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„Entrepreneur des Jahres 2007“ in der Kategorie Dienstleistung:


Robert Schrödel, VANGUARD AG, Berlin



Sieger 2007: VANGUARD Robert Schrödel

Gegen Widerstände entwickelte Robert Schrödel ein Dienstleistungsunternehmen für Kliniken und machte Vanguard so zum international agierenden Hightech-Konzern. Für seine Innovationskraft und seinen nachhaltigen Unternehmenserfolg verleiht das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Ernst & Young Robert Schrödel den Titel „Entrepreneur des Jahres 2007“.

Der Entrepreneur

Die Marktlücke im Abfallsystem. Robert Schrödel (Jahrgang 1957) stieß in den Operationssälen darauf: Tonnenweise Haken, Klemmen, Becher wurden nach ihrem einmaligen Einsatz einfach weggeworfen. „Ein Wahnsinn, was wir mit medizinischen Produkten betreiben“, stellte der Unternehmer in den neunziger Jahren fest. „Damals konnte man sich mit einer klugen ökologischen Positionierung auch eine ordentliche Wettbewerbsposition erarbeiten.“ Aus diesen Beobachtungen entstand 1998 Vanguard, das erste Unternehmen in Europa, das medizinische Einweg-Produkte systematisch aufbereitete und Kliniken durch technische Dienstleistungen unterstützte. Heute steuert der Diplom-Kaufmann, der seine Karriere in der Pharmaindustrie startete und zusätzlich ein Grundstudium in Pharmakologie absolvierte, einen europaweit agierenden Unternehmensverbund mit 1.280 Mitarbeitern. Diese beschreiben den Franken und Wahlberliner als einen gelassenen, schlagfertigen Chef mit Humor, der schnell die Stärken und Schwächen seiner Mitarbeiter auslotet. Talente aus dem Elternhaus: Vom Vater, erinnert sich Schrödel, habe er gelernt, nicht jedes „Nein“ zu akzeptieren. Die Urgroßmutter weckte das Verständnis für die Unterschiede von Menschen. „Ich habe gelernt, mit Meinungen und Mentalitäten umzugehen“, sagt Schrödel. So setzt der passionierte Segler und Katzenliebhaber vor allem auf die Kraft guter Argumente, hoher Qualität und innovativer Technik. „Die Konkurrenz ließ nichts unversucht, unsere Verfahren in Misskredit zu bringen, und beschwor tödliche Gefahren für die Patienten“, erzählt er. Für seine Idee von mehr Effizienz durch Technik in Kliniken versteht der Unternehmer auch in Verbänden und Initiativen des Gesundheitswesens die Trommel zu rühren.


Die Innovation

Der Name ist Programm: Vanguard ist der englische Begriff für Vorreiter. Das Berliner Unternehmen widmete sich als erstes der Aufbereitung medizinischer Einwegprodukte und entwickelte daraus ein Servicepaket rund um das Management von Kliniken. „Wir wollen dazu beitragen“ erklärt Schrödel, „dass sich das Gesundheitssystem auf hohem Niveau fortentwickelt, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen.“ Angeregt durch ein Beratungsprojekt der Europäischen Union zum Umweltmanagement in Krankenhäusern, widmet sich Vanguard nach der Gründung 1998 zunächst der teuren Materialschlacht in Kliniken. Die Idee ist, Mehrwegtechnologien zu entwickeln, um kostspielige Medizinprodukte dem Wiederverwertungskreislauf zuzuführen. Mit knapp 3,5 Millionen Euro Startkapital aus eigener Hand und von Investoren stellt Schrödel ein Team aus 16 Forschern, Medizinern und Ingenieuren zusammen, entwickelt die Aufbereitungstechnologie, baut in Berlin und in Friedeburg (Niedersachsen) entsprechende Anlagen und konzipiert neue Abläufe für Operationssäle und Praxen. „In Europa gab es damals niemanden, der sich an dieses schwere Feld herangetraut hätte“, berichtet Schrödel. Andere rechneten aus gutem Grund mit Widerstand aus der Pharmabranche oder mit zähen Verhandlungen in Kliniken und mit deren unterschiedlichen Trägern. Doch zum Sparen gezwungene Krankenhäuser begeistern sich sofort für die Aufbereitung von medizinischem Gerät durch einen externen Dienstleister. Der erweitert seine Services, bietet Hospitälern auch Informationstechnologie und verbessert deren Prozesse. „Unser Dienstleistungsspektrum umfasst vier Säulen“, erläutert Schrödel, „die Spezialaufbereitung von Medizinprodukten, die In-house-Sterilisation, das Prozessmanagement und verschiedene Klinik-Services.“ Vanguard installiert Computersysteme, die den Materialfluss in Operationssälen dokumentieren, konzipiert Outsourcing-Aufgaben oder projektiert Operationssäle. „Den Kunden winken nicht nur enorme Preisvorteile“, so Schrödel weiter, „auch die gesamte Materialwirtschaft und alle Prozessabläufe rund um den OP werden mit neuer Technik transparenter und effizienter organisiert.“ Das hat bisher mehr als 1400 Kliniken in Europa, darunter rund 700 in Deutschland, überzeugt. Doch auch die Hersteller von Einwegwaren kommen um Vanguard nicht herum. Mit einigen schließt Schrödel Kooperationen, um die Produktion durch Aufbereitungskriterien zu verändern. „Das Paradoxe und Geniale zugleich: Die Absatzzahlen einiger Produkte konnten dadurch sogar gesteigert werden“, freut sich Schrödel.

Das Wachstum

„Es gibt heute Möglichkeiten, Betriebs- und Prozesskosten durch innovative Verfahren und Einführung neuer Abläufe zu reduzieren“, ist Schrödel überzeugt. „Die Einsparungen können dann wieder anteilig zur Finanzierung fälliger Innovationen herangezogen werden.“ Was Vanguard Krankenhäusern empfiehlt, wird auch im Unternehmen gelebt. So bereiten die Berliner ein aufwändiges elektronisches System zur Dokumentation von Kundenwünschen und zur Pflege von Kundenbeziehungen vor. Es soll den Vertrieb des Hightech-Dienstleisters verbessern. „Technologieführerschaft verbunden mit konsequenter Qualitätsorientierung“, nennt Schrödel sein Erfolgsrezept. So wuchs der 16-Mann-Entwicklungsbetrieb zum internationalen Konzern mit zahlreichen Tochter- und Beteiligungsgesellschaften in Europa und China. Vanguard führt heute den Markt für die Aufbereitung von Medizin- und Sterilprodukten in Europa an und gilt als führender Anbieter von Rundum-Services im Gesundheitsbereich. Durch geschickte Übernahmen und Kooperationen erweiterte Vanguard das eigene Spektrum. So kaufte Vanguard 2002 die Hamburger Steri-Plus, die für Kliniken die Sterilisation von Instrumenten übernimmt. Zwei Jahre später ergänzt die französische Optim das Dienstleistungsangebot um Informationstechnologien. Die Kooperation mit der Klinikkette BMI Health Care erweitert in den nächsten Jahren das Netz der Aufbereitungs- und Sterilisierungsanlagen um sechs Knoten in Großbritannien. Vanguard beschäftigt heute rund 1.280 Mitarbeitern.

Die Vision

Nicht nur in Deutschland stehen die Kliniken verstärkt unter Kostendruck. „Die Nachfrage, die hier entstanden ist, ist Motor für weiteres Wachstum“, ist sich der Klinikspezialist sicher. Vanguard will sich davon einen großen Teil sichern. „Die Nachfrage steigt auch deshalb, weil Vanguard nicht nur berät, sondern die neuen Konzepte als Technologiepartner mit dem Krankenhaus umsetzt und dabei Risiken und Chancen teilt“, erläutert Schrödel. Neben der Aufbereitung von medizinischem Gerät organisiert Vanguard dank moderner Datenerfassung auch die Versorgung mit Instrumenten und realisiert so weitere Sparpotenziale. „In einer Klinik haben wir festgestellt, dass der Vorrat an Wundhaken bis zum Jahr 2057 reicht, andere Instrumente fehlten dafür ganz“, berichtet Schrödel. „Eine Klinik, die den Überblick hat, welche Instrumente und Sachmittel von wem für welchen Fall genutzt werden, kann eine abgestimmte Belieferung der OPs realisieren und dadurch Zwischenlager abbauen. Sie verringert damit das Beschaffungsvolumen, Kapitalbindungs- und Lagerhaltungskosten.“ Und dies, ohne dass die Gesundheitsversorgung leidet. Neuerdings projektiert Vanguard auch Operationssäle und hilft Kliniken bei der Finanzierung. Aus diesem Angebot wuchs das Konzept für chirurgische Fachkliniken, die Vanguard nun im Franchisemodell betreiben will. Effizienz, das steht fest, kann noch in vielen Bereichen des Gesundheitswesens realisiert werden – zum Nutzen aller.

VANGUARD AG, Berlin

1998 gegründet, hat sich die Vanguard AG zum Marktführer bei der Aufbereitung und Sterilisierung komplexer Medizinprodukte entwickelt. Daneben bietet die Vanguard AG umfangreiche Dienstleistungen für Kliniken vom Instrumenten-Management bis hin zur Projektierung von Operationssälen und Fachkliniken. Mehr als 1400 Kliniken arbeiten mit Vanguard in Europa und Asien zusammen. Das Unternehmen beschäftigt heute 1.280 Mitarbeiter.

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