Rechtsprechung – nicht das persönliche Näheverhältnis der Ehegatten.

    Das aus der Eheschließung abgeleitete persönliche Interesse reiche nicht aus, um ein Näheverhältnis i. S. d. § 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a EStG zu begründen. Vielmehr sei der beherrschende Einfluss des Steuerpflichtigen auf den von ihm finanziell abhängigen Ehepartner bei der Gewährung des Darlehens schädlich für eine begünstigte Besteuerung. Da der Darlehensnehmer weder über (Arbeits-)Einkommen noch über nennenswertes Vermögen verfügte, wäre eine alternative Finanzierung z. B. über eine Bank nicht möglich gewesen.

    Einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz in Art. 3 Abs. 1 i. V. m. Art. 6 Abs. 1 GG sah das Gericht nicht als gegeben an, vielmehr wird eine gebotene gleichmäßige Besteuerung nur erreicht, wenn Mitnahmeeffekte verhindert werden. Ausdrücklich offen gelassen hat der BFH, ob die Darlehensgewährung überhaupt dem Grunde nach anzuerkennen sei (Fremdüblichkeit). Im vorliegenden Fall von zusammenveranlagten Ehegatten spielte das keine Rolle, da die Anwendung des Normaltarifs auf die erzielten Zinseinnahmen beim Darlehensgeber im Ergebnis den Zinsabzug beim Darlehensnehmer exakt kompensiert.

    Das nunmehr vorliegende Urteil zeigt Grenzen der Gestaltung bei Darlehensverträgen unter Angehörigen unter Nutzung des Abgeltungsteuersatzes auf. Für Darlehensgewährung an Nicht-Ehegatten, z. B. Kinder oder Enkelkinder, sollte der Hinweis des BFH, dass auch die grundsätzliche Anerkennung des Darlehens zu prüfen ist (Fremdüblichkeit), ernst genommen werden.

  • BFH: Energieerzeugnisse mit zweierlei Verwendungszweck („dual use“)

    Stand: 12. März 2015

    Wird ein Energieerzeugnis im Rahmen eines Herstellungsprozesses nicht nur als Heizstoff verwendet, sondern sind dessen Verbrennungsgase darüber hinaus zum Abschluss des Herstellungsprozesses erforderlich, so liegt ein sog. „zweierlei Verwendungszweck“ i. S. d. § 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. d EnergieStG vor, ohne dass es auf eine Rangfolge der Verwendungszwecke oder ein zusätzliches Wesentlichkeitserfordernis ankommt.

    Mit Urteil vom 13. Januar 2015 (VII R 35/12) modifizierte der BFH damit seine bisherige Rechtsprechung vom 28. Oktober 2008 (VII R 6/08) hinsichtlich des Begriffs des „zweierlei Verwendungszwecks“ im Rahmen der Entlastung von der Energiesteuer nach § 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. d EnergieStG. Der BFH schließt sich hierbei der Auffassung des EuGH aus seinem Urteil aus Oktober 2014 an (C-426/12). Eine Steuerentlastung nach § 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. d EnergieStG wird grundsätzlich gewährt, wenn Energieerzeugnisse gleichzeitig zu Heizzwecken und zu anderen Zwecken als Heiz- oder Kraftstoff verwendet worden sind.

    Basierend auf dem Urteil des EuGH stellte der BFH bei der Auslegung des Begriffs „zweierlei Verwendungszweck“ nun darauf ab, dass der Produktionsprozess ohne den Einsatz der Verbrennungsprodukte des Energieerzeugnisses nicht zu Ende geführt werden kann. Eine Rangfolge bzw. Wertigkeit der Verwendungszwecke lässt sich nach der modifizierten Auffassung des BFH dabei weder aus der Energiesteuerrichtlinie noch aus den nationalen Vorschriften zum Energiesteuerrecht ableiten.

    Zudem stellt der BFH mit seinem aktuellen Urteil klar, dass unter „zweierlei Verwendungszweck“ keine streng zeitgleiche Verwendung zu verstehen ist. Ausreichend sei vielmehr die räumliche und zeitliche Nähe der Verwendung in einer Anlage im Rahmen eines „einheitlichen industriellen Prozesses oder Verfahrens“ sowohl als Heizstoff als auch für andere Zwecke.

    Der Einsatz des Energieerzeugnisses als Roh-, Grund- oder Hilfsstoff zur Bearbeitung oder Herstellung eines anderen Produkts ist nach weiterer Auffassung des Gerichts kein entscheidungserhebliches Kriterium. Der Begriff „andere Zwecke“ zielt demnach nicht auf eine stoffliche Verbindung zwischen dem Energieerzeugnis und dem Endprodukt ab, d.h. das Energieerzeugnis muss nicht Bestandteil des Endproduktes sein.

    In den Fällen, in denen es um die Nutzung von Verbrennungsgasen geht, muss das eingesetzte Energieerzeugnis (oder dessen Verbrennungsprodukt) lediglich für den Abschluss des Produktionsprozesses erforderlich sein.

  • BMF: Vorläufige Festsetzung der Erbschaftsteuer

    Stand: 12. März 2015

    Sämtliche Festsetzungen von nach dem 31. Dezember 2008 entstandener Erbschaftsteuer (Schenkungsteuer) sind in vollem Umfang vorläufig durchzuführen. Dies legt ein gleichlautender Ländererlass vom 12. März 2015 mit Blick auf die durch das Urteil des BVerfG vom 17. Dezember 2014 (1 BvL 21/12) angeordnete Verpflichtung zur gesetzlichen Neuregelung fest. Damit werden durch die gesetzliche Neuregelung begründete Aufhebungen oder Änderungen von Steuerbescheiden von Amts wegen vorgenommen.

    Bereits mit gleichlautendem Ländererlass vom 14. November 2012 war die Vorläufigkeit der nach dem 31. Dezember 2008 festgesetzten Erbschaftsteuer (Schenkungsteuer) erklärt worden. Nachdem nun das BVerfG die Unvereinbarkeit des ErbStG mit dem Grundgesetz festgestellt hat und der Gesetzgeber zu einer Neuregelung verpflichtet ist, basiert die Rechtsgrundlage für die Vorläufigkeit jedoch nicht mehr auf § 165 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 AO, sondern auf § 165 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 AO. Der Erlass vom 14. November 2012 wird aufgehoben.

    Ausdrücklich weist das Schreiben vom 12. März 2015 darauf hin, dass das bisherige Erbschaftsteuerrecht bis zur gesetzlichen Neuregelung weiter anwendbar bleibt.

  • BMF: Umsatzsteuerliche Behandlung von Preisnachlässen durch Verkaufsagenten/Vermittler

    Stand: 5. März 2015

    Zur umsatzsteuerlichen Behandlung der Gewährung eines Preisnachlasses durch einen Vermittler/Verkaufsagenten hat das BMF mit Schreiben vom 27. Februar 2015 Stellung genommen und seine bisherige Verwaltungsauffassung geändert. Die Änderung des UStAE in Abschnitt 10.3 und 17.2 Abs. 10 ist eine Reaktion auf ergangene Rechtsprechung, wonach es nicht zu einer Minderung der Bemessungsgrundlage für die Vermittlungsleistung nach § 17 UStG kommt, wenn ein Vermittler dem Empfänger des von ihm vermittelten Umsatzes einen Preisnachlass gewährt (EuGH-Urteil vom 16. Januar 2014, C-300/12 und BFH-Urteile vom 27. Februar 2014, V R 18/11 sowie vom 3. Juli 2014, V R 3/12). Dementsprechend führt der Preisnachlass auch nicht zu einer Vorsteuerberichtigung beim Kunden.

    Das BMF hält damit, ebenso wie vormals der BFH, nicht mehr an der Auffassung fest, wonach ein Vermittler das Entgelt für seine Vermittlungsleistung mindern kann, wenn er dem Kunden der von ihm vermittelten Leistung einen Preisnachlass gewährt. Für Zentralregulierungskonstellationen behält das BMF sich allerdings eine abweichende Einordnung in Einzelfällen vor.

    Das BMF-Schreiben hebt die Schreiben vom 8. Dezember 2006 sowie vom 12. Dezember 2008 auf. Die Grundsätze des aktuellen Schreibens sind in allen noch offenen Fällen anzuwenden. Es wird jedoch nicht beanstandet, wenn die Vermittler/Verkaufsagenten für Preisnachlässe, die bis zur Veröffentlichung der o. g. BFH-Urteile im BStBl. II gewährt wurden, von einer Entgeltminderung ausgegangen sind.

    Die neue Verwaltungsmeinung hat erhebliche Auswirkungen insbesondere für Reisevermittler, den Telekommunikationssektor, den Automobilhandel und alle Branchen, die mit Zentralregulierern zusammenarbeiten.

 

Kontakt

Ernst & Young GmbH
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Martina Ortmann-Babel
Mittlerer Pfad 15
70499 Stuttgart
Telefon +49 (711) 9881 15754
E-Mail Martina Ortmann-Babel 

Connect with us

Bleiben Sie mit uns in Kontakt über Soziale Netzwerke und unsere Webcasts. Oder laden Sie unsere App EY Insights herunter.