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Entrepreneur des Jahres Home > Sieger und Finalisten > Die Sieger 2007: 360 Treasury Systems AG
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„Entrepreneur des Jahres 2007“ in der Kategorie Start-up:


Carlo Kölzer, 360 Treasury Systems AG, Frankfurt



Sieger 2007: 360 Treasury - Carlo Koelzer Carlo Kölzer

Für den Handel mit Devisen, Geld und Zinsderivaten konstruierte die 360 Treasury Systems AG eine elektronische Handelsplattform. Unter der Führung von Carlo Kölzer wuchs das Start-up-Unternehmen in wenigen Jahren zu einem europaweit bedeutsamen Software-Spezialisten. Für dieses Engagement und seine Risikobereitschaft als Gründer würdigt das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Ernst & Young Carlo Kölzer als „Entrepreneur des Jahres 2007“.

Der Entrepreneur

Neue Bedürfnisse erkennen, Antworten suchen und daraus Werkzeuge entwickeln – eine alltägliche Problemlösungsabfolge, die zur erfolgreichen Geschäftsidee wurde. Das gilt für 360 Treasury Systems und Carlo Kölzer (Jahrgang 1972). Nach Betriebswirtschaftsstudium und mehreren Aufgaben bei Investmentbanken sah sich Kölzer zunehmend unter Kollegen und Kunden mit dem Anspruch konfrontiert, Währungen und Geldmarktprodukte ebenso einfach handeln zu können wie Wertpapiere. Unternehmen, Fondsgesellschaften, ja sogar Banken brauchten eine schnellere und sicherere Alternative zum Telefonhandel. Wenn er diese Alternative liefern könnte, hatte er zudem die Chance, es seinem Großvater nachzutun und ein Unternehmen zu gründen. Seine Unternehmensidee hatte den „konstruktiven Stress-Test“, nach dem Technik wie auch Pläne unter Alltagsbedingungen kritisch überprüft wurden, sofort bestanden. So suchte der Geldmarkt-Experte und Angestellte von Dresdner Kleinwort Benson technisch versierte Mitstreiter und finanzkräftige Partner – und legte los. „Wir sind ein Team aus erfahrenen Bankern, Finanzfachleuten und Software-Spezialisten, das sich zum Ziel gesetzt hat, Unternehmen und Banken auf ihrem Weg in die Zukunft der Kapitalmarkttechnologie zu begleiten“, beschreibt Kölzer sein Unternehmen 360 Treasury Systems, kurz 360T. Die Gruppe entwickelte das Multidealer Trading System Tex, über das Unternehmen heute außerbörslich ihre Finanzgeschäfte organisieren können. Der anfänglichen Skepsis von Kunden und dem Widerstand von Banken begegnete der leidenschaftliche Sportler Kölzer mit Geduld, Ausdauer und hohem Qualitätsanspruch. Das überzeugte: Das durchschnittliche Handelsvolumen, das auf seiner Handelsplattform abgewickelt wird, erreicht über 10 Milliarden Euro täglich. Im Umgang mit seinen 47 Mitarbeitern zeigt sich Kölzer als pragmatischer Manager und als Teamplayer, der für seine Mitarbeiter ein offenes Ohr hat und lieber nach Lösungen sucht als lange Ursachenforschung zu betreiben. „Die Mitarbeiter sind der größte Aktivposten von 360T. Wir können das Gewöhnliche nur übertreffen, wenn wir in der Lage sind, die besten Talente um uns zu scharen“, weiß der Unternehmer um die Wichtigkeit der Human Resources in seiner Branche.

Die Innovation

„Wie im Aktien-, Bond- und Terminhandel waren auch im Devisenhandel der Banken untereinander elektronische Handelssysteme bereits Standard“, erinnert sich Kölzer an den Start. Wollten allerdings Unternehmen Finanzinstrumente wie Swaps oder Devisen kaufen, mussten sie erst umständlich in den verschiedenen Systemen ihrer jeweiligen Banken suchen und Angebote vergleichen – beinahe ebenso zeitaufwändig wie der Telefonhandel. Kölzer konstruierte mit seinem Team hingegen eine einheitliche Plattform, auf der heute Großbanken, die Wechselkurse stellen, ihre Angebote einstellen und mit Unternehmen, Fondsgesellschaften oder Kreditinstituten handeln können. Bei der Entwicklung von Funktionalitäten kooperierte das Team eng mit „Sparringspartnern“, Unternehmen wie Lufthansa und Dresdner Kleinwort Wasserstein. „Wir haben uns an den Bedürfnissen unserer Kunden orientiert und nicht wie andere Plattformen eher an den Ansprüchen von Großbanken“, nennt Kölzer einen Grund, warum sich Tex langfristig durchsetzen konnte. „Deshalb kann man über Tex nicht nur Währungen und Währungsoptionen handeln, sondern auch Geldmarktinstrumente und Zinsderivate.“ Unternehmen bietet 360T damit ein praktisches Handwerkszeug, um ihre Finanzierungsstrategien zu verfolgen. Mehr als 300 Gesellschaften, darunter beinahe alle Konzerne des Deutschen Aktienindex DAX, kleinere Banken oder institutionelle Anleger nutzen die Plattform, die sie mit den Angeboten von über 50 Großbanken zusammenbringt. „Tex und 360T agieren dabei als neutrale Mittler“, erklärt Kölzer einen weiteren Wettbewerbsvorteil. Als Vermittler profitiert 360T von Transaktionsprovisionen für über die Plattform abgewickelte Anlage- und Finanzinstrumente sowie von Teilnahmegebühren der Großbanken. Außerdem passt 360T die Technik auf individuelle Wünsche an und lizenziert sie als „White Label“-Lösung an Firmen und Banken. Konzerne tauschen darüber mit ihren Töchtern Währungen aus und Banken wie etwa die WGZ managen damit die Finanzgeschäfte ihrer Filialen. „Da kommt es 360T entgegen, dass wir die Software selbst entwickelt haben und daher flexibel auf Kundenwünsche eingehen können“, meint Kölzer.

Das Wachstum

„Zu Beginn waren viele potenzielle Kunden skeptisch, Devisen online zu handeln und obendrein über ein unbekanntes Unternehmen wie 360T“, erzählt Carlo Kölzer. „Deshalb kam unser Geschäft eher langsam in Schwung.“ Großbanken witterten in dem kleinen Frankfurter Start-up zudem eine unliebsame Konkurrenz. Doch sie ließen sich von den Dienstleistungen ebenso überzeugen wie die Finanzstrategen deutscher Konzerne, auf die 360T in der Startphase Akquisitionen und Verhandlungen konzentrierte. Nach der Lufthansa entschied sich auch BASF für Tex, danach weitere DAX-Konzerne. Das wiederum stimmte die Banken um. Fünf Jahre nach Gründung erreicht das Handelsvolumen, das über Tex abgewickelt wird, an Spitzentagen neun Milliarden, ein Jahr später bereits über 10 Milliarden Euro. Seit wenigen Jahren ist 360T international aktiv und hat für den Vertrieb der Software sowie für die Werbung von Tex-Teilnehmern vier Filialen im europäischen Ausland gegründet und startet mit zwei weiteren gerade in Asien (Singapur) und den USA (New York). Das Nutzernetz weist aktuell 700 Knoten in 42 Ländern auf. 360T beschäftigt derzeit 47 Mitarbeiter.


Die Vision

Elektronische Handelssysteme sind die Zukunft auf dem Kapitalmarkt. Sie beschleunigen weltweite Geschäfte, bieten mehr Transparenz und Sicherheit gegenüber dem Telefonhandel. „Durch die gezielte Entwicklung von Zusatzfunktionen dringt 360T nach den Konzernen nun auch in weitere Kundensegmente vor“, beschreibt Kölzer die nächsten Wachstumsschritte. Wie Unternehmen sollen auch Privatbanken, Sparkassen oder die Manager von Fondsgesellschaften und Hedge Fonds ihre Finanzierungs- und Anlagestrategien über Tex organisieren. Mehr Nachfragen nach Finanz- und Geldmarktinstrumenten, so die Kalkulation, zieht auch Anbieter und Großbanken an – und dies weltweit. „Tex soll bis 2010 einer der weltweit größten elektronischen Knotenpunkte für den außerbörslichen Handel werden“, gibt der Unternehmer selbstbewusst seine Wachstumsziele vor. Nachdem sich 360T in Deutschland und Europa zum führenden, neutralen Mittler von außerbörslichen Finanzgeschäften gemausert hat, nimmt Kölzer nun die Märkte Asien und USA ins Visier. Erste Kunden haben sich bereits von der Technik und der Qualität der Frankfurter überzeugen lassen. „Ein weiterer Expansionspfad eröffnet sich 360T aufgrund der Technologiekompetenz als Anbieter und externer Betreiber von Standardsoftware für die Handelstechnologie von Banken“, so der Softwareexperte weiter. Auch in dieser Sparte will er weltweit zur Spitze gehören. Zur Freude des Gründers „betreut 360T bereits solche Mandate und wird regelmäßig international zur Angebotsabgabe bei Ausschreibungen aufgefordert“. Keine Frage: Seine Geschäftsidee hat den konstruktiven Stress-Test mit Bravour bestanden.

360 Treasury Systems AG, Fankfurt

Als einer der führenden Anbieter in Europa organisiert 360T über einen elektronischen Marktplatz den außerbörslichen Handel von Finanz- und Geldmarktinstrumenten. Unternehmen und Banken bietet 360T zudem Software zum Aufbau eigener Transaktionsplattformen. 360T beschäftigt heute 47 Mitarbeiter.

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