Press release

Konjunkturelle Erholung in der Eurozone, das Ungleichgewicht zwischen Nord und Süd verstärkt sich jedoch

Luxembourg, 1 October 2013

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  • Exporte kurbeln 2014 das Wachstum um 0,9% in der Eurozone an
  • Arbeitslosigkeit erreicht Mitte 2014 ihre Höchststand von 12,6%

Laut dem EY Eurozone Autumn Forecast (EEF) zeichnet sich ein beginnender Aufschwung in der Eurozone ab. Doch trotz der positiven Anzeichen eines wirtschaftlichen Aufschwungs wird das Wachstum sich voraussichtlich nur langsam erholen. Die Lockerung der Sparmaβnahmen und die Belebung des Welthandels werden den Aufschwung zum Jahresende hin zwar stärken, die unverändert steigende Arbeitslosigkeit und die wachsende Kluft auf dem ganzen Kontinent werden den Aufschwung jedoch erschweren.

Für dieses Jahr wird ein Abschwung von 0,5% prognostiziert, was eine leichte Zunahme im Vergleich zur Prognose des zurückliegenden Quartals bedeutet, gefolgt von einem Wachstum von 0,9% in 2014. Ein BIP-Wachstum von 1,5% wird für die Jahre 2015-17 erwartet. Ständig wachsende Unterschiede zwischen den Kernländern und der Peripherie bleiben jedoch weiter bestehen. Deutschland bleibt mit einem Wachstum von 0,6% dieses Jahr nach wie vor der Motor der Eurozone. Die am meisten betroffenen Peripheriestaaten werden 2013 jedoch weiter schrumpfen, obwohl sich ihre Talfahrt verlangsamt. Laut der Prognose stabilisiert sich die Wirtschaft 2014 in Italien und Portugal und 2015 in Griechenland.

Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone wird Mitte 2014 mit 12,6% ihren Höhepunkt erreichen. Die wesentlichen Unterschiede in den Arbeitslosenzahlen bestehen 2014 in Spanien mit 27,6% und Griechenland mit 29% im Gegensatz zu Deutschland mit lediglich 5,4%.

Des Weiteren hebt die Prognose hervor, dass die Konjunktur durch den Schuldenabbau im öffentlichen wie im privaten Sektor und durch einen Mangel an bezahlbaren Finanzierungen gehemmt sein wird. Diese beiden Gesichtspunkte werden gröβere Auswirkungen auf die Peripherieländer haben und eine weitere Kluft zu den Kernländern der Eurozone verursachen.

Alain Kinsch, Country Managing Partner von EY Luxemburg, bemerkt: „Zum ersten Mal nach acht Prognosen gehen wir von einem moderaten Wachstum im nächsten Quartal in der Eurozone aus. Dennoch dürfen Politiker nicht in Selbstzufriedenheit verfallen. Unterschiede in den Finanzierungsbedingungen und Entwicklungen am Arbeitsmarkt bleiben auf dem ganzen Kontinent ernüchternd. Die relative Ruhe auf den Finanzmärkten muss auch dazu genutzt werden, Umstrukturierungsprozesse vor allem im Bankensektor zu beschleunigen.”

Marie Diron, Senior Economic Adviser des EY Eurozone Forecast, erläutert: „Die längste Rezession in der Geschichte der Eurozone endete im zweiten Quartal und eine langsame Erholung ist nun in Sicht. Das Unternehmervertrauen hat eine Hürde genommen, Unternehmen müssen jedoch agil sein und mit den Veränderungen umgehen, die die neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit sich bringen. Dies kann nicht bedeuten, wieder zur normalen Tagesordnung überzugehen.”

Zur Verankerung des Aufschwungs Wachstum mit Schwerpunkt auf der Binnenwirtschaft

Ein deutlicherer Aufschwung wird dank externer Faktoren für die zweite Jahreshälfte erwartet – einschlieβlich einer Erholung in den USA sowie ermutigender Zeichen aus Groβbritannien. Beide Länder sind wichtige Handelspartner. Diese weisen auf einen stabilen Anstieg der Exportnachfrage in der Eurozone hin. Die Prognose zeigt eine wachsende Nachfrage für Exporte in der Eurozone, die von 3,8% in diesem Jahr auf 5,9% in 2014 und 6,6% in 2015 ansteigt.

Eine wesentliche Schwächung des Euro, der derzeit um schätzungsweise 8% überbewertet ist, sollte Exporte in der Eurozone fördern.

Angesichts der Bedeutung von Exporten für den Aufschwung geht der EEF davon aus, dass Produktionsunternehmen von einem Umschwung profitieren. Die Perspektiven für andere Branchen sind jedoch schwächer, insbesondere in der Konsumgüterbranche und im öffentlichen Sektor. Auch in der Baubranche wird von einem schwachen Wachstum ausgegangen.

Marie erläutert: „Obwohl starkes Welthandelswachstum und eine Abschwächung des Euro Exporteuren eine Hilfestellung geben, reicht dies allein für eine nachhaltige Erholung nicht aus. Die neueste enttäuschende Entwicklung in den Schwellenländern beleuchtet das Risiko einer Abhängigkeit von exportgetriebenem Aufschwung. Daher ist es wichtig, dass die hiesige Wirtschaft an Fahrt gewinnt.”

Die Möglichkeiten nach einer stärkeren Binnennachfrage haben sich aufgrund der abgeschwächten Aussagen der Behörden in Bezug auf Sparmaβnahmen erhöht. Derzeitige Pläne beinhalten, dass Sparmaβnahmen von 0,8% des BIP in diesem Jahr auf rund 0,5% des BIP von 2014-15 zurückgehen dürften. Die Wachstumsbremse durch Sparmaβnahmen wird dadurch wesentlich gemindert.

Der Aufschwung auf dem Binnenmarkt wird kurzfristig besonders in den Peripheriestaaten durch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit belastet. Dies wird einige der Vorteile wie geringere Inflation, Begrenzung des Realeinkommenszuwachses sowie Anstieg der Konsumausgaben um lediglich 0,5% in 2014 und 1,1% in 2015 ausgleichen.

Gehemmter Aufschwung durch Schuldenabbau im öffentlichen und privaten Sektor

Alain Kinsch erläutert: „Der Entschuldungsprozess wird noch eine Zeit andauern. Mittelfristig gibt es zur Begrenzung des Schuldenstands noch viel zu tun – besonders in den Peripherieländern. Realistisch gesehen verurteilt dies die Eurozone zu einem Jahrzehnt der Entschuldung und den damit verbundenen langfristigen negativen Auswirkungen auf Wachstum. Es besteht ein Bedarf an abgestimmten politischen Maβnahmen, damit die erforderlichen Bilanzsanierungen die Konjunktur nicht hemmen.”

Obwohl man sich auf die Verringerung der Staatsschulden konzentriert hat, muss sich auch mit der hohen Verschuldung im privaten Sektor befasst werden, bevor die Wirtschaft ein stärkeres Wachstum in der Eurozone stützen kann. Im Gegensatz zu den USA und in geringerem Maβe zu Groβbritannien hat sich die Verschuldungsquote im privaten Sektor in der Eurozone kaum verringert.

Im Privatsektor ist der schwach kapitalisierte und überschuldete Bankensektor von zentraler Bedeutung. Banken bleiben bis zu ihrer Rekapitalisierung bei der Beschränkung der Kreditvergabe unter Druck.

Ein Mangel an günstigen Finanzierungsmöglichkeiten, insbesondere in der Peripherie, wird das Ausmaβ, bis zu dem Unternehmensinvestitionen sich erholen, beschränken und den potentiellen Produktionszuwachs in vielen Volkswirtschaften hemmen. Bis zur Lösung der Probleme im Bankensektor bleibt die Ungleichheit zwischen den Kernländern der Eurozone und der Peripherie bestehen.

Blick in die Zukunft

Obwohl es immer noch Anzeichen von Unsicherheit und Risiko gibt, scheint sich die Wirtschaft in der Eurozone langsam zu erholen. Politiker müssen jedoch Strategien zur Förderung des Aufschwungs weiter vorantreiben. Die EZB sollte bereit sein, das OMT-Programm (Outright Monetary Transactions) zu aktivieren, falls Portugal einen Kredit anfragen muss. Des Weiteren sollte die EZB die von den USA ausgehende Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen kompensieren.

Alain fasst abschlieβend zusammen: „Die EZB sollte auch zur Beibehaltung der lockeren Geldpolitik einschreiten. Dies könnte erfolgen durch vorausschauende Richtlinien, einen gelockerten Sicherheitenrahmen für Banken oder das Schlechtreden des Euro-Wertes.

Zusätzlich könnten Politiker die relative Ruhe zur Beschleunigung der Pläne einer Bankenunion sowie weiterer steuerlicher Integration zur Ankurbelung des Aufschwungs nutzen.”

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Diese Pressemitteilung wurde von EYGM Limited, einem Mitgliedsunternehmen der internationalen EY-Organisation, veröffentlicht. Auch dieses Unternehmen erbringt keine Leistungen für Mandanten.

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